• Bis zu 80 Prozent Förderung: Große Zustimmung zur Lastenradprämie

Bis zu 80 Prozent Förderung : Große Zustimmung zur Lastenradprämie

Potsdamer Händler und Vereine freuen sich über bis zu 80 Prozent Förderung beim Lastenrad-Kauf. Das Land sieht in den Rädern einen Baustein der Mobilitätswende. 

Christopher Bleckmann vom Projekthaus Potsdam auf einem der Leih-Lastenrädern des Vereins fLotte Potsdam. 
Christopher Bleckmann vom Projekthaus Potsdam auf einem der Leih-Lastenrädern des Vereins fLotte Potsdam. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Schwere Transporte ohne Auto: Ab sofort können brandenburgische Gemeinden, Gewerbetreibende, gemeinnützige Vereine, kommunale Organisationen, Kitas und Schulen sich zu sehr günstigen Konditionen Lastenräder anschaffen. Seit dem 20. Januar ist die brandenburgische Lastenradprämie in Kraft, Anträge auf Förderung können beim Landesamt für Bauen und Verkehr gestellt werden.

„Lastenfahrräder können einen zentralen Beitrag zur Verminderung von Lärm, Abgasen oder Staus leisten und sind damit ein weiterer, wichtiger Baustein der Klima- und Mobilitätswende“, heißt es von Seiten des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung. „Das Ministerium unterstützt daher die Anschaffung von Lastenfahrrädern mit und ohne Elektroantrieb mit einem Fördersatz von bis zu 80 Prozent.“

Durchweg positives Echo

Bei Lastenrad-Initiativen und -Händlern löste dies ein durchweg positives Echo aus: „Das ist eine super Sache“, sagt Tom Sehrer, Geschäftsführer von Potsdam per Pedales am Hauptbahnhof, das auf den Verkauf von Lastenrädern spezialisiert ist. „Noch habe ich nicht mitbekommen, dass es deswegen mehr Bestellungen gibt, aber das wird durch die Prämie sicherlich ansteigen.“ Zwar sei der Lastenrad-Bereich immer noch eine Nische, aber eine, die stetig wachse: Der Umsatz mit Lastenrädern steigt bei Potsdam per Pedales jedes Jahr etwa um ein Drittel, so Sehrer. Einziger Mangel der Prämie sei, dass sie nicht für Privatpersonen gelte, so wie es in Berlin der Fall sei.

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Auch die Landesfraktion der Grünen begrüßte die Prämie: „Wir hoffen auf rege Inanspruchnahme der Kaufprämie und viele neue Lastenräder auf den Straßen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Clemens Rostock. „Sie können insbesondere kurze Autofahrten ersetzen, welche einen besonders hohen Kraftstoffverbrauch aufweisen.“ Ebenfalls erfreut zeigten sich die Organisatoren der Potsdamer fLotte, Projekt des Vereins Inwole, das in der Stadt mehrere Lastenräder zum kostenlosen Verleih anbietet. „Die Prämie ist in der jetzigen Form gut und fair – ein Lob an die Verantwortlichen in der Landesregierung“, sagt Erich Benesch, Mitglied bei der fLotte und Sprecher im bundesweiten Forum Freier Lastenräder. „Vor allem den sozialen Akteuren in Potsdam und auf dem Land gibt das eine echte Chance im Sinne der Verkehrswende.“

Anfragen von Gewerbetreibenden

Die fLotte, die Corona-bedingt derzeit nur vier ihrer acht Lasträder im freiem Verleih anbieten kann, plant selbst die Anschaffung von rund einem halben Dutzend neuer Lastenräder, will aber auch lokale Händler und Vereine bei der Antragstellung unterstützen. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Anfragen von Gewerbetreibenden bekommen, die mit uns kooperieren und bei sich eine fLotte-Station aufmachen wollten“, sagt Benesch. Er kenne einige, die definitiv vorhaben, die Prämie in Anspruch zu nehmen, außerdem gibt es Pläne, in diesem Jahr neue fLotte-Stationen in Schwielowsee, Kleinmachnow und Grube einzurichten. Künftige Kooperationspartner sind unter anderem die Bürgerstiftung Potsdam oder die Solidarische Landwirtschaft in Grube, die einen Gemüsekisten-Lieferdienst aufbauen wollen.

Auch Eike Neubarth, Geschäftsführer des Potsdamer Bier-Fachgeschäfts „Bierlese“, will sich schon seit längerem ein Lastenrad für den innerstädtischen Warenverkehr anschaffen: „Das ist wichtig, wenn man irgendwann in Zukunft nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt kommt“, sagt er. Neubarth ist auch Vorsitzender des lokalen Händlernetzwerks Ici Potsdam, dem rund 30 Unternehmer angehören. Noch wartet er mit der Lastenradprämie, denn aktuell bewirbt sich Ici um die Teilnahme an einem bundesweiten Pilotprojekt für „Post-Corona-Städte“, darin enthalten wäre auch ein kleine Lastenrad-Flotte. Falls die Teilnahme scheitert, gibt es ja noch die Lastenradprämie. „Die Prämie geht auf jeden Fall in die richtige Richtung“, sagt Neubarth.

Reges Interesse

Bereits zwei Tage nach Inkrafttreten gibt es schon reges Interesse: „Bei der Bewilligungsbehörde sind schon Anträge und zahlreiche Interessensbekundungen eingegangen“, sagte Katharina Burkardt, Sprecherin des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung. Eine richtige Bewertung könne aber erst in einem Monat erfolgen. Die Prämie gilt bis zum 31. Dezember 2022.

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