• Alteigentümer prüft Klage: Konzeptvergabe für Persiusspeicher bis März

Alteigentümer prüft Klage : Konzeptvergabe für Persiusspeicher bis März

Die Stadt bereitet eine Ausschreibung für das Ensemble an der Potsdamer Zeppelinstraße vor. Doch der Alteigentümer will eine Klage prüfen.

Der Persiusspeicher steht seit Jahren leer. Das soll sich ändern.
Der Persiusspeicher steht seit Jahren leer. Das soll sich ändern.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Hohe Zäune, vernagelte Fenster und rankende Pflanzen – der Persiusspeicher in der Zeppelinstraße bietet ein eher trostloses Bild. Seit Jahren tut sich dort scheinbar nichts. Doch im Streit um das historische Gebäudeensemble in Potsdam-West steht die nächste Runde bevor. Wie die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage mitteilte, steht die Vorbereitung einer Ausschreibung verwaltungsintern vor dem Abschluss. Noch im ersten Quartal soll sie beginnen. Bei der Konzeptvergabe soll auch eine künstlerische Nutzung eine Rolle spielen.

Mit der Ausschreibung könnte eine juristische Auseinandersetzung auf die Stadt zukommen. Denn wie berichtet waren im vergangenen Jahr Verhandlungen zur Rückübertragung an den früheren Eigentümer, den Berliner Immobilienunternehmer Dirk Gädeke, gescheitert. Dieser will nun den Beginn der Ausschreibung abwarten, sagte er den PNN. „Ich bin sehr gespannt.“ Wegen des fortschreitenden Verfalls des Gebäudes berge das Projekt einige Risiken in Gründung und Statik. Er wolle das zunächst mit seinen Partnern diskutieren, bevor er möglicherweise weitere Schritte unternehme.

Eine der ersten Industrieanlagen Potsdams

Hintergrund ist, dass Gädeke das seit Jahren ungenutzte Gebäudeensemble eigentlich mit einem Partner entwickeln wollte. 50 Prozent der Fläche sollten als Ateliers an Künstler vermietet werden – für Mieten von 6,50 bis 7,50 Euro. Die andere Hälfte sollte zu Büros oder Wohnungen umgebaut werden. Rund 30 Millionen Euro sollten auf dem Areal investiert werden. Der nach Entwürfen von Ludwig Persius im normannischen Burgenstil als eine der ersten Industrieanlagen Potsdams errichtete Persiusspeicher selbst sollte für 14 Millionen Euro saniert werden. Der dem Havelufer zugewandte marode Anbau aus dem Jahr 1913 sollte hingegen abgerissen werden. Den Abrissplänen hatten nach Angaben der Stadtverwaltung auch schon das Landesdenkmalamt und die Potsdamer Denkmalschützer zugestimmt. An der Stelle sollte ein Neubau mit Eigentumswohnungen oder altersgerechte Wohnungen entstehen, die Immeo bewirtschaften wollte.

Als Partner hatte sich Gädeke mit der Immobilien-Gruppe Immeo zusammengetan, die bundesweit rund 50 000 Wohnungen bewirtschaftet. Immeo gehört nach einem Zusammenschluss mit dem französischen Immobilienkonzern Foncière des Régions, dem in Potsdam auch das Hotel Mercure gehört, zum Konzern Covivio.

Antrag für Wohnungsbauten wird vorbereitet

Bei Covivio steht man zu dem Projekt. Man plane weiter Wohnungsbau und bereite einen entsprechenden Bauantrag vor. Der Unternehmensgruppe gehört nach eigenen Angaben auch schon das Nachbargrundstück.

Wie berichtet ziehen sich die Querelen um das Gebäude schon mehrere Jahre hin. Anfang 2018 hieße es, die Gespräche zwischen Stadt und Investor über einen Rückübertragung seinen weit fortgeschritten. Nur ein Gutachten zum Verkehrswert fehle. Dann begann das Warten. Noch im Januar 2019 hatten sich beide Seiten auf Nachfrage zu dem Deal bekannt. Im Sommer legte die Stadtverwaltung den Deal dann plötzlich auf Eis. Auslöser seien juristische Gründe, die sich bei einer erneuten Prüfung des geplanten Verkaufs ergeben hätten, hieß es damals.

Potsdam blieb auf Gebäude sitzen

Die Stadt hatte ursprünglich das um 1840 für das Heeresproviantamt errichtete Speichergebäude anlässlich der 1000-Jahrfeier 1993 zur Kunsthalle umbauen wollen. Doch erst nachdem Potsdam damals rund 3,25 Millionen Euro für Grundstückserwerb und Sanierung ausgegeben hatte, erkannte man, dass das Gebäude dafür ungeeignet war. 1998 wurde der „Kunstspeicher“ wieder geschlossen.

Potsdam blieb allerdings auf dem Gebäude sitzen: Problematisch war, dass Fördermittel, die das junge Brandenburg Anfang der 1990er-Jahre vom Partnerland Nordrhein-Westfalen bekommen hatte, an eine kulturelle Nutzung gebunden waren. Diese Zweckbestimmung war auch Bedingung des ursprünglichen Kaufvertrags.


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