Zehn Jahre in Werder : Comédie Soleil feiert Jubiläum

Vor zehn Jahren zog die Comédie Soleil von Potsdam nach Werder Das Ensemble befasst sich vor allem mit gesellschaftspolitischen Themen.

Fontane auf See. Das Stück zum Fontanejahr war stets ausverkauft. 
Fontane auf See. Das Stück zum Fontanejahr war stets ausverkauft. Foto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Ein Stück über die 700-jährige Stadtgeschichte Werders, ein Hartz-IV-Musical, eine bitterböse Komödie über zwei Anarchisten, die 1927 in Amerika hingerichtet werden sollen: Das Theater Comédie Soleil in Werder im ehemaligen „Trend“-Kaufhaus auf der Eisenbahnstraße zeigt vielschichtige und vielseitige Stücke. Am Freitag feiert das Theater sein zehnjähriges Bestehen in Werder.

„Wir wollen Theater machen, das berührt. Das zum Lachen, zum Weinen und Nachdenken anregt“, sagt die Schauspielerin Karoline Hugler, die zusammen mit ihrem Partner Julian Tyrasa seit April 2013 die künstlerische Leitung des Comédie Soleil innehat. Das Theater hat sich einen Namen gemacht und ist gut besucht. Ein Beispiel: Seit Mai läuft das Stück „Fontane auf See“, das auf dem Ausflugsschiff „Bismarckhöhe“ während der Fahrt auf dem Schwielowsee gezeigt wird und stets ausverkauft ist. Die Inszenierung, die im Rahmen des Programms „Fontane am Schwielow“ läuft, wird daher am 14. und 15. September noch einmal in einer Bühnenfassung gezeigt.

Karoline Hugler und Julian Tyrasa. 
Karoline Hugler und Julian Tyrasa. Foto: Ottmar Winter

Der Saal der Comédie Soleil hat nur 77 Plätze. Die überschaubare Größe habe jedoch Vorteile, sagt Hugler. „Diese Intimität ist eine unserer Stärken. Wir merken, dass die Leute direkt in unsere Inszenierungen hereingezogen werden und sich emotional darauf einlassen.“

Das Theater zeigt pro Jahr rund fünf Produktionen, davon je ein neues eigenes Stück. Der Fokus liege auf gesellschaftspolitischen Themen, so die 39-jährige Hugler. Dazu gehören für sie George Orwells „1984“ oder das Flüchtlingsdrama „Le Havre“ des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki, das Tyrasa in der Zeit des Zustroms von Geflüchteten nach Deutschland für die Bühne adaptierte. Er sagt: „Wenn wir denken, dass die Stücke schwer sind und die Gäste dennoch kommen, ist es immer besonders schön.“

Neben den ernsten Inszenierungen zeigt die Comédie Soleil auch eine oder zwei Komödien und ein Familienstück pro Jahr. Hinzu kommen Gastspiele. So etwa in der vergangenen Woche das bolivianische Jugendtheater „Teatro Trono“ im Rahmen der Aktionswoche „Weltoffenes Werder“. „Wir gucken, dass wir unser Theater mit anderen Theaterformen ergänzen“, sagt Hugler.

Die Chance genutzt

Die Anfänge der Comédie Soleil liegen ursprünglich in Potsdam: 2004 gründete Michael Klemm das Theater als kleine Privatbühne in der Feuerbachstraße. Doch 2006 musste der Spielbetrieb in dem Haus aufgegeben werden. Seither wurden die Stücke auf verschiedenen Bühnen aufgeführt, so auch im Restaurant „Le Manège“ Am Neuen Markt. 2009 zog das Theater nach Werder. Klemm warf 2013 aus persönlichen Gründen das Handtuch. Hugler und Tyrasa waren bereits zuvor mit dem Theater beruflich verbunden. „Als Klemm dann Ende 2012 beschlossen hatte aufzuhören, dachten wir: Das ist eine unglaubliche Chance für uns“, erinnert sich der 47-jährige Autor und Regisseur Tyrasa.

Tyrasa und Hugler stellten das Theater, das Klemm vor allem über den Eintritt zu finanzieren versuchte, auf sichere Füße, suchten Sponsoren und Kooperationspartner. Seit April 2014 ist die Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) der Träger des Theaters und übernimmt die Verwaltungsaufgaben. Die Stadt Werder ist Kooperationspartner und unterstützt mit jährlich 30.000 Euro. Und auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark und das Land Brandenburg stellen Fördermittel zur Verfügung.

Es sollen mehr Gäste nach Werder kommen

In der Zukunft würden Tyrasa und Hugler gerne mehr neue Gäste nach Werder locken. Die Chancen stehen gut. Im Herbst sind gleich zwei Premieren angesetzt: Am 28. September wird es bei zwei unheimlichen Geschichten von H. P. Lovecraft gruselig zugehen. Der Schauspieler Frank Dukowski hat den Horrorautor für die Bühne adaptiert. Und ab dem 18. Oktober wird „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller gespielt.

Zur zehnjährigen Jubiläumsfeier am Freitag zeigt das Theater Auszüge aus den Stücken „Fontane auf See“, „Der große Fantastico“ und „Der Tempel“, eine der Geschichten von H.P. Lovecraft. Der Eintritt ist frei, die Feier beginnt um 16 Uhr.