• Corona-Lage in Potsdam:  Hohe Nachfrage nach Booster-Impfungen

Corona-Lage in Potsdam : Hohe Nachfrage nach Booster-Impfungen

Potsdamer Hausärzt:innen berichten von großem Andrang und vermehrtem Aufwand bei den Impfungen. Auch Jüngere wollen ihren Corona-Schutz auffrischen lassen.

Viele Potsdamerinnen und Potsdamer lassen sich beim Hausarzt die Booster-Impfung geben. 
Viele Potsdamerinnen und Potsdamer lassen sich beim Hausarzt die Booster-Impfung geben. Foto: picture alliance/dpa


Potsdam - Aufholen beim Impfen: In Potsdam liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über der Marke von 200 und das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung durch Covid-19 für Ungeimpfte aktuell als „sehr hoch“ ein. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) fordert daher mehr Tempo beim Impfen und der Auffrischung des Impfschutzes von besonders gefährdeten Personengruppen: „Deshalb haben die Booster-Impfungen in Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie für ältere Menschen die höchste Priorität.“ Aber auch Personen unter 70 Jahren könne im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten eine dritte Impfung angeboten werden, wenn die Zweitimpfung vor sechs Monaten stattfand, so Nonnemacher. „Ausreichend Impfstoff steht zur Verfügung“, sagt Peter Noack, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB).

In Potsdam wird das Boostern stark nachgefragt, wie mehrere Hausärzt:innen berichten. „Es läuft und wird gut angenommen“, sagt Hausärztin Ulrike Hackenberg. Wenn die Frist von sechs Monaten nach der zweiten Impfung vorbei ist, könnten in ihrer Praxis auch spontan sehr kurzfristige Impftermine vergeben werden. Dies gelte auch für Menschen, die mit dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden; hier empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bereits ab der vierten Woche nach der Impfung eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff, etwa von Biontech oder Moderna.

Praxen bieten Drittimpfung zusammen mit Grippeimpfung an

„Wir boostern sehr viele Patienten, es wird sehr stark nachgefragt“, sagt Hausärztin Astrid Tributh. Dies gelte auch für unter 70-Jährige, besonders bei Personengruppen, die viele Berufskontakte haben: Lehrer:innen, Erzieher:innen, Pfleger:innen, Menschen in medizinischen Berufen sowie Menschen, die in der Gastronomie oder in Supermärkten arbeiten. Dies scheint jedoch nicht bei allen Hausärzt:innen so gehandhabt zu werden: „Da ich nicht über 70 Jahre alt sei, gehöre ich derzeit nicht zum infrage kommenden Personenkreis“, schreibt eine Potsdamer Lehrerin und PNN-Leserin über die Impf-Absage ihrer Hausärztin.

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Die meisten Patient:innen müssen nicht lange auf eine Drittimpfung warten: „Länger als zwei Wochen gibt es keine Wartezeit und dann oft nur, weil die Patienten es so wollen oder die sechs Monate noch nicht um sind“, sagt Tributh. „Nach kurzfristiger Terminvereinbarung war für uns über 70-jährige Patienten die Drittimpfung bei unserem Hausarzt schon Ende Oktober ohne Probleme zu bekommen und wurde auch gut vertragen“, schreibt ein PNN-Leser. Die Stiko empfiehlt, Booster- und Grippeimpfung zeitgleich durchzuführen. Genau das macht auch Tributh: „Wenn die Patienten zur Grippeimpfung kommen und die entsprechende Personengruppe sind, impfen wir gleich auch die dritte Corona-Impfung mit.“

Hoher Arbeitsaufwand, aber schaffbar

Der Aufwand für die Hausarzt:innen durch die Booster-Impfungen sei zu bewältigen, findet Tributh. Ulrike Hackenberg sieht das ähnlich: „Wir können das schultern, aber man muss es gut organisieren. Wir haben ab August Screenings bei unseren Patienten gemacht und abgefragt, wann die letzte Impfung war, damit rechtzeitig der Termin für die Drittimpfung gemacht werden konnte.“ In der letzten Oktoberwoche wurden in Brandenburg insgesamt rund 26 000 Corona-Impfungen verabreicht, davon rund 24 000 in Arztpraxen.

