• Cottbusser Virologe zu Delta-Ausbreitung und EM: "Was die UEFA gemacht hat, ist absolut grenzwertig."

Cottbusser Virologe zu Delta-Ausbreitung und EM : "Was die UEFA gemacht hat, ist absolut grenzwertig."

Der Virologe Frank Hufert rechnet trotz Impfungen mit steigenden Zahlen und übt deutliche Kritik an der UEFA wegen EM-Spielen in vollen Stadien.

Silke Nauschütz
Frank Torsten Hufert, leitet seit 2014 das Institut für Mikrobiologie und Virologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg. 
Frank Torsten Hufert, leitet seit 2014 das Institut für Mikrobiologie und Virologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Foto: Stadt Potsdam/Robert Schnabel

Cottbus - Der Virologe Frank Hufert hat mit Blick auf die sich ausbreitende Delta-Variante dazu aufgerufen, beim Impfen gegen das Coronavirus nicht nachzulassen. „In wenigen Wochen (...) ist die Delta-Variante die Number One und dementsprechend werden auch die Zahlen, denke ich, wieder etwas ansteigen“, sagte der Forscher an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Die Delta-Variante sei deutlich ansteckender. Genaue Daten dazu würden derzeit noch ausgewertet. 

Hufert: Keine Impfung schütze zu 100 Prozent

Durch einen vollständigen Impfschutz sei die Wahrscheinlichkeit groß, nicht schwer zu erkranken. Allerdings schütze keine Impfung zu 100 Prozent - in der Biologie gebe es das nicht, betonte Hufert. Auch Geimpfte könnten sich anstecken und in seltenen Fällen auch erkranken. Hufert ist neben seiner Tätigkeit an der BTU seit 2014 Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Virologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg. 2020 leitete er in Potsdam neben Brandenburgs früherer Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) die Untersuchungskommission zur Aufarbeitung des schweren Coronaausbruchs im kommunalen Bergmann-Klinikum.
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Der Forscher warnte vor Leichtsinn im Umgang mit der Pandemie. „Wir dürfen uns nicht sagen, wir haben eine niedrige Inzidenz und wir können jetzt alles lassen.“ Die Hygienemaßnahmen sollten beibehalten werden, etwa das Maskentragen in Schulen. Auch Antigentests in großen Gruppen seien sinnvoll, nicht im Einzelfall.

60.000 Zuschauer für Halbfinals und Finale zugelassen

Massenveranstaltungen müssten unter Vorsichtsmaßnahmen entschieden werden. In diesem Zusammenhang kritisierte er die teilweise vollen Stadien bei der Fußball EM. „Was die UEFA gemacht hat, ist aus meiner Sicht absolut grenzwertig“. Für die Halbfinals und das Endspiel im Londoner Wembley-Stadion sollen 60.000 Zuschauer zugelassen werden. Weil die Corona-Zahlen durch die Delta-Variante zuletzt in Großbritannien wieder stiegen, ist der Schritt umstritten. Nach Angaben schottischer Behörden ließen sich dort knapp 2000 Corona-Fälle in Verbindung mit Spielen der Fußball-Europameisterschaft bringen. Zwei Drittel von den 1991 positiv Getesteten seien Fans, die entgegen der Ratschläge aus dem Norden zu Spielen nach London gereist seien, wie die Gesundheitsbehörde Public Health Scotland mitteilte. Auch in St. Petersburg, wo am Freitag das Viertelfinale zwischen Spanien und der Schweiz ausgetragen wurde, waren die Zahlen zuletzt gestiegen.

Volles Stadion beim Viertelfinalspiel der Schweiz gegen Spanien in St. Petersburg. 
Volles Stadion beim Viertelfinalspiel der Schweiz gegen Spanien in St. Petersburg. Foto: Maxim Shemetov/Pool/dpa


Zuvor hatte sich auch Brandenburgs SPD-Fraktionsschef Erik Stohn kritisch zu vollen Fußballstadien angesichts der Corona-Entwicklung geäußert. „Portugal und Russland sind Virusvariantengebiete und eine Einreise - auch für doppelt geimpfte Personen - ist mit einer 14-tägigen Quarantäne verbunden, die auch durch einen Test nicht verkürzt werden kann“. sagte er. „Angesichts dieser Entwicklung ist es mir unerklärlich, wie die UEFA noch volle Stadien akzeptieren kann“, kritisierte er. Die Hygienekonzepte der EM sollten dieser Entwicklung angepasst werden.

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