• Anerkennung für Einsatz: Potsdam plant Prämie für Krankenhauspersonal

Anerkennung für Einsatz : Potsdam plant Prämie für Krankenhauspersonal

Neben dem Bergmann-Klinikum sollen nun auch Mitarbeiter anderer Krankenhäuser zumindest eine Art Coronabonus bekommen.

Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Nach den Mitarbeitern des städtischen Klinikums „Ernst von Bergmann“ soll nun auch das Personal anderen Krankenhäuser eine Art Coronabonus bekommen. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) kann sich offenbar mit der kleinen Lösung anfreunden. Er schlägt die Ausgabe von Sachprämien vor – beispielsweise Tickets für städtische Bäder, den Nikolaisaal oder das Hans Otto Theater. Wie genau, müsse noch geprüft werden, sagte Schubert den PNN. 

Den Stadtverordneten wolle er vorschlagen, dazu eine Richtlinie zu formulieren. „Eine direkte Prämienzahlung aus dem kommunalen Haushalt könnte sich nach ersten rechtliche Prüfungen des Kämmerers als schwierig erweisen“, so Schubert weiter.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple-Geräte herunterladen können und hier für Android-Geräte.]

Damit könnte Schubert auch der CDU den Wind aus den Segeln nehmen. Die Fraktion hatte nämlich mit einem Dringlichkeitsantrag für die Sitzung der Stadtverordneten am Mittwoch erreichen wollen, dass die Mitarbeiter aller Krankenhäuser in Potsdam von der Zahlung profitieren. Dazu solle der Oberbürgermeister prüfen, ob Mittel von Land oder Bund bereitstehen. Alternativ solle ein Bonusprogramm aus Sachleistungen und Ermäßigungen über die städtischen Betriebe geprüft werden. „Neben den Mitarbeitern des Klinikums „Ernst von Bergmann“ haben auch weitere Potsdamer Krankenhäuser hervorragende Arbeit in dieser herausfordernden Zeit geleistet“, hieß es in der Begründung. Der Verlegungs- und Aufnahmestopp des städtischen Klinikums habe zu Mehrbelastungen anderer Potsdamer Krankenhäuser geführt„Ihre geleistete Arbeit muss ebenso entsprechend honoriert werden.“ 

Personal fordert Wertschätzung

Am Montag hatten sich die Mitarbeiter der drei christlichen Krankenhäuser in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten gewandt. Darin machen sie auf die Belastungen durch die Coronakrise aufmerksam – insbesondere nach dem Aufnahmestopp am Klinikum Anfang April. Die Prämie für Mitarbeiter des Klinikums sei ein „wichtiges und wertschätzendes Signal“. Aber auch die Mitarbeiter der anderen Krankenhäuser hätten eine Anerkennung von Seiten der Stadt verdient, heißt es in dem Schreiben, das von allen drei Mitarbeitervertretungen des St.Josefs-Krankenhauses, des Evangelischen Zentrums für Altersmedizin und der Oberlinklinik unterzeichnet ist. 

Wie berichtet hatte die Stadtverordnetenversammlung Anfang Mai einen einmaligen Bonus von 500 Euro für alle Mitarbeiter des Klinikums „Ernst von Bergmann“ beschlossen. Für die Kosten von rund 900.000 Euro kommt die Stadt auf. Ob sich diese Sichtweise bei der Mehrheit der Stadtverordneten durchsetzt, ist indes fraglich.

Die Suche nach der besten Lösung

In der Debatte Anfang Mai hatte auch die FDP eine Prämie ausschließlich für Mitarbeiter des städtischen Klinikums als ungerecht bezeichnet. SPD-Fraktionschef Daniel Keller hatte aber eingewendet, es gehe um eine Maßnahme als städtischer Arbeitgeber. Über andere Gesundheitsträger könne man nicht entscheiden. Auch Lutz Boede von der Fraktion Die Andere sagte den PNN, die Stadt sei in erster Linie für ihr eigenes Klinikum verantwortlich. Er verstehe, dass das aus Sicht der Beschäftigten anderer Träger ungerecht wirke. „Die beste Lösung wäre eine einheitliche Zahlung durch Bund oder Land.“ Sei das nicht möglich, sei zunächst einmal der Träger der Krankenhäuser gefragt. 

Coronakrise macht Krankenhaus zu schaffen

Beim St.Josefs-Krankenhaus, das zum Verbund der katholischen Alexianer gehört, winkt man angesichts solcher Ideen allerdings ab. „Eine Helferprämie möchten wir sehr gerne zahlen. Verdient hätten sie unsere Mitarbeiter auf jeden Fall“, heißt es auf PNN-Anfrage. Momentan lasse der finanzielle Spielraum des St. Josefs-Krankenhaus das jedoch nicht zu. Eine über das Land oder Bund laufende Sonderzahlung hätte den Charme, dass keine Ungleichbehandlung aufgrund fehlender finanzieller Spielräume stattfinde, so Sprecher Benjamin Stengl. 

Die Sparsamkeit bei Potsdams zweitgrößtem Krankenhaus kommt nicht ohne Grund. Das St.Josefs ist durch die Coronakrise finanziell äußerst belastet. Nach eigenen Angaben wird das Haus praktisch von steigenden Kosten und entgangenen Einnahmen in die Zange genommen: Neben den Erlöseinbußen durch den Wegfall der Behandlung geplanter stationärer aber auch der ambulanten Behandlungen schlagen enorme finanzielle Aufwendungen wie Investitionen in die Isolierstationen, Laborkosten, zusätzliche Personalkosten zu Buche. Allein das beziffert der Sprecher auf rund 500.000 Euro. Dazu kommen Kosten für Schutzausrüstung. „Wir haben in den vergangene drei Monaten in Summe rund 600.000 Euro in Ausrüstung investiert und bisher rund 26.000 Euro erstattet bekommen“, so der Sprecher. 

Viele Patienten, wenig Ausgleich

Die vom Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz vorgesehenen 50 Euro je Krankenhausfall reichen da laut Stengl bei weitem nicht als Kompensation aus. Hintergrund sei auch die unzureichende Eingruppierung der Covid-Behandlung bei den Fallpauschalen die die Krankenhäuser erhalten. Wer viele Covid-Patienten behandelt, schneidet entsprechend schlecht ab. Ganz leer ausgehen müssen die Mitarbeiter des St.Josefs nicht: Alle auf den Covid-Stationen tätigen Mitarbeiter erhalten für April, Mai und Juni jeweils eine Sonderzahlung in Höhe von 46,02 Euro, wie Stengl auf PNN-Anfrage bestätigt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Prämie. Die Zulage wird laut Arbeitsvertragsrichtlinie der Caritas fällig, wenn man bestimmt Aufgaben übernimmt – wie die Pflege von an schweren Infektionskrankheiten erkrankten Patienten. 

Keine Neuinfektionen 

Unterdessen meldete das Rathaus am Dienstag keine Neuinfektion mit dem Sars-CoV-2-Virus. Damit bleibt es bei einer Neuinfektion in den vergangenen sieben Tagen. Der Wert ist relevant für die Alarmschwelle von 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.Von diesem Wert entfernt sich Potsdam derzeit also immer weiter. In den Potsdamer Kliniken wurden insgesamt 17 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, behandelt: im Klinikum Ernst von Bergmann 16 und im St. Josefs Krankenhaus einer. Seit Februar haben sich demnach 628 Potsdamer nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.


Mehr zum Thema


Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.