• Fachkräftemangel in Potsdams Pflegeeinrichtungen

Altenpflege : Fachkräftemangel in Potsdams Pflegeeinrichtungen

In Potsdam bleibt der Fachkräftemangel in der Altenpflege groß. Die Einrichtungen versuchen selbst gegenzusteuern.

Potsdams Pflegedienste finden nur schwer Fachkräfte.
Potsdams Pflegedienste finden nur schwer Fachkräfte.Foto: Patrick Pleul / dpa

Potsdam - Die Zahlen sind deutlich: In Potsdam waren im Oktober 126 Stellen in der Altenpflege unbesetzt, demgegenüber standen 84 arbeitslose Altenpfleger – und damit 42 weniger, als gebraucht würden. Das teilte die Arbeitsagentur auf Anfrage mit. Die Personalsituation in Potsdams Pflegeeinrichtungen ist nach wie vor angespannt und dürfte sich sogar noch weiter verschlechtern. Davon geht zumindest das Brandenburger Sozialministerium aus. „Der Handlungsdruck in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Hinblick auf die Fachkräftesicherung wird weiterhin wachsen“, schreibt das Ministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der beiden CDU-Landtagsabgeordneten Steeven Bretz und Roswitha Schier. 
Zwar habe sich die Versorgungssituation nach Angaben des Ministeriums im Potsdamer Norden etwas entspannt, etwa durch eine neue Außenstelle eines ambulanten Pflegedienstes in Fahrland. Aber neu eröffnete Pflegeeinrichtungen würden die Konkurrenz zusätzlich verschärfen und „zu Personalfluktuation in den bestehenden Häusern der Landeshauptstadt führen“, heißt es. Es brauche daher Maßnahmen, um die Situation in Potsdam und Brandenburg zu stabilisieren.

Hunderte Betten sind unbelegt

Laut der Antwort führt der Mangel an qualifizierten Pflegekräften auch dazu, dass manche Betten nicht belegt werden können. Von rund 1730 verfügbaren Plätzen in der stationären Pflege in Potsdam seien 1600 belegt. Darunter seien gerade bei neuen Einrichtungen Fälle, „in denen aufgrund von Personalvakanzen vorübergehend auf weitere Aufnahmen verzichtet wird“. 
Diese Situation bestätigen mehrere Potsdamer Pflegedienste auf Anfrage. So erklärte etwa Thomas Weiß, Sprecher der Deutsche Seniorenstift Gesellschaft (DSG), wenn Stellen in der Pflege nicht zeitnah besetzen werden könnten, sei eine mögliche Folge, „dass wir einen Pflegeplatz erst einmal nicht neu vergeben können, weil es einen verbindlichen Personalschlüssel gibt.“ Die DSG betreibt in Potsdam drei Pflegeeinrichtungen mit mehr als 300 Betten. 2017 musste der Träger in der Stadt auf Grund von Personalmangel einen mehrmonatigen Aufnahmestopp verhängen (PNN berichteten). 

Angespannte Lage im Speckgürtel

Auch Anette Schmidt, verantwortlich für das Personalmanagement beim Landesausschuss für Innere Mission (Lafim), berichtet, es sei schwierig, in Potsdam Pflegekräfte zu finden. „Es kann immer wieder dazu kommen, dass Stellen einige Wochen vakant bleiben“, sagt sie. Gerade in Potsdam – hier betreibt Lafim unter anderem die Evangelische Seniorenresidenz Luisengarten und das Hasenheyer-Stift – sei es ausgesprochen schwierig. „In Cottbus rennen die Pflegekräfte uns die Bude ein“, kommentiert sie, aber in Potsdam, Teltow und Stahnsdorf werde der Wettbewerb durch den größeren Pflegemarkt und die Nähe zur Hauptstadt verschärft. Zwar zahle die Diakonie seit 2017 in Berlin und Brandenburg den gleichen Lohn – was nicht überall der Fall ist, oft lockt die bessere Bezahlung Pflegekräfte in die Hauptstadt – aber Berlin habe trotzdem einen anderen Ruf. In der ambulanten Pflege sei der Mangel noch eklatanter als in der stationären.
Die Stadt Potsdam hatte im vergangenen Jahr mit der Innungskrankenkasse Berlin-Brandenburg (IKK) einen „Runden Tisch Pflege“ ins Leben gerufen, der seither dreimal tagte. Bei der letzten Sitzung im Mai ging es laut einem Stadtsprecher etwa um die schwierige Parksituation in manchen Wohngebieten. Bei einem Treffen im September 2017 hatte es geheißen, drei Arbeitsgruppen sollten sich unter anderem den Themen ausländische Fachkräfte und Ausbildung zuwenden. Auf Anfrage hieß es nun aber, es habe keine Arbeitsgruppen gegeben, da das Netzwerk „Älter werden in Potsdam“ auf Konferenzen aktuelle Probleme der Pflege diskutiere. Die Frage nach Maßnahmen, die aus dem Austausch von Stadt, IKK und Pflegediensten abgeleitet wurden, ließ der Sprecher unbeantwortet. 

Bewerbungsmanagement und Yoga-Kurse

Um Pflegekräfte zu werben, werden die Träger selbst aktiv. So hat der Lafim seit April eine eigene landesweite Abteilung für Bewerbungsmanagement mit zwei Mitarbeitern. „Wir betreiben ein aktives Ausschreibungsmanagement im Internet auf 40 Stellenportalen“, erklärt Friederike Pfaff-Gronau, Theologischer Vorstand des Lafim. Derzeit seien 60 bis 70 Stellen in Brandenburg vakant, aber die neue Abteilung zeige erste Erfolge. 
Die DGS wirbt ebenfalls viel online, auch über soziale Medien. Doch der Rücklauf sei sehr unterschiedlich, sagt Thomas Weiß. „Manchmal sind es fünf oder mehr Bewerbungen, manchmal auch keine“, erklärt er. Ein großes Problem sei auch die Wohnsituation in Potsdam. Das Unternehmen setze vor allem auf „attraktive Rahmenbedingungen für die Arbeit“, erklärt Weiß, um mehr Arbeitskräfte anzuziehen. So gebe es ein betriebliches Gesundheitsmanagement. „Hierzu haben wir für unsere Potsdamer Einrichtungen extra eine Gesundheitsmanagerin eingestellt“, sagt Weiß. Neben Schulungen über gesunde Ernährung biete diese Yoga-Kurse und Massagen an. Auch kostenlose Kinderbetreuung gibt es für die Mitarbeiter. 

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!