• 11. Pogida-Marsch in Potsdam: Die Lange Brücke bleibt heute frei

11. Pogida-Marsch in Potsdam : Die Lange Brücke bleibt heute frei

Die Anhänger von Pogida marschieren am heutigen Mittwoch vom Potsdamer Hauptbahnhof nach Zentrum Ost. Es sind mehrere Gegenkundgebungen geplant, linke Aktivisten rufen erneut zur Blockade auf.

Alexander Fröhlich
Auch bei der 10. Pogida-Demo ist die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz.
Auch bei der 10. Pogida-Demo ist die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz.Foto: A. Fröhlich

Innenstadt/Zentrum Ost - Trotz Pogida-Demonstration muss die Lange Brücke am heutigen Mittwoch nicht gesperrt werden. Denn nach PNN-Informationen soll der asylfeindliche Aufmarsch diesmal nicht wie gewohnt zum Filmmuseum, sondern nach Zentrum Ost führen. Wie Pogida auf Facebook mitteilte, soll der elfte „Abendspaziergang gegen die Islamisierung des Abendlandes“ dennoch wie zuletzt üblich um 18.30 Uhr in der Babelsberger Straße am Hauptbahnhof starten.

Massiver ausfallen könnten am heutigen Mittwoch die Gegenproteste: Im Internet rufen linke Aktivisten dazu auf, den Pogida-Marsch zu blockieren. Bereits beim sechsten Aufmarsch hatte es in Babelsberg eine Sitzblockade mit mehreren Hundert Gegendemonstranten gegeben, Pogida wurde zum Umkehren gezwungen. Allerdings ermittelt die Polizei gegen die Blockadeteilnehmer wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Jakobs: Deutliche Antwort auf Hass und Fremdenfeindlichkeit

Nachdem am gestrigen Dienstag kurzfristig bekannt wurde, dass die Pogida-Anhänger nach Zentrum Ost laufen wollen, wurden auch die bisher angemeldeten Gegendemonstrationen verlegt: Das städtische Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ will jetzt ab 18 Uhr ebenfalls in der Babelsberger Straße – „zwischen Fahrradstation und Parkhauseinfahrt“ – protestieren. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) will vor Ort sein. „Nach einigen Wochen Pause gilt es erneut, Farbe zu bekennen und den Aufruf von Pogida zu Hass und Fremdenfeindlichkeit mit einer deutlichen und lautstarken Kundgebung zu beantworten“, sagte er am Dienstag. Zugleich appellierte Jakobs, friedlich gegen Pogida zu demonstrieren. Eine weitere Gegenkundgebung, angemeldet vom Potsdamer Kreisverband der Linkspartei, soll ab 18.30 Uhr in der Lotte-Pulewka-Straße/Ecke Humboldtring stattfinden.

Wie die Polizei mitteilte, werden der Bereich der Babelsberger Straße am Hauptbahnhof sowie mehrere Straßen im Zentrum Ost ab etwa 17 Uhr gesperrt. Der Hauptbahnhof werde weiterhin für jedermann zugänglich sein, sagte ein Polizeisprecher. Auch das Parkhaus sei über die Friedrich-List-Straße weiter befahrbar. Die Brandenburger Einsatzkräfte werden erneut von Polizisten aus anderen Bundesländern unterstützt.

Wegen Kriminaltherapie: Christian Müller nimmt nicht an Pogida-Marsch teil

Wie es mit den Pogida-Demonstrationen in den kommenden Wochen weitergeht, stehe derzeit noch nicht fest, sagte Ex-Anmelder Christian Müller den PNN. Das hänge von der Resonanz am heutigen Mittwoch ab. „Wir werden sehen, wie es läuft. Auf jeden Fall geht es dann aber erst im zweiwöchigen Rhythmus, dann im einwöchigen weiter“, sagte er. Auch die Anmeldung für diesen Mittwoch sei nur kurzfristig erfolgt. Müller selbst wird am Mittwoch nicht dabei sein. Der Grund: Er hat einen Termin für seine kriminalpsychologische Therapie, die er beginnen musste. Von seiner Zusammenarbeit dabei hänge auch ab, ob er nicht sogar in stationäre Behandlung muss. Ob er bei künftigen Pogida-Versammlungen dabei sein wird, sei von seinen weiteren Therapie-Terminen abhängig. „Ich halte mich zurück“, sagte Müller. Noch immer unklar ist, ob er nach einer Verurteilung vom Februar – unter anderem wegen Körperverletzung und Bedrohung – eine Haftstrafe antreten muss. Einen Termin für das Revisionsverfahren gebe es noch nicht, sagte er.

Nach Müllers Rückzug als Anmelder und Versammlungsleiter infolge seiner Verurteilung übernimmt nun wie zuletzt am 7. April ein gewisser Holger Schmidt. Er rechnet diesmal mit 100 bis 150 Teilnehmern. Über Schmidt ist bislang wenig bekannt. Bei der Polizei ist er ein unbeschriebenes Blatt. Der Name Holger Schmidt ist übrigens – aus Eigenschutz – nur ein Pseudonym.

 

Hinweis in eigener Sache: Auch heute sind unsere Reporter wieder vor Ort. Wir berichten erneut live hier auf pnn.de und über unseren Twitter-Account.