Petra Wolter hingegen ist dafür, Impfzentren wieder zu öffnen, um die Hausärzt:innen zu entlasten: „Niedrigschwellige Angebote und mehr Flexibilität sind wichtig. Ich würde auch prüfen, ob nicht in einigen bestehenden Teststationen parallel geimpft werden kann“, sagt die Frauenärztin, die in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet, die Corona-Impfungen aufgrund der zeitlichen und personellen Belastung neben dem Regelbetrieb nicht mehr anbietet.

Mehr Unterstützung für Hausärzt:innen statt Impfzentren

Hausärztin Kirsten Radtke hingegen hält eine Wiedereröffnung von Impfzentren für unnötig: „Wenn sich möglichst viele niedergelassene Hausärzte am Impfen beteiligen, ist das schon zu schaffen.“ Sie weist darauf hin, dass vor allem ältere Patient:innen dankbar sind, nicht mehr ins Impfzentrum gehen zu müssen und dass der Aufbau von Impfzentren aufwändig und kostenintensiv sei: „Eine Impfung im Impfzentrum ist etwa zehnmal so teuer wie in der Praxis“, so Radtke.

Hausärztin Kirsten Radtke
Hausärztin Kirsten RadtkeFoto: Privat 

Sinnvoller sei es hingegen, den bürokratischen Aufwand für Hausärzt:innen zu reduzieren und sie finanziell zu unterstützen. Radtke betont, dass die Arbeitsbelastung seit Beginn der Corona-Impfungen massiv angestiegen sei, nicht nur wegen des Impfens selbst: „Die Patienten haben viele Fragen, es gibt großen Beratungsbedarf.“

Flexiblere Lieferung des Impfstoffs gefordert

Ein weiteres Problem ist die Impfstoff-Logistik: „Solange der Impfstoff 14 Tage im Voraus bestellt werden muss, nur circa vier Wochen im Kühlschrank haltbar ist und aufgrund der Ampullengröße noch immer an sechs Menschen innerhalb von vier Stunden verimpft werden muss, kann das Impfen gegen Covid-19 nicht in die normale Sprechstunden integriert werden, wie das bei allen anderen Impfungen, einschließlich Grippe ja möglich ist“, sagt Petra Wolter.

Auch die Politik ist sich dieses Missstands bewusst: „Die Ärzt:innen müssen den Impfstoff mit 14-tägigem Vorlauf bestellen, ohne zu wissen, wie hoch der Bedarf nach dem aufgetaut nur kurze Zeit haltbarem Impfstoff zwei Wochen später wirklich sein wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesgesundheitsministeriums. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hat daher einen Beschluss gefasst, in dem der Bundesgesundheitsminister gebeten wird, neue und pragmatischere Vereinbarungen mit dem Arzneimittelgroßhandel zu treffen. „Das Bundesgesundheitsministerium wird darum gebeten, dafür zu sorgen, dass Impfstoffe bereits zeitnah in kleineren Dosen, möglichst als Einzeldosis, geliefert werden können“, heißt es im Beschluss.

Auch die Stadt bietet weiterhin mobile Impfaktionen an. Wie groß die Nachfrage ist, konnte man bei der letzten Aktion am 5. November im Erlenhof am Schlaatz sehen: „Als ich um 17 Uhr ankam, stand da bereits eine lange Schlange Wartender“, schreibt PNN-Leserin Elisabeth Prins. Bis 18 Uhr lief die Impfaktion, doch viele kamen nicht mehr dran, auch Prins. „Es ist so schade, dass so viele Menschen bereit waren sich zu impfen, und wieder weggeschickt wurden“, sagt Prins.

Die Sieben-Tage-Inzidenz für Potsdam ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts am Mittwoch auf 227,9 gestiegen. Wie die Stadt auf ihrer Homepage mitteilte, kamen 87 Infektionen hinzu. Am Dienstag lag die Inzidenz bei 209,8, vor einer Woche bei 133,4.

Mobile Impfaktionen in Potsdam

  • Am 10. November in der Zweigbibliothek Waldstadt in der Saarmunder Straße, von 11 bis 16 Uhr
  • Am 11. November im Eingangsbereich des Markt-Centers Potsdam in der Breiten Straße, von 11 bis 17 Uhr
  • Am 12. November im Eingangsbereich des Markt-Centers Potsdam in der Breiten Straße, von 12 bis 18 Uhr
  • Am 17. November in der Zweigbibliothek Am Stern am Johannes-Kepler-Platz, von 11 bis 16 Uhr

Bei allen Terminen sind Erst-, Zweit-, und Drittimpfungen möglich, geimpft wird mit den Impfstoffen von BioNTech und Johnson & Johnson.

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