• Diagnose Brustkrebs: Lebensmut trotz Existenznot

Diagnose Brustkrebs : Lebensmut trotz Existenznot

Katharina Meier ist 25 Jahre alt, als sie einen Brusttumor entdeckt. Den Krebs übersteht sie, für die OP einer Folgeerkrankung will die Krankenkasse nicht zahlen. Jetzt werden Spenden gesammelt  

Referendarin Katharina Meyer besiegte den Krebs, kämpft aber mit einer Folgeerkrankung.
Referendarin Katharina Meyer besiegte den Krebs, kämpft aber mit einer Folgeerkrankung.Foto: privat

Eigentlich sollte in Potsdam ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Katharina Meier hatte in Landau in der Pfalz gerade ihr Studium für das Grundschullehramt abgeschlossen und war für ihr Referendariat an einer Grundschule in die brandenburgische Landeshauptstadt gezogen. Gerade einmal seit zwei Wochen war die damals 25-Jährige da, als sie in ihrer Brust einen Knoten entdeckte. Ein Arzt bestätigte schließlich die Diagnose Brustkrebs. „Es ist heftig, was das alles mit sich bringt“, sagt die junge Frau heute rückblickend. 

Durch Chemotherapie und Bestrahlung ist der Krebs zwar weg. Aber da es sich um eine genetisch vererbte, besonders aggressive Mutation handelt, sei das Risiko sehr hoch, dass der Krebs irgendwann wiederkommt. Aus diesem Grund entschied sich Meier für eine beidseitige Mastektomie, also die vollständige Entfernung ihrer Brüste. „Ein Schritt, der für mich damals klar war“, sagt die inzwischen 28-Jährige. Sie erhielt einen Ersatz durch Silikon-Implantate, habe aber dadurch kein Gefühl mehr in den Brüsten. „Man muss tolerant sein, um das zu akzeptieren“, sagt sie. Durch die Krebsart sind auch ihre Eierstöcke besonders gefährdet. Diese möchte sie sich erst entfernen lassen, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.  

Durch Chemotherapie Folgeerkrankung erlitten

Katharina Meier hat – bei allen verbleibenden Risiken – den Krebs überstanden. Doch ihr Gesundheitszustand ist noch nicht wiederhergestellt. Seit der Krebsbehandlung leidet sie an einem stark ausgeprägten Lipödem, eine Fettverteilungsstörung, die zu Wassereinlagerungen am ganzen Körper führt. 25 Kilogramm hat sie dadurch zugenommen. Es sei etwas, das sie tagtäglich in ihrem Alltag einschränke. Um die Symptome zu lindern, muss sie ständig einen Kompressionsanzug tragen, selbst Handschuhe, auch im Sommer, und nachts eine Kompressionsmaske im Gesicht. 

„Es ist jedes Mal eine Tortur, das anzuziehen“, berichtet die junge Frau. Das Schlimmste daran seien die starken Schmerzen, die sie dadurch ertragen muss. Durch die starke Spannung der Haut ist jede Bewegung für sie belastend. Das Einzige, das ihr helfen könnte, sind vier Operationen, bei denen das Lipödem im besten Fall komplett entfernt werden könnte, die in jedem Fall aber die Schmerzen beseitigen würden. „Ich möchte einfach schmerzfrei sein“, sagt Meier. Die Krankenkasse weigert sich aber, die dafür nötigen 25 000 Euro aufzubringen. Aus eigener Tasche kann die Referendarin das nicht bezahlen. Daher sammelt die Familienkrebshilfe Sonnenherz, eine gemeinnützige Organisation, Spenden für die junge Frau.

Das Begegnungscafé in Babelsberg.
Das Begegnungscafé in Babelsberg.Foto: Manfred Thomas

Keine Resignation trotz der Einschränkungen

Trotz all der Einschränkungen ist bei Katharina Meier von Resignation keine Spur. Dabei hatte sie neben dem Krebs und der Folgeerkrankungen noch mit anderen Hürden zu kämpfen. Das größte Problem liegt darin, dass Referendare kaum abgesichert sind, wenn sie krankheitsbedingt ausfallen. Auch junge Menschen würden schwer erkranken, sagt sie. „Im System ist das aber nicht vorgesehen.“ 

Statt Krankengeld zu bekommen, wurde sie aufgefordert, ihr Referendariat zu pausieren und musste Hartz IV beantragen. Auch eine Wiedereingliederung wurde ihr, anders als es bei fertig ausgebildeten Lehrern der Fall ist, zunächst verweigert. Aber Katharina Meier ließ nicht locker. Sie erstritt eine Wiedereingliederung. Mittlerweile führt sie ihr Referendariat wieder in Vollzeit aus. 

„Ich habe es mir als erste Referendarin im Land Brandenburg erkämpft, Wiedereingliederung zu bekommen“, sagt sie. Wie kämpferisch und engagiert die junge Frau trotz aller körperlichen Leiden ist, beeindruckt. Das hängt auch mit ihrer Liebe zu ihrem Beruf zusammen. Sie tue alles, um diesen auszuüben. „Ich habe mich nicht durch den Krebs durchgekämpft, um dann nicht Lehrerin zu sein“, betont sie.  

Hintergrund

In Brandenburg erkranken laut Informationen des gemeinsamen Krebsregisters der ostdeutschen Länder aktuell etwa 2000 Frauen jährlich an Brustkrebs. Allein im Jahr 2019 sind insgesamt etwa 500 Frauen in Brandenburg an Brustkrebs verstorben. Das geht aus dem Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes hervor. Um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können, ist eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust eine wichtige Methode. Außerdem erfolgt ab dem 30. Lebensjahr eine Tastuntersuchung bei der Ärztin oder dem Arzt. Weitere wichtige Methoden der Früherkennung sind die Mammographie, also eine Röntgenuntersuchung der Brust, sowie die Ultraschalluntersuchung der Brust. Seit 2007 gibt es außerdem das Mammographie-Screening als bundesweites Früherkennungsprogramm: Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden angeschrieben und erhalten einen Terminvorschlag für eine Untersuchung.

Zusätzlich engagiert sie sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe im Begegnungscafé Babelsberg und in der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Im vergangenen Jahr hat sie mit weiteren Betroffenen den „Treffpunkt Brandenburg“ für an Krebs erkrankte Menschen gegründet. „Es hilft mir, weil ich mich austauschen kann“, sagt Meier. 

Und andere Menschen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und ihre eigenen Erfahrungen weiterzugeben, ist ihr Ziel. Auch sie selbst erhält Unterstützung: von Freunden, die sie in Potsdam gefunden hat, aber auch von ihrem Partner. Das sei sehr wertvoll, sagt Katharina Meier.

Wer für Katharina Meier spenden möchte, kann das über das Spendenkonto der Familienkrebshilfe Sonnenherz tun:
Familienkrebshilfe Sonnenherz gUG,
IBAN: DE82700222000020267984
BIC: FDDODEMMXXX
Fidorbank München
Verwendungszweck: „Helft Katharina“


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