• Café und Arbeitsplätze: Von der Postfiliale zum Coworking-Space

Café und Arbeitsplätze : Von der Postfiliale zum Coworking-Space

Das Berliner Unternehmen Sankt Oberholz plant einen Standort in der ehemaligen Post in Babelsberg. Nur wenige Details sind bekannt.

Die ehemalige Postfiliale am S-Bahnhof Babelsberg ist seit Juni 2018 geschlossen. Die Post nutzte jedoch das Gebäude dahinter mit der blauen Fassade weiter als Zustellstützpunkt. Dort soll im ersten Quartal 2020 ein Co-Workingspace einziehen und vorn ein Café.
Die ehemalige Postfiliale am S-Bahnhof Babelsberg ist seit Juni 2018 geschlossen. Die Post nutzte jedoch das Gebäude dahinter mit...Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - In die ehemalige Post in Babelsberg soll neues Leben einziehen: Das Berliner Unternehmen Sankt Oberholz will dort ein Coworking-Space mit zugehörigem Café eröffnen. Das sagte Ralf Dippner den PNN auf Anfrage. Dippner ist Geschäftsführer der Treuinvest Immobilien Management GmbH, Eigentümerin des Postgebäudes neben der S-Bahnstation. Zuvor hatte die Märkische Allgemeine Zeitung dazu berichtet. „Ansgar Oberholz hat das Gebäude selbst entdeckt und mich kontaktiert“, berichtet Dippner. Der Plan: In der früheren Schalterhalle soll ein Café entstehen. „Das wird ein öffentlicher Ort der Begegnung“, so Dippner. Im hinteren Quergebäude sollen in mehreren Räumen Arbeitsplätze zur Vermietung an Firmen oder Einzelpersonen, beispielsweise Start Ups oder Freelancer, zur Verfügung stehen. Insgesamt soll sich das Projekt auf die gesamten 1000 Quadratmeter Fläche ausdehnen. „Ich bin sehr froh über diese Lösung“, kommentierte Dippner. „Das Modell geht mit der Zeit“, ist er überzeugt.

Sankt Oberholz öffnete seinen ersten Standort 2005 am Rosenthaler Platz in Berlin. Im dortigen Café im Erdgeschoss, Treffpunkt für viele hippe junge Menschen mit Laptops, sollen beim Kaffee an der Theke schon viele Start Ups gegründet worden sein. Das Internetportal „Gründerszene“ schrieb einmal von einer „gewissen digitalen Gründerromantik“ des Sankt Oberholz, die „Zeit“ nannte das Café das „deutsche Hauptquartier der digitalen Bohème“. Oberholz betreibt jedoch nicht nur das Café, sondern in den oberen Stockwerken des Gebäudes auch Konferenz- und Teamräume und ein Coworking-Space. Dort können Interessierte ab 99 Euro monatlich einen Schreibtisch mit Internetzugang und Filterkaffee buchen.

Kaffee und Laptop. Das Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz.
Kaffee und Laptop. Das Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Inzwischen hat Sankt Oberholz weitere Standorte in Berlin-Mitte, am Gleisdreieck in Berlin, in Biesenthal und in Frankfurt (Oder) eröffnet. Potsdam wäre die sechste Dependance. Details will die Firma derzeit noch nicht kommunizieren. Tobias Kremkau, Coworking-Chef bei Sankt Oberholz, bestätigt jedoch die Pläne für den Coworking-Space in der ehemaligen Post mit Café im vorderen Bereich. „Wir hoffen auf eine Eröffnung Anfang nächsten Jahres, Genaueres steht aber noch nicht fest“, sagt Kremkau. Von diesem Zeitplan geht auch Dippner aus: Er rechnet mit einer Fertigstellung im ersten Quartal 2020.

Die Babelsberger Postfiliale ist seit Juni 2018 geschlossen. Die Deutsche Post war aber noch bis Ende Juni dieses Jahres Mieter, wie Dippner erläutert; der Standort wurde als Zustellstützpunkt genutzt. Seitdem die Post endgültig ausgezogen ist, laufen die Vorbereitungen für die Restaurierung. Das denkmalgeschützte Objekt aus den 1960er Jahren soll bei den Arbeiten weitgehend erhalten bleiben. „An der Hülle werden wir keine nennenswerten Veränderungen durchführen“, versicherte Dippner. Leider sei das Haus von außen derzeit in keinem schönen Zustand, voller Graffitis und Plakate, „weil die Passanten das als halb öffentliche Fläche verstehen“, so der Inhaber. Das werde man saubermachen – mehr aber auch nicht. „Es geht hier um Kosmetik“, sagt er.

Schnelles Internet und neue Klos

Auch im Inneren plant er, so weit wie möglich zu erhalten, was vorhanden ist. „Der Boden in der Schalterhalle besteht aus Metallfliesen, ganz ungewöhnlich, das bleibt so“, sagte Dippner. Neu eingerichtet werden müsse vor allem eine schnelle Internetleitung – und der Sanitärbereich. Rund 500.000 bis 600.000 Euro Renovierungskosten veranschlagt er.

In Berlin sind Coworking-Spaces schon seit einigen Jahren verbreitet und beliebt. Auch in Potsdam wächst das Angebot, mittlerweile existiert eine Reihe von Modellen – von simpel bis schick mit Rundumservice. Die Alte Feinbäckerei in Potsdam-West, das Officium in der Nauener Vorstadt oder das Business-Center Potsdam in der Nördlichen Innenstadt gehören zu den Angeboten, ebenso wie das 2016 am Kanal gegründete Mietwerk. 2018 eröffnete ein zweiter Standort des Mietwerks am Potsdamer Hauptbahnhof. Neu ist seit zwei Monaten ein weiteres Coworking-Space am Neuen Markt, betrieben von der Firma Unicorn. Und auch im neuen Gebäude der Kanzlei Knabe in der Schiffbauergasse sollen auf einer Etage Coworking-Plätze angeboten werden.

An Nachfrage scheint es nicht zu mangeln. Viele Gründer klagen, wie schwierig es ist, ein bezahlbares Büro in Potsdam zu finden. Gerade junge Firmen schätzen die Arbeit unter einem Dach mit Gleichgesinnten.