Potsdam : Boomtown Babelsberg

Einwohnerzahl im Sanierungsgebiet stieg in zehn Jahren um 55 Prozent / Bürgerversammlung zum städtebaulichen Rahmenplan

Guido Berg

Babelsberg - Der Babelsberger Sanierungsträger Stadtkontor „ist ein wenig Opfer des eigenen Erfolgs“, erklärte gestern dessen Geschäftsführer Rainer Baatz. Ende 2014, Anfang 2015, wenn das Babelsberger Sanierungsgebiet aufgehoben wird, werde sich das 1991 gegründete Stadtkontor intensiv nach neuen Aufgaben umsehen müssen. Der Grund: Schon heute weisen nur noch 150 Vorderhäuser, 13 Prozent der Häuser im Sanierungsgebiet, einen mittleren oder hohen Sanierungsbedarf auf. Aus Babelsberg ist eine Boomtown geworden. 60 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz flossen seither nach Babelsberg und lösten Baatz zufolge das achtfache Investitionsvolumen aus. Nach einem Tiefpunkt im Jahre 1999 ging es für den Stadtteil des Films stetig aufwärts.

„Das gab einen Riesen-Anstoß-Effekt“, erklärte Baatz vor Journalisten. In den letzten zehn Jahren stieg die Bevölkerungszahl im Sanierungsgebiet um 55 Prozent – von 6000 auf derzeit 9200 Einwohner, informierte Baatz. Es gebe den Trend vieler Familien, wieder in der Innenstadt wohnen zu wollen – mit Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten „um die Ecke“. Das habe zur Neubebauung vieler Brachflächen mit neuen Wohnbauten geführt, so ab 2002 mit der Reihenhaus-Bebauung im Theodor-Hoppe- Weg. Bis Ende kommenden Jahres sollen neue 95 Wohnungen gebaut werde, darunter 18 Wohnungen hinter der Brauerei in der Mühlenstraße/Ecke Neue Straße. 40 Wohnungen sind in der Großbeerenstraße 73, elf Reihenhäuser in der Großbeerenstraße12-14 geplant. 23 Wohnungen sollen in der Siemensstraße 20-22 errichtet werden.

Parallel zur Sanierung der Wohngebäude wurden auch die Kitas und Schulen saniert, informierte der Stadtkontor-Chef. Allein für die Außensanierung der Goethe-Schule wurden vier Millionen Euro aufgebracht. Im Juni soll zudem die neue Kita in der Karl-Liebknecht-Straße 50 Kinder aufnehmen. Hieß sie früher „Weberspatzen“, soll sie künftig „Stadt der Meister“ heißen und jüdisch-russischen Traditionen fördern.

Keinesweg abgeschlossen ist Baatz zufolge die Straßensanierung. Der Ausbau der Wollestraße erfolge derzeit; die Sanierung von Turmstraße und Müllerstraße ist für 2012 geplant. Acht Straßen mit der Ausbaupriorität drei – beispielsweise die Grenz-, die Schul- und die Semmelweis-Straße – könnten erst nach Ende des Status’ als Sanierungsgebiet 2014/2015 saniert werden. Hier bleibe ein Finanzbedarf von drei Millionen Euro.

Baatz zufolge werde der städtebauliche Rahmenplan für das Sanierungsgebiet um die Themen Klimaschutz und Energieeffizienz erweitert und in die nächste Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Die Babelsberger können sich auf einer Bürgerversammlung am Mittwoch, dem 25. Mai, ab 19 Uhr beim Stadtkontor, Schornsteinfegergasse 3, über den neuen Rahmenplan informieren. Guido Berg

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