Potsdam : Babelsberger geben Geld woanders aus

Geschäftsstraßenmanagement sucht nach Konzepten gegen Leerstand. Stellenförderung läuft 2013 aus

Schont das Taschengeld: Viele schnuckelige Lädchen in Babelsberg sind seit Monaten dicht. Sieben Prozent Leerstand verzeichnet das Stadtteilzentrum derzeit. Das Geschäftsstraßenmanagement sucht nach Lösungen.
Schont das Taschengeld: Viele schnuckelige Lädchen in Babelsberg sind seit Monaten dicht. Sieben Prozent Leerstand verzeichnet das...Foto: Andreas Klaer

Babelsberg - Es sind überwiegend Familien mit mittleren bis hohen Einkommen, die in Babelsberg wohnen. Doch ihr Geld geben sie offensichtlich lieber woanders aus. Es sei nicht gelungen, die Kaufkraft vor Ort zu binden, sagt Matthias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Babelsberg. Diesen Effekt bekommen nach wie vor die Einzelhändler zu spüren: Trotz vergleichsweise moderater Gewerbemieten ist die Fluktuation unter den Neuzugängen groß. Manche Händler halten sich nur wenige Monate, bevor sie wieder verschwinden.

Geschäftsstraßenmanager Jan Kickinger vom Babelsberger Sanierungsträger Stadtkontor sieht darin auch eine Chance für das Quartier. „Hier kann sich jemand mit einem individuellen Konzept ausprobieren, mit dem er in der Innenstadt, bei Mieten bis zu 90 Euro pro Quadratmeter, keine Chance hätte“, sagte er den PNN. In Babelsberg liegt die Nettokaltmiete bei acht bis 15 Euro. Manchen ist das immer noch zu viel, der Leerstand beträgt derzeit sieben Prozent. Das sei nicht übermäßig viel, habe aber dazu geführt, dass manche Eigentümer ihre Gewerberäume zu Wohnungen umfunktionieren, so Kickinger.

Ob und wie es nach dem Auslaufen der Förderung für seine Stelle im kommenden Sommer weitergeht, ist derzeit noch unklar. Vom Wirtschaftsförderungsamt hieß es gestern, künftig sei dies vermutlich nur über eine Mischfinanzierung von Stadt und freier Wirtschaft realisierbar.

Es ist besonders die Vermarktung der „Software“ – Veranstaltungen, Feste und Märkte –, um die sich Kickinger als Geschäftsstraßenmanager kümmert und die wichtig für den Stadtteil sei, da man auf die Vermietungspraxis so gut wie keinen Einfluss habe.

„Wer was mit seinem Eigentum macht und ob sich in einer Straße der fünfte Friseur oder Bäcker niederlässt, da haben wir sehr wenig oder keine Steuerungsmöglichkeit“, so Kickinger. Er bietet jedoch an, Interessenten und künftige Händler bei ihrem Konzept und der Standortsuche zu beraten.

Regelmäßig finden deshalb Passantenbefragungen statt, die letzte 2010. „Das Ergebnis hat uns überrascht: Als positiv werteten die Teilnehmer das Flair und das historische Ambiente sowie die Stadtteilfeste, den Service und die Freundlichkeit der Händler, selbst die Parkmöglichkeiten. Die Schwächen liegen offensichtlich im Branchenmix.“

Mit dem Verkauf der Sparkassenfiliale sei die Chance endgültig vertan, auf dem Gelände der Post am S-Bahnhof Babelsberg ein Gewerbezentrum entstehen zu lassen, auch der Weberpark habe sich nicht als Stadtteilmagnet erwiesen. Die meisten Babelsberger ließen sich aber als sogenannte „Smart Shopper“ einordnen: „Man kauft vor Ort Waren des täglichen Bedarfs, für alles andere wird ins Stern-Center, ins Stadtzentrum nach Potsdam oder nach Berlin gefahren. Wir sind umzingelt von konkurrierenden Gewerbegebieten“. Häufig spielen auch Gewohnheiten eine Rolle. Was fußläufig zu erreichen ist, liegt für manche 300, für andere 600 Meter entfernt. „Das laufen Sie allerdings auch schnell im Stern-Center zusammen“, meint Matthias Müller.

Laut Umfrage vermissen die Babelsberger Kleidung und Schuhe im Sortiment. Stattdessen reihen sich teilweise Immobilien-, Versicherungs- und Abgeordnetenbüros aneinander. Andererseits gebe es im Stadtteil noch traditionsreiche Familiengeschäfte, die sich dort seit Generationen halten, „besonders, wenn ihnen die Immobilie gehört“, vermutet Jan Kickinger, und es gebe die Läden, die mit ihrem Konzept ins Schwarze getroffen haben.

AG Babelsberg und Geschäftsstraßenmanagement sehen sich als Vernetzer und Fürsprecher der Händler. „Wir wollen beispielsweise, dass die Festlegung der verkaufsoffenen Sonntage endlich stadtteilbezogen erfolgt“, sagt Müller. Mit einer Gewerbeflächenbörse versucht der Sanierungsträger Stadtkontor, den Leerstand zu minimieren. Zumindest für eine Immobilie in bester Lage hat sich jetzt ein Interessent gefunden. Die ehemalige Schlecker-Filiale in der Karl-Liebknecht-Straße, die seit Monaten leer steht, soll ab Februar vermietet sein, es komme aber kein neuer Drogeriemarkt, hieß es von der Immobilienverwaltung.

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