• Der Beißer ist da: Riesenbagger zerlegt Fachhochschule in Potsdam

Der Beißer ist da : Riesenbagger zerlegt Fachhochschule in Potsdam

Eine riesige Baumaschine hat auf der Baustelle am Alten Markt mit dem Abriss des früheren FH-Gebäudes begonnen.

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07.05.2018 16:19

Potsdam - Wer in der Innenstadt am abgesperrten Areal der früheren Fachhochschule am Alten Markt entlanggeht, kann den Koloss kaum verfehlen: 28 Meter lang ist der weiße Arm aus Stahl, der sich immer wieder auf das Skelett der alten FH zuschiebt und eine Stahlbetonplatte nach der anderen aus dem alten DDR-Bau reißt. Am heutigen Montag hat ein 65 Tonnen schwerer Riesenbagger damit begonnen, die Fachhochschule dem Erdboden gleichzumachen. 

Mit ihrer mächtigen Zange reißt das Gerät selbst stabile Stahlbetonteile ab, zerkleinert sie, wie ein prähistorischer Saurier seine Beute zerstückelt.

Dabei hätte sich die Maschine eigentlich schon vergangenen Mittwoch auf die Baustelle drehen sollen. Wegen Problemen mit dem Schwertransport kam der Koloss mit Verspätung in der Innenstadt an. Der Sanierungsträger spricht nicht von einem Abriss der FH. Was hinter dem Zaun auf dem abgezäunten Areal passiert, wird offiziell als "Rückbau" bezeichnet. Der Bagger beißt sich von Norden in Richtung Süden, trägt das Gebäude dabei geschossweise ab. Mehrere Wochen soll das gehen, ehe das oberirdische Gebäudes abgerissen ist. Danach werden die Wände des Tiefbaus zertrümmert. Bleibt es beim jetzigen Zeitplan, wird schon im Sommer von der Straße aus nichts mehr vom alten Gebäude zu sehen sein. Der gesamte Rückbau des Areals der Fachhochschule soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. 

12 000 Tonnen schadstoffbelastetes Material entfernt

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Bereits im Sommer vergangenen Jahres war das Gebäude leergezogen und eingezäunt worden. Seitdem wurden nach Angaben des Sanierungsträgers rund 12 000 Tonnen schadstoffbelastetes Material, darunter 162 Tonnen asbesthaltiges Bau- und Dämmmaterial, rund 800 Tonnen Estrich und rund 500 Liter Hydraulik-Öl entfernt. 

Der größte Teil der Bauarbeiten hat erst am Montag begonnen: Rund 30 000 Tonnen Beton aus den Stützen, Decken, Bodenplatten und Fundamenten müssen nun zerkleinert, sortiert und von der Großbaustelle abtransportiert werden. Das entspricht rund 12 500 Kubikmetern Material, die entsorgt und abgefahren werden müssen. Doch es wird auch Material geliefert: Rund 12 000 Kubikmeter Erde sind nötig, um die Baugrube nach der Tiefenenttrümmerung wieder zu füllen. Außerdem sollen die Ränder der Baugrube zur Nikolaikirche, zum Staudenhof und zum Landtag durch Spund- oder Trägerbohlwände gesichert werden.

Ab dem nächsten Jahr soll das Areal neu bebaut werden. Zunächst soll auf der Fläche zwischen Landtag und der verlängerten Schwertfegerstraße eine Karree aus Wohn- und Geschäftshäusern entstehen – der sogenannte Block 3. Am gestrigen Mittwoch stimmten die Stadtverordneten im nichtöffentlichen Teil ihrer Sitzung der Grundstücksvergabe an die Investoren zu, bestätigte ein Stadtsprecher auf PNN-Anfrage. Die Potsdamer Genossenschaften „Karl Marx“ und PWG 1956, der Hamburger Immobilienentwickler Rockstone Real Estate und mehrere Einzelinvestoren hatten im März als Ergebnis eines mehrstufigen Wettbewerbsverfahrens den Zuschlag bekommen. Die ersten Bewohner könnten möglicherweise schon 2021 einziehen, so die Pläne der Stadt.