Waldbrände : Potsdam-Mittelmark hat Angst vor einer erneuten Katastrophe

Bei Jüterbog brennt es lichterloh. Auch in der Mittelmark könnte es in diesem Jahr wieder zu heftigen Waldbränden kommen. Die Feuerwehr sieht sich gut gerüstet - mittlerweile.

Wird es wieder brennen? In Fichtenwalde wütete das Feuer im Juli vergangenen Jahres auf rund 50 Hektar.
Wird es wieder brennen? In Fichtenwalde wütete das Feuer im Juli vergangenen Jahres auf rund 50 Hektar.Foto: Enrico Bellin

Potsdam-Mittelmark - Es sind Bilder, die bei vielen vergessene Ängste heraufbeschwören. Der brennende Wald auf dem mit Munition belasteten Truppenübungsplatz bei Jüterbog im Nachbarkreis Teltow-Fläming ruft Erinnerungen an das vergangene Jahr wach. Damals im Sommer brannte es gleich an mehreren Stellen in der Mittelmark: Im Juli wütete ein Feuer auf 50 Hektar bei Fichtenwalde, kurze Zeit später standen rund 300 Hektar Wald bei Treuenbrietzen in Flammen. Die Retter waren im Dauereinsatz – und sind es jetzt schon wieder.

Waldbrand bei Fichtenwalde
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1 von 23Sebastian Gabsch
26.07.2018 22:59

„Man spürt die Anspannung bei den Bewohnern“, beschreibt der Fichtenwalder Ortsvorsteher Tilo Köhn die derzeitige Stimmung in seinem Ort. Die Bilder in den Medien würde man nach der Erfahrung im vergangenen Jahr anders wahrnehmen, bei Sirenengeheul anders zusammenzucken. Jeder wüsste mittlerweile genau, wie es sich anfühlt, wenn das Feuer bis vor die Haustür kommt. Jeder kenne die Unsicherheit, nicht zu wissen, ob man sein Haus vielleicht für immer verlassen muss. Das einzig Gute: „Einem ist jetzt klar, wann man im Notfall los und was man mitnehmen muss“, so Köhn. Der Ortsvorsteher betont, dass viele Bewohner großes Vertrauen in die Einsatzkräfte gewonnen hätten.

Aktuell ist die Mittelmark noch nicht gefährdet

Einer der Einsatzkräfte ist Kreisbrandmeister Jan Ehlers aus Teltow. Er ist zusammen mit weiteren 25 Feuerwehrmännern am Mittwochnachmittag nach Jüterbog aufgebrochen. Ein 24-Stunden-Einsatz wartet auf ihn, am heutigen Donnerstagmittag werden sie von anderen Rettungskräften abgelöst. 24 Stunden sei die Zeit, in der die Brandschutzeinheiten der verschiedenen Landkreise, die Teltow-Fläming bei der Brandbekämpfung helfen, am effektivsten sind, so Ehlers.

Auch wenn die Gemarkungsgrenze der Mittelmark nahe an dem aktuellen Brandherd liegt, gibt Ehlers Entwarnung: „Für Potsdam-Mittelmark besteht noch keine Gefahr.“ Zudem sei der Kreis mit Rettern und Ausrüstung gut aufgestellt.

Die Feuerwehr sieht sich gut gerüstet

„Wir liegen deutlich über den Mindestanforderungen des Landes.“ So müsste laut dem brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz eine Brandschutzeinheit zwischen 40 und 70 Einsatzkräfte sowie 15 Löschfahrzeuge besitzen. Die Mittelmark hätte derzeit 145 Einsatzkräfte und 30 Löschfahrzeuge, so Ehlers. Der Landkreis habe seit Jahren in die Ausrüstung investiert und vorgesorgt. Es gebe sogar eine eigene Quad-Staffel, mit der man auch in dichte Wälder vordringen kann. „Wir können uns nicht beklagen.“

Problematisch seien wie schon im vergangenen Jahr die schlecht befahrbaren Waldwege, die fehlende Wasserversorgung vor Ort sowie fehlende Schutzstreifen. Immerhin gebe es vom Land die Bereitschaft zu investieren, räumt Ehlers ein. Doch die Hilfen kommen laut Köhn zu spät. So hat das Beelitzer Stadtparlament – als Lehre aus dem Brand – beschlossen, neue Löschwasserbrunnen zu errichten. Die Förderanträge für den Bau konnten laut Köhn erst Anfang des Jahres beim Land gestellt werden, derzeit laufe das Ausschreibungsverfahren. „Warum verkürzt man so ein Verfahren nicht bei dieser speziellen Problematik?“, fragt sich Köhn. Bis die Brunnen stehen, könnte schon wieder ein Feuer ausgebrochen sein. Auch sei es jetzt wichtig, den Waldumbau schneller voranzutreiben.