• Bieterverfahren beendet: Neue Hoffnung für das alte Gutshaus Satzkorn

Bieterverfahren beendet : Neue Hoffnung für das alte Gutshaus Satzkorn

Das Bieterverfahren für das marode Gutshaus Satzkorn in Potsdam ist beendet. Unklar ist, ob auch jemand geboten hat. Derweil will der Bauträgerunternehmer Wolfhard Kirsch einen Investor für das Haus suchen.

Das Guthaus Satzkorn ist marode.
Das Guthaus Satzkorn ist marode.Foto: Andreas Klaer

Satzkorn - Im Ringen um den Erhalt des maroden Gutshauses Satzkorn gibt es derzeit ein wenig Bewegung. So endete am vergangenen Donnerstag ein Bieterverfahren im Internet, bei dem Interessenten ihre Gebote zum Erwerb des denkmalgeschützten Anwesens abgeben konnten. Der Immobilienmakler Marco Gebauer, der seiner Webseite zufolge ein Büro in Berlin und eines in Sievershagen bei Rostock betreibt, hatte das Grundstück im Internet bei Immobilienscout24 inseriert. Dort war ein Kaufpreis von 120 000 Euro angegeben worden.

Es gibt Interessenten für Gutshaus Satzkorn

Ob dieser Preis im Bieterverfahren tatsächlich von jemandem geboten wurde, wollte der Makler auf PNN-Anfrage nicht sagen. Er erklärte lediglich, dass es Interessenten gebe. „Na klar haben sich Leute gemeldet“, so Gebauer. Einzelheiten, auch zum Auftraggeber, nannte er indes nicht.

Unterdessen hat auch der bekannte Potsdamer Bauträgerunternehmer Wolfhard Kirsch Interesse an dem einstigen Gutshaus der Familie Brandhorst-Satzkorn bekundet. Er wolle gern in seinem großen persönlichen Netzwerk versuchen, einen Erwerber zu finden. Geschäftspartner für bestimmte Projekte habe er schließlich schon häufig zueinander gebracht.

Doch zunächst, so Kirsch, der auch Stadtverordneter (Bürgerbündnis) ist, benötige er genaue Informationen zum Gutshaus. Er habe den Makler im Rahmen des Bieterverfahrens angeschrieben und um ein Exposé gebeten. Erhalten habe er jedoch nichts. Gebauer hingegen sagte zur Frage des Exposés: „Jeder, der angefragt hat, hat eines bekommen.“ Dabei räumte Gebauer ein, es könne allerdings sein, dass ihn die Anfrage von Kirsch über das Internet aus technischen Gründen nicht erreicht habe. Vergleichbares sei in der Vergangenheit schon vorgekommen.

Kirsch: "Ich nehme an, das ist zu klein für uns"

Kirsch schloss gegenüber den PNN ein eigenes finanzielles Engagement zur Sanierung des Gutshauses nicht kategorisch aus, betonte aber zugleich, dass eine Investition seines Unternehmens Kirsch & Drechsler unwahrscheinlich sei. Der Grund, so Kirsch: „Ich nehme an, das ist zu klein für uns.“ Und damit sei das Objekt für ihn wohl unwirtschaftlich. Genauer könne er die Sachlage im Moment leider nicht beurteilen, da er von dem Haus zu wenig wisse – und eben auch kein Exposé erhalten habe. Generell jedoch zeigte sich Kirsch optimistisch, was die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Rettung des Gebäudes angeht: „Ich glaube, dafür kann man eine Lösung finden.“

Für die Rettung des historischen Bauwerks haben sich jüngst auch die Potsdamer Stadtverordneten stark gemacht. Auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche beauftragten sie per Beschluss die Stadtverwaltung, sie möge prüfen, wie das Gutshaus erhalten werden könne. Die Stadtfraktion der Grünen hatte diese politische Intervention initiiert. Wem der schon lange leerstehende barocke Bau im Norden Potsdams gehört, ist öffentlich nicht bekannt. Es soll sich um eine Frau handeln.

Das Guthaus könnte auch enteignet werden

Der frühere Potsdamer Stadtkonservator Andreas Kalesse brachte indes eine mögliche Enteignung ins Spiel. Zum Schutz des historisch bedeutenden Gebäudes sollte auch eine derartige Maßnahme in Betracht gezogen werden, empfahl Kalesse im Gespräch mit den PNN. Das Gutshaus bezeichnete er dabei als „in dieser Form einmalig in Brandenburg“. Das Gebäude entstand um 1740 über einem mittelalterlichen Keller. Johann Conrad Friedrich Brandhorst, Leibarzt Friedrich Wilhelms I., hatte sich das Haus bauen lassen. Er konnte das Anwesen jedoch nicht mehr selbst bewohnen, da er bereits 1740 starb.

In einer Umfrage, die Satzkorns Ortsvorsteher Dieter Spira (SPD) kürzlich initiiert hatte, sprach sich ebenfalls eine große Mehrheit für den Erhalt des früheren Herrensitzes aus. Spira hatte mit Unterstützung der WerkStadt für Beteiligung die Satzkorner nach ihren Wünschen für das Gutshaus befragt. Dabei sprachen sich 97 Prozent der Befragten für den Erhalt des Gebäudes aus. 92 Prozent sagten, sie wünschten sich eine öffentliche Nutzung und 79 Prozent gaben sogar an, sich selbst für den Erhalt und die öffentliche Nutzung des Hauses engagieren zu wollen. Im November 2018 demonstrierte eine Aktionsgemeinschaft für den Erhalt des Gutshauses.

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