• Bücher-Telefonzelle im Volkspark: Eine neue Lesezelle

Bücher-Telefonzelle im Volkspark : Eine neue Lesezelle

Im Potsdamer Volkspark kann man jetzt öffentlich Bücher tauschen – in einer Telefonzelle.

Anne-Kathrin Fischer
Reger Wechsel. In der ausgedienten Telefonzelle werden Bücher getauscht.
Reger Wechsel. In der ausgedienten Telefonzelle werden Bücher getauscht.Foto: Klaer

Potsdam - An Telefonzellen mag im Zeitalter des Smartphones kein Bedarf mehr sein. Verwendung gibt es für sie aber dennoch: Am gestrigen Freitagnachmittag wurde im nicht eingezäunten Bereich des Volksparks im Bornstedter Feld eine weitere öffentliche Büchertelefonzelle eingeweiht. 2016 war bereits eine in der Schiffbauergasse eröffnet worden.

„Das war uns schon lange eine Herzensangelegenheit“, sagt Kristin Spitz von der Stadtteilinitiative Bornstedt (SIB), die die zum Bücherschrank umgewandelte Telefonzelle betreiben wird. Gemeinsam mit dem Volkspark hat die Initiative seit sechs Monaten auf diesen Tag hingearbeitet. Die sonnengelbe Telefonzelle literarischen Inhalts wurde vom Volkspark erworben und in der Verlängerung der David-Gilly-Straße, Ecke Erwin-Barth-Straße, aufgestellt. Gut zwei Jahre hat es gedauert, bis der Volkspark, dessen Mitarbeiter von dem Verkauf der alten Telefonzelle in der Presse erfahren hatten, diese für 600 Euro erwerben konnte.

Zwei Sitzbänke, die die Telefonzelle einrahmen, laden direkt vor Ort zum Lesen ein. In der ausgedienten Telefonzelle werden fortan Bücher zum Mitnehmen liegen. Dabei funktioniert es nach dem Geben-und-Nehmen-Prinzip: Wer ein Buch mitnimmt, lässt idealerweise auch eines dort. Die Zelle eignet sich also für Lesefans auf der Suche nach neuer Inspiration ebenso wie für alle Bornstedter, die mal Platz in ihrem hauseigenen Bücherschrank schaffen wollen. Zur Eröffnung war die Zelle noch spärlich, dafür aber mit Klassikern wie Erich Kästners „Emil und die Detektive“ oder „Das Wunder des Tollatsch“ von Hans Fallada ebenso wie mit modernen Romanen, etwa „Schönhauser Allee“ von Wladimir Kaminer, bestückt.

Bedarf an physischen Büchern

Spitz hofft nun, dass sich die Ex-Telefonzelle schnell mit weiteren Büchern füllt und literaturbegeisterte Bornstedter dort nicht nur fündig werden, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen. Dass die Zelle für Letzteres ihren Zweck erfüllt, konnte Anwohnerin Alexandra Hellwig bereits beobachten: „Es war jetzt schon so, dass die Leute sich gewundert haben, stehen geblieben sind“, berichtet die Lehrerin. Sie selbst begrüße das Prinzip: „Im Freundeskreis machen wir es doch auch so, dass man Bücher zum Weiterlesen verschenkt.“ 

Die SIB hat sich auf die Fahnen geschrieben, in dem schnell gewachsenem Stadtteil möglichst viele Orte und Veranstaltungen zu organisieren, die ein buntes Zusammenleben der Bewohner fordern. So wurde erst in der vergangenen Woche der erste Stadtteilladen Bornstedts eröffnet, in diesem Monat steht außerdem das Stadtteilfest bevor. Zur feierlichen Eröffnung der Büchertelefonzelle kam auch der gebürtige Bornstedter Klaus Büstrin, der bis zu seinem Ruhestand die Kulturredaktion dieser Zeitung leitete. Er las aus „Stille. Ein Wegweiser“ des norwegischen Abenteurers Erling Kagge.

Einen Bücherschrank, der nach dem gleichen Prinzip wie der im Volkspark funktioniert, gibt es bereits am Platz der Einheit in der Innenstadt – dort herrscht bei jedem Wetter reger Betrieb. Im Gegensatz zu den öffentlichen Fernsprechern ist der Bedarf an physischen Büchern bei den Potsdamern noch lange nicht gedeckt. 

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