• Coronakrise in Potsdam: Neues Testzentrum Am Stern eröffnet

Coronakrise in Potsdam : Neues Testzentrum Am Stern eröffnet

Potsdams zweites Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle ist seit Freitag in Betrieb. An sieben Tagen pro Woche werden ab hier Patienten untersucht.

Einlasskontrolle. Mitarbeiter der Feuerwehr koordinieren den Zugang zum Testzentrum Am Stern.
Einlasskontrolle. Mitarbeiter der Feuerwehr koordinieren den Zugang zum Testzentrum Am Stern.Foto; Andreas Klaer

Am Stern - Kristin Tributh ist in Eile. Sie prüft die Computer, macht letzte Handgriffe. „Wir brauchen hier noch Desinfektionsmittel“, stellt sie fest. Tributh ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und fährt am Freitagvormittag gemeinsam mit einer Krankenschwester die erste Schicht im neuen Corona-Testzentrum, das die Stadt in einer früheren Kita des Deutschen Roten Kreuzes in der Pietschkerstraße eingerichtet hat. Es ist das zweite sogenannte Screening-Zentrum in der Stadt, das andere befindet sich wie berichtet auf dem Gelände des St. Josefs-Krankenhauses.

Ärztin am neuen Testzentrum. 
Ärztin am neuen Testzentrum. Foto: Andreas Klaer

Täglich acht Stunden geöffnet

Ab sofort sollen hier an sieben Tagen in der Woche täglich von 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr Verdachtspatienten auf eine Infektion mit dem Coronavirus untersucht werden. Tributh hat den Job auf Bitte der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) hin übernommen, die den Betrieb des Testzentrums personell auch weiterhin managt. Andere Ärzte seien bereits angefragt, möglichst soll ein Mediziner jeweils eine Halbtagsschicht übernehmen, sagt KVBB-Sprecher Christian Wehry. Das Testzentrum sei nicht dafür gedacht, dass sich jeder mit einer harmlosen Erkältung dort testen lasse, betont Wehry. Getestet würden nur Menschen, bei denen ein begründeter Verdacht bestehe und die eine entsprechende Überweisung vom Hausarzt mitbrächten.

Weil Potsdams Labore überlastet sind, werden die gemachten Abstriche im Klinikum Brandenburg an der Havel getestet. „Wir arbeiten im Moment im Zweischichtsystem, könnten bei Bedarf aber noch auf drei Schichten erhöhen“, sagt Oliver Frey, Facharzt für Laboriumsmedizin. Bis zu 200 Tests könnten dort täglich durchgeführt werden.

Gerechnet wird mit bis zu 60 Abstrichen am Tag

So viele werden es vorerst wohl noch nicht werden. „Wir rechnen mit rund 40 bis 60 Abstrichen pro Tag“, sagt Elisabeth Lesche von der KVBB. Da Erfahrungswerte noch fehlten, orientiere man sich an den Zahlen des Testzentrums im St. Josefs-Krankenhaus.

Einmal täglich, so der derzeitige Stand, sollen die in Potsdam gemachten Abstriche ins Labor nach Brandenburg gefahren werden. „Wir bemühen uns um ein Ergebnis am gleichen Tag“, sagt Frey. Spätestens am nächsten Tag aber soll klar sein, ob der Patient an Covid-19 erkrankt ist oder nicht. Der Test selbst ist komplex. In einem ersten Schritt werde aus den Proben genetisches Material der Testpersonen extrahiert, erläutert Frey. 

Bis zu 60 Abstriche am Tag. 
Bis zu 60 Abstriche am Tag. Foto: Andreas Klaer

Bis zu 24 Proben könnten dabei gleichzeitig bearbeitet werden, so Frey. 80 Minuten dauere das. Danach werde dem extrahierten Material eine Substanz zugefügt. Leuchtet der Inhalt der Röhrchen anderthalb Stunden später, bedeutet das, dass ein Gen des Coronavirus enthalten ist. Wo das der Fall ist, wird weiter getestet. Für ein positives Ergebnis müssten drei Coronagene enthalten sein, erklärt Frey.

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) dankt der KVBB bei der Eröffnung für die Unterstützung beim Aufbau des Testzentrums. „Das hat hier sehr gut funktioniert“, sagt er und richtet zugleich einen Appell an alle niedergelassenen Ärzte der Stadt, die nicht ohnehin in der Grundversorgung tätig sind, beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus mitzuhelfen. Schönheitschirurgen etwa mögen sich überlegen, „ob ihre Kernkompetenz“ jetzt tatsächlich „dringend benötigt“ werde oder sie nicht stattdessen lieber den Hausärzten helfen könnten, sagte der Rathauschef.


Vor dem Eingang warten derweil die ersten Patienten. Zwei Feuerwehrmänner koordinieren den Zugang, vor der Tür steht ein Spender mit Desinfektionsmittel. Und auch der Sicherheitsabstand wird eingehalten: Zehn aufgesprühte grüne Kreuze am Boden markieren, wo man sich anstellen muss. 

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