• Dicht an dicht in Potsdam: Kein Platz für Kinderbetreuung im Bornstedter Feld?

Dicht an dicht in Potsdam : Kein Platz für Kinderbetreuung im Bornstedter Feld?

Laut einer Sozialraumstudie wird es bis 2021 eng im Bornstedter Feld. Das hat auch mit der Biosphäre zu tun.

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Foto: L. Hannemann
30.01.2018 20:50

Potsdam - Der Platz wird knapp: Bis 2021 fehlen im Bornstedter Feld 292 Kindergarten- und 171 Krippenplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sozialraumstudie, die die kommunale Bauholding Pro Potsdam in Auftrag gegeben hat. Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke stellte die Studie am gestrigen Dienstag gemeinsam mit Stadtplaner Jochen Putz vor. Die 20 000 Euro teure Studie wurde im Vorfeld des ersten Treffens des Workshops zur Zukunft der defizitären Biosphäre erstellt.

Laut dem Papier werden bis 2021 auch mehr Menschen ins Bornstedter Feld ziehen, als die bisherigen Prognosen der Pro Potsdam ausgesagt hatten. Statt der erwarteten 12 500 Einwohner im Jahr 2021 werden bis zu diesem Zeitpunkt laut der aktualisierten Prognose 14 496 Einwohner in Potsdams schon jetzt viertgrößtem Stadtteil leben. Besonders stark vertreten: Menschen im Alter zwischen 30 und 44 Jahren, demnach auch viele Kinder im Alter bis zu neun Jahren.

Was die fehlenden Kitaplätze mit der Biosphäre zu tun haben

Wo die benötigten Kitas und Krippen gebaut werden können, ist derzeit noch offen. Mögliche Bauflächen – auch für eine Jugendfreizeiteinrichtung mit 145 Plätzen, die im Moment an der Georg-Hermann-Allee geplant ist – seien auch davon abhängig, was in Zukunft mit der Biosphäre geschehen soll. Je nachdem, ob das Gebäude komplett oder teilweise abgerissen oder erhalten bleibt, könnten auch darin Bildungseinrichtungen Platz finden, so Nicke. Ansonsten komme die Fläche rund um die Biosphäre in Frage, also der Parkplatz und das Wäldchen südlich des Baus.

Ebenso möglich sei die Fläche nördlich der provisorischen Schule an der Esplanade. Dort sei laut Nicke Platz für eine Jugendfreizeiteinrichtung und eine Kita. Auch den Vorschlag der CDU/ANW-Fraktion, einen Teil des Volksparkes nördlich der Biosphäre statt für Wohnungen für soziale Infrastruktur zu nutzen, wie es in einem Antrag für die heutige Stadtverordnetenversammlung gefordert wird, sei eine Variante. „Noch ist dieser Bereich im B-Plan allerdings als Wohngebiet ausgewiesen“, sagte Nicke.

In drei jahren besteht erhöhter Bedarf an Spielplätzen für Zehn- bis 14-Jährige

Die veränderte Bevölkerungsprognose in der Studie komme vor allem dadurch zustande, dass Gebiete, die ursprünglich für gewerbliche Nutzung geplant waren, inzwischen für Wohnungen vorgesehen seien, erklärte Nicke. Dazu gehöre beispielsweise die Fläche der Roten Kaserne Ost. „Auch die durchschnittlichen Wohnungsgrößen haben sich verändert“, sagte Stadtplaner Putz. Der Trend gehe zu kleineren Wohnungen. Deshalb entstünden im Bereich der Roten Kaserne West, Am Schragen und an der Kirschallee 505 Wohnungen mehr als noch 2016 geplant.

Trotz der bisher geplanten Verkleinerung des Volksparkes – 35 000 Quadratmeter Park würden ab Ende des Jahres nach den jetzigen Plänen verschwinden – stehe man laut Studie gut da, was die Bereitstellung von Grünflächen im Bornstedter Feld angehe. Der nach der Verkleinerung 60 Hektar große Volkspark würde ein bis 2021 entstehendes Defizit an sogenannten wohnungsnahen Grünflächen wettmachen.

In drei Jahren gebe es ebenfalls einen erhöhten Bedarf an Spielplätzen für Zehn- bis 14-Jährige. Auch das solle laut der Studie, die vom Berliner Unternehmen slapa & die raumplaner erstellt wurde, durch den nahen Volkspark kompensiert werden. Vorstellbar sei beispielsweise ein neues Kleinspielfeld.

„Die Frage ist: Was braucht Potsdam und für was ist die Stadt bereit, Geld auszugeben?"

Und welches Fazit zieht Nicke aus der Studie? Die Erkenntnisse kämen zwar spät, noch sei ein Handeln aber möglich, resümierte der Pro-Potsdam-Chef. Sollte der Biosphären-Workshop mit Fraktionsvertretern zügig vorangehen, könne man beispielsweise gegenüber der Biosphäre direkt mit dem Bau einer Kita beginnen. Davor steht aber die Einigung über die Biosphäre, die die Stadt im vergangenen Jahr mit rund 903 000 Euro bezuschusste. Was mit der defizitären Tropenhalle geschehe, müsse man als Erstes klären, so Nicke. Er verspreche sich einiges von dem Verfahren, an dessen Ende eine bisher nicht näher definierte Bürgerbeteiligung steht.

Den Prozess zur Biosphäre hatten SPD, CDU und Grüne im Sommer gegen den Widerstand von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beschlossen, bis Juni sind diverse Runden und ein „geschlossenes Werkstattverfahren“ geplant. Die Ergebnisse sollen im September in einen Beschluss des Hauptausschusses münden, im Frühjahr 2019 haben dann die Stadtverordneten das letzte Wort. Zu den Kosten für das Verfahren machte Nicke keine Angaben.

Nicke versprach sich gestern Nachmittag Chancen von dem ersten Treffen. „Wir müssen aber aus der bisherigen Arbeitsmethode herauskommen“, sagte er. Es seien so viele Konzepte zur Biosphäre entwickelt worden, dass man nun einen anderen Arbeitsmodus benötige. Er erhoffe sich eine Entscheidung über Verbleib oder Abriss der Halle bis Mitte des Jahres. „Die Frage ist: Was braucht Potsdam und für was ist die Stadt bereit, Geld auszugeben?“

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Kommentar: Den Anwohnern im Bornstedter Feld ist nicht zuzumuten, dass die Stadt und Pro Potsdam die wichtigen Maßnahmen für die soziale Infrastruktur weiter aufschieben, meint PNN-Redakteurin Valerie Barsig in ihrem Kommentar.

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