• Bombensprengung in Potsdam: Ein Knall mit hochhaushoher Fontäne

Bombensprengung in Potsdam : Ein Knall mit hochhaushoher Fontäne

Ein Blindgänger wurde am Freitag in der Havel gesprengt. Störer im Sperrkreis und ein Gewitter sorgten für Verzögerungen. Der Tag im Überblick.

Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam - Ein Meer aus Stroh: So sahen die Havel an der Freundschaftsinsel und das Ufer am Freitagnachmittag aus. Es waren die Überbleibsel der Sprengung einer 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die Sprengmeister Mike Schwitzke um 14.59 Uhr durchführte. Hochhaushoch stoben Stroh und Wasser im Moment der Sprengung in die Luft. Die beiden Detonationen – ein sogenannter Vergrämungsschuss, um Tiere zu verscheuchen und Menschen zu warnen, sowie die eigentliche Sprengung – war in weiten Teilen der Stadt und sogar bis ins Umland zu hören. Auch die Erschütterung konnten viele Potsdamer spüren, sie berichteten in den sozialen Netzwerken von wackelnden Wänden und hüpfenden Sofas.

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Sprengmeister Mike Schwitzke mit einem Bombensplitter.
Sprengmeister Mike Schwitzke mit einem Bombensplitter.Foto: dpa

Der Sprengung ging die aufwändige und mehrfach aufgehaltene Aufstellung des Sperrkreises voran. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um die umfangreichste Sperrung seit mindestens zehn Jahren. Ältere Zahlen lagen nicht vor. 13.000 Potsdamer mussten ihre Wohnungen verlassen, drei Senioreneinrichtungen evakuiert werden. Auch der Hauptbahnhof war abgeriegelt, der Zug- und Tramverkehr unterbrochen, Lange Brücke und Humboldtbrücke gesperrt. Auch Ministerien, der Landtag und weitere Institutionen befanden sich in dem rund 800 Meter großen Sperrkreis rund um den Fundort der Bombe.

Der Radius des Sperrkreises beträgt rund 800 Meter
Der Radius des Sperrkreises beträgt rund 800 MeterFoto: dpa

Acht Personen durchbrachen den Sperrkreis

Ab 8 Uhr morgens sollten alle Bewohner ihre Wohnungen verlassen. Schon gegen 6 Uhr morgens begannen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, den Sperrkreis abzusichern. Rund 450 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie 220 Einsatzkräfte unter anderem von der Berufsfeuerwehr, den freiwilligen Feuerwehren, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk (THW), der DLRG, Johanniter, Bundespolizei und Polizei waren im Einsatz.

Doch auch wenn die Mehrzahl der Potsdamer sich an die Regeln hielten, verzögerten einige wenige den Ablauf. Die Bewohner von sieben Wohnungen weigerten sich noch bis in die Mittagszeit, diese zu verlassen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes mussten einen in den Sperrkreis entlaufenen Hund einfangen und einem ignoranten Radfahrer hinterher rennen. Selbst kurz vor der eigentlich auf 14 Uhr avisierten Sprengung fand sich in einer Wohnung im Sperrkreis noch ein Bewohner, der aus der Sperrzone gebracht werden musste. Auch eine Drohne wurde zur Überprüfung eingesetzt. Acht Personen haben nach Angaben der Stadt den Sperrkreis durchbrochen. „Das wird Konsequenzen haben“, sagte Beigeordnete Brigitte Meier (SPD).

Kräfte des THW schnüren das Stroh zusammen. Die Ballen sollen die Detonation mildern. 
Kräfte des THW schnüren das Stroh zusammen. Die Ballen sollen die Detonation mildern. Foto: Christoph Kluge

40 Ballen Stroh gegen den Splitterflug

Parallel zur Einrichtung des Sperrkreises begannen die Vorbereitungen der kontrollierten Sprengung in der Havel. Zunächst senkten Taucher einen Aluminiumring über der Bombe ab, die in drei Metern Tiefe im Schlamm lag. Nach einer Begutachtung der Bombe britischer Bauart und ihres Zünders durch die Taucher entschied sich Sprengmeister Schwitzke gegen eine Entschärfung. Dazu hätte der Blindgänger an Land gebracht werden müssen, was Einsatzkräfte unnötig gefährdet hätte, so Schwitzke. „Hier spricht fast alles für eine Sprengung“, sagte der Experte.

Zwar ist der Fund von Blindgängern für viele Potsdamer schon fast zur Routine geworden – schließlich handelte es sich um die 203. seit 1990 erfasste Fliegerbombe über 50 Kilogramm. Über 3000 Bomben dieser Art wurden allein beim Großangriff auf Potsdam am 14. April 1945 über der Stadt abgeworfen. Doch eine Sprengung unter Wasser ist seltener, meist werden die Bomben in der Erde gefunden, oft können sie entschärft werden. Um den Splitterflug abzumildern, bauten Mitarbeiter des THW ein Floß aus Strohballen. 40 Ballen von je 300 Kilogramm wurden vertäut, sieben Mal sieben Meter groß war das Gebilde, das dann über der Bombe verankert wurde.

Foto: Christoph Kluge

Dann kam das Wetter dazwischen

Als alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, der Sperrkreis stand, sorgte das Wetter für eine weitere Verzögerung. An dem schwülheißen Frühnachmittag zogen Gewitterwolken auf, der Wetterdienst gab eine Unwetterwarnung heraus. Die Sprengung wurde noch einmal um etwa eine halbe Stunde verschoben und erst nach dem – letztendlich recht sanften – Gewitter durchgeführt.

Es sei anstrengend gewesen, gestand Sprengmeister Schwitzke nach der Sprengung des Blindgängers. Er äußerte sich verärgert, dass Personen den Sperrkreis durchbrochen haben. „Ohne die Störungen hätte es vor dem Gewitter geklappt“, so Schwitzke. Immerhin, so sagte er es mit einem 30 Zentimeter langen Splitterstück in der Hand, seien bislang keine Schäden durch die Sprengung bekannt. (mit cmü/vab/HvC/KG)

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