• Bombenentschärfung in Potsdam: Die dritte in drei Monaten

Bombenentschärfung in Potsdam : Die Dritte in drei Monaten

Wieder musste auf dem einstigen Tramdepot eine Bombe unschädlich gemacht werden. Diesmal war sie besonders gefährlich, wie Sprengmeister Schwitzke berichtete. Doch die Evakuierung lief reibungslos, die Entschärfung ebenso. Es war wohl nicht die Letzte.

Mike Schwitzke mit der entschärften Bombe am ehemaligen Tramdepot.
Mike Schwitzke mit der entschärften Bombe am ehemaligen Tramdepot.Foto: Katharina Wiechers

Potsdam - Drei Bombenentschärfungen in drei Monaten – für die Menschen rund um den Hauptbahnhof dürften die Evakuierungen schon langsam alltäglich werden. Am gestrigen Mittwoch musste Sprengmeister Mike Schwitzke auf dem Gelände des ehemaligen Tramdepots wieder eine Weltkriegsbombe unschädlich machen. Wieder mussten 3000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, wieder gab es massive Verkehrseinschränkungen. Doch diesmal waren die Vorsichtsmaßnahmen besonders wichtig. Denn die Bombe enthielt besonders viel Sprengstoff – eine Detonation hätte große Schäden verursacht.

Wegen der Entschärfung mussten wieder zahlreiche Straßen gesperrt werden
Wegen der Entschärfung mussten wieder zahlreiche Straßen gesperrt werdenFoto: Julian Stähle/dpa

Denn der Blindgänger US-amerikanischen Ursprungs wog zwar wie jene im August und September 250 Kilogramm, hatte aber eine dünnere Hülle und somit mehr Sprengladung. Hätte man sie hochgehen lassen müssen, wären womöglich Fenster in den umliegenden Gebäuden geborsten, so Schwitzke gegenüber den PNN. Auch eine Sprengung unter der Erde wäre keine gute Option gewesen, weil dann die Gefahr bestanden hätte, dass das Grundwasser die Detonation aufnimmt und die Fundamente der Gebäude in der Nähe beschädigt werden.

Bevor die Fliegerbombe unschädlich gemacht werden konnte, musste aber wie gehabt ein Sperrkreis von 800 Metern eingerichtet und vor allem kontrolliert werden. Bis 8.30 Uhr sollten alle Bewohner rund um das Tramdepot ihre Wohnungen verlassen haben, Einrichtungen wie Kitas oder die Regierungsgebäude an der Heinrich-Mann-Allee blieben von vornherein geschlossen. Auch das Humboldt-Gymnasium blieb erneut geschlossen.

Nur eine Familie weigerte sich - wegen des schlafenden Babys

Gut zwei Stunden lang brauchten die etwa 300 Helfer, die Gebäude anschließend zu kontrollieren. „Störer“ wie im August gab es diesmal nicht, nur einige hatten verschlafen oder nichts von der Evakuierung mitbekommen. Lediglich von einer Familie berichteten die Helfer, die kurzzeitig den Betrieb aufhielt. Mit dem Verweis auf das schlafende Baby wollte das Paar erst die Wohnung nicht verlassen und verbarrikadierte sich anschließend im Auto, statt wie versprochen loszufahren. Erst als die Polizei auftauchte, fuhr die Familie los.

10.48 Uhr war es genau, als der Sperrkreis offiziell geräumt war und Mike Schwitzke mit der Arbeit beginnen konnte. Zunächst befreite er die Bombe vom Schmutz, wie er anschließend berichtete. Anschließend entfernte er mit Hilfe von Kriechöl den Zünder und sprengte ihn kontrolliert – die Detonation war bis zum Platz der Einheit zu hören. Eine Sprengung der ganzen Bombe konnte also erneut verhindert werden.

Es gibt noch 300 "Verdachtsmomente"

Abgeworfen wurde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit am 14. April 1945, in der sogenannten Nacht von Potsdam, bei der weite Teile der Innenstadt zerstört wurden. Obwohl es eine Bombe US-amerikanischer Bauart war, geht Schwitzke davon aus, dass sie von einem britischen Flugzeug abgeworfen wurde. Es sei üblich gewesen, dass sich die Alliierten mit Waffen und Munition aushalfen.

Dass unter dem einstigen Tramdepot weitere Blindgänger liegen, ist nicht auszuschließen. Es gebe noch 300 „Verdachtsmomente“, so das Räumdienst-Unternehmen Maik Schwarz. Meistens kommen nur Rohre und andere Schrottteile zum Vorschein, manchmal aber auch eine Bombe. Noch bis in die erste Novemberwoche wird dort die Erde durchsucht.

Wenigstens für die Schüler des Humboldt-Gymnasiums soll im Fall einer erneuten Evakuierung aber eine Lösung gefunden werden, so zumindest die Meinung des Bildungsausschusses. Jeden Monat einen Tag Unterrichtsausfall – auf Dauer kein Zustand, befanden die Mitglieder bereits am Dienstag. Und dass schon bald die nächste Bombenentschärfung ansteht, scheint wahrscheinlich zu sein.

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