• Arktis-Expedition unter Potsdamer Leitung: Kaum noch Eis um die "Polarstern"

Arktis-Expedition unter Potsdamer Leitung : Kaum noch Eis um die "Polarstern"

Die Forschungsexpedition unter Leitung des Potsdamers Markus Rex beobachtet die Schmelze in der Arktis. Die Meereisausdehnung hat einen historischen Tiefstand erreicht.

Die "Polarstern" im Eis.
Die "Polarstern" im Eis.Foto: Markus Rex/AWI

Potsdam/Grönland/Spitzbergen - Ein anormales Jahr beobachten die Forscher der größten Arktisexpedition aller Zeiten derzeit von ihrem Schiff „Polarstern“ aus: Die arktische Meereisausdehnung ist so gering wie noch nie im Juli seit Beginn der Satellitenmessungen. Die Nordostpassage vor der sibirischen Küste ist bereits seit zwei Wochen eisfrei. Davon berichtet das Alfred-Wegener-Institut auf seiner Homepage. „Alles Eis um uns herum ist schon lange zerfallen oder in kleine Bruchstücke zermahlen worden“, beschreibt Markus Rex. Der Potsdamer Forscher leitet die Mosaic-Projekt.

Wie berichtet ist die „Polarstern“ im Oktober zu der besonderen Expedition aufgebrochen. Auf einer Eisscholle driftet sie seither durch das Polarmeer. Zum ersten Mal soll so das gesamte Klimasystem in der Zentralarktis erforscht werden. Das Budget dafür beträgt den Angaben zufolge rund 140 Millionen Euro. Im Oktober 2020 wird das Schiff in Bremerhaven zurück erwartet. Derzeit befindet sich die „Polarstern“ zwischen Spitzbergen und Grönland, in der sogenannten Framstraße.

14 Grad Celsius im arktischen Sommer gemessen

„Unsere zu Anfang der Expedition im Oktober 2019 ausgewählte Mosaic-Scholle ist jedoch immer noch eine beeindruckend stabile Basis für unsere Arbeiten“, beschreibt Expeditionsleiter Rex. „Aber auch diese Scholle wird ihren Lebenszyklus jetzt bald am Eisrand beenden.“ In einer Höhe von 300 Metern über der Scholle hätten die Forscher eine Temperatur von 14 Grad Celsius gemessen, so der Potsdamer Forscher.

Denn, so heißt es in dem Onlinebericht des Instituts, zu den bereits früh im Jahr geringen Eisdicken käme derzeit eine Warmluftzelle, die für extrem hohe Temperaturen in Sibirien sorge. Diese wirkten sich auf die Meereisbedeckung aus. „In der russischen Arktis sind rund eine Million Quadratkilometer Ozeanfläche weniger von Meereis bedeckt als in den letzten sieben Jahren“, so die Forscher.

Ab Mitte August beginnt die Frierphase

Für die letzte Phase der Expedition, so erläutert der Physiker Rex die Pläne, nehme man die Gefrierphase in den Fokus. „Es ist das letzte Puzzlestück, welches uns in der Beobachtung des gesamten Jahreszyklus des Eises der Arktis dann noch fehlt“, sagt er. Dazu werde die Polarstern mit ihrer Besatzung weit nach Norden vorstoßen, wo das Frieren bald beginne. Etwa Mitte August werde das der Fall sein, nach einem letzten Austausch von Crewmitgliedern.

Die umfangreiche Expedition stand zwischenzeitlich wie berichtet wegen der Coronapandemie auf der Kippe. Ein im März angesetzter Wechsel der Besatzung musste verschoben werden, die Flüge wurden abgesagt. Ein Teilnehmer war positiv auf das Virus getestet worden. Mit einiger Verspätung konnte die etwa 100-köpfige Mannschaft dann in die Arktis reisen. Zwar fehlen Daten für etwa einen Monat, doch das Forschungsprojekt wird fortgeführt.

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