• Coronakrise in den Herbergen: Potsdams Hotels sind verwaist

Coronakrise in den Herbergen : Potsdams Hotels sind verwaist

Stornierungen und keine neuen Gäste: Die Beherbergungsbranche leidet schon jetzt extrem  unter der Corona-Pandemie.

Ohne Gäste. Das Kongresshotel Templiner See mit den langgezogenen Gebäudeteilen am Luftschiffhafen.
Ohne Gäste. Das Kongresshotel Templiner See mit den langgezogenen Gebäudeteilen am Luftschiffhafen.Foto: Lutz Hannemann

Potsdam - Leere Zimmer und Tagungssäle, Restaurants ohne Gäste: Über Potsdams Hotels und Pensionen kamen die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die gesetzlichen Verordnungen wie ein Tsunami. „Es sind so gut wie keine Gäste mehr da“, sagt Olaf Lücke, Geschäftsführer des Deutscher Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Brandenburg. Mario Grahl, Geschäftsführer der Pension Sanssouci bestätigt: „Bei uns steht alles auf grün.“ Grün markiert, dass Zimmer frei verfügbar sind. Auch in den großen Häusern der Stadt, wie dem Kongresshotel am Templiner See, sind in den vergangenen Tagen fast alle Buchungen storniert worden.

Er brauche schon viel Fantasie, wie er das länger als einen Monat durchhalten soll, sagt Grahl. Drei Pensionen betreiben er und sein Geschäftspartner, die Pension an der Havelbucht haben sie bereits geschlossen. „Das hat keinen Sinn mehr gemacht“, so Grahl. In der Pension Sanssouci übernachten derzeit immerhin noch ein paar Bauarbeiter, deren Firma im Potsdamer Norden den Auftrag für einen Brückenbau hat – Stammgäste, für die es ohnehin bereits Sonderpreise gebe. Ansonsten hätten die Frühstücksfrauen und Zimmermädchen nichts zu tun. „Aber Kurzarbeit für sie – das mach ich nicht“, sagt Grahl. „Sie verdienen doch ohnehin nicht viel.“

Entgegennehmen von Stornierungen

Die Hoffnung, dass der Wintersaison nun ein ertragreiches Frühjahr folgt, ist dahin. „Bis vor ein paar Wochen war ich noch recht optimistisch“, gesteht Grahl. Nun ist die Zuversicht weg. Das meiste, was seine Mitarbeiter derzeit machen, ist das Entgegennehmen von Stornierungen. „Die haben schon gar keine Lust mehr, ans Telefon zu gehen“, sagt Grahl. Telefonieren ist auch die derzeitige Tagesbeschäftigung von Dehoga-Chef Lücke. Er können sich vor Anrufen nicht mehr retten, sagt er. Hoteliers, Pensionsbetreiber, Gastwirte – sie alle fragen nach Unterstützung. Der Dehoga-Bundesverband fordert ein sofortiges Nothilfeprogramm. „In unserer Branche verschärfen sich die fatalen wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise von Tag zu Tag. Bereits jetzt befinden sich viele Betriebe am Rande ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit“, sagt Bundesverbandspräsident Guido Zöllick. 

In Brandenburg erwartet Lücke „schnellstmögliches Handeln“ von der Landesregierung, nachdem es in Bayern und Berlin bereits erste Kriseninterventionen gebe. So werden in Berlin Mitarbeiter der landeseigenen Fördergesellschaften geschult, sodass es sie über eine Telefonhotline Hotel- und Gaststättenbetreiber beraten, die wegen der Coronakrise vor dem Aus stehen.

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