• Datenstau im Potsdamer Gesundheitsamt: Hunderte Corona-Infektionen nicht ans RKI gemeldet

Datenstau im Potsdamer Gesundheitsamt : Hunderte Corona-Infektionen nicht ans RKI gemeldet

Potsdam kommt offenbar bei der Meldung von Corona-Daten an das Robert-Koch-Institut nicht hinterher. Im Rathaus will man nun herausfinden, warum das so ist.

Blick auf das Rathaus in der Friedrich-Ebert-Straße. 
Blick auf das Rathaus in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Das in der Corona-Pandemie stark beanspruchte Potsdamer Gesundheitsamt kommt offenbar bei der Meldung von Infektionen an das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht mehr nach. Wie das Brandenburger Gesundheitsministerium den PNN auf Nachfrage am Montag mitteilte, fehlten am Freitag 601 Infektionsfälle. Über das Wochenende und am Montag kamen weitere 152 dazu, die in der RKI-Statistik nicht auftauchen.

Der Datenstau führt dazu, dass Potsdam in der offiziellen Übersichtskarte des RKI auf dessen Webseite als eines der wenigen Gebiete mit niedriger Inzidenz ausgewiesen wurde: Eine gelbe Insel in einem roten Meer. Am Montag wurde dort die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner laut RKI-Dashboard mit 28,8 angegeben – laut Stadt waren es aber 241,8. Mehr als acht mal so viel. Das RKI-Dashboard wies als absolute Zahl der Neuinfektionen in Potsdam der letzten sieben Tage mit 52 aus – allein am Freitag vermeldete das städtische Gesundheitsamt aber 70 Neuinfektionen. Eine ebenfalls hohe Differenz ist bei der Zahl der Gesamtfälle zu beobachten: Laut RKI-Dashboard (Stand 21.12.) sind es 2082, laut Stadt 2835. Ein Viertel der laborbestätigten Infektionen taucht nicht auf.

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Kompliziertes Meldeverfahren

Das Gesundheitsministerium führt die abweichenden Zahlen auf ein kompliziertes Meldeverfahren zurück: "Im Zeitraum den vergangenen sieben Tage wurden durch die Stadt Potsdam 455 neue Infektionsfälle an das zuständige Landesamt übermittelt", so Sprecher Gabriel Hesse. Die Berechnung der 7-Tages-Inzidenz des RKI-Dashboards erfolge aber auf Grundlage der Infektionszahlen, die durch die Gesundheitsämter über eine Software namens SurvNet übermittelt werden. Die verwendet das RKI zur Verwaltung, Kommunikation und Analyse von Infektionsmedlungen. Da das Land zusätzlich zu den SurvNet-Daten auch Infektionsmeldungen per Email zulässt, ergebe sich eine Diskrepanz der für die Berechnung der 7-Tages-Inzidenzen zugrundeliegenden Daten zwischen Landesamt und RKI. 

"Darüber hinaus erhielten wir am Wochenende den Hinweis, dass in Potsdam technische Probleme bei der Meldesoftware bestünden und die Meldungen voraussichtlich am Montag nachgeliefert würden", so Hesse weiter. "Verzögerte Datenmeldungen dieser Art erhöhen die Gefahr unplausibler Kennwerte deutlich."

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Im Rathaus hat man offenbar eine andere Wahrnehmung: Auf Nachfrage hieß es, das Problem der unterschiedlichen Fallzahlen sei bereits im Verwaltungsstab angesprochen worden. "Unschön ist derzeit, dass die beim RKI angezeigten Fallzahlen der Stadt Potsdam viel zu niedrig sind", hieß es am Montagnachmittag im täglichen Corona-Update. "Die Stadt wird sich mit dem RKI und dem Land in Verbindung setzen um zu prüfen, warum die übermittelten Daten nicht angezeigt werden."

Probleme auch in anderen Landkreisen

Ganz allein ist man mit dem Problem allerdings nicht. Der Landkreis Oder-Spree beispielsweise hatte schon vor mehr als einer Woche mitgeteilt, dass das Gesundheitsamt bei der Datenweitergabe an das RKI nicht mehr Schritt halten kann. "Aufgrund des hohen Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Auslastung der Mitarbeiter durch das Fallmanagement und die Kontaktpersonennachverfolgung wird die umfassende Datenaufbereitung in diesem Programm derzeit nachrangig behandelt", so der Landkreis.

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