• Von Susanne Leimstoll, Eva Klawa und Ralf Schönaball: Zweite Villa der Treberhilfe in Caputh

Von Susanne Leimstoll, Eva Klawa und Ralf Schönaball : Zweite Villa der Treberhilfe in Caputh

Grundstück am See wurde 2008 gekauft

Susanne Leimstoll Eva Klawa Ralf Schönaball
Auch am Wasser: Die Immobilie der Treberhilfe in der Schwielowseestraße.
Auch am Wasser: Die Immobilie der Treberhilfe in der Schwielowseestraße.Foto: A. Klaer

Schwielowsee - Die Gemeinde Schwielowsee scheint es Harald Ehlert angetan zu haben. Dort steht das in den Büchern der Treberhilfe mit zwei Millionen Euro verzeichnete Anwesen der Sozialeinrichtung mit Einliegerwohnung des Firmengründers am Templiner See. Aber der wegen der „Maserati-Affäre“ ins Zwielicht geratene frühere Geschäftsführer hat für die gemeinnützige Gesellschaft offenbar eine weitere Immobilie in Caputh angeschafft: ein 10 000 Quadratmeter großes Grundstück mit sanierungsbedürftigem Haus in der Schwielowseestraße.

Wozu das zweite, im Jahr 2008 gekaufte Areal direkt am Schwielowsee genutzt werden sollte, ist nicht ganz klar. Von Insidern ist zu hören, als Verwendungszweck im Sinne der Gemeinnützigkeit sei beim Kauf eine psychiatrische Einrichtung für Kinder angegeben worden. Umgesetzt ist von dieser Planung bisher nichts, lediglich der Zaun zur Straße hin wurde erneuert. Das Haus, in dem einstmals drei Mietparteien wohnten, steht leer. Nach PNN-Informationen hatte die Ziel Immobilien GmbH Berlin das Grundstück im Jahr 1994 von der Gemeinde erworben und 14 Jahre später an die Treberhilfe weiterverkauft.

Bisher hatte die Öffentlichkeit nur von dem 900-Quadratmeter-Grundstück mit einer als Schulungszentrum deklarierten Luxusvilla am Ortsausgang erfahren. Ein „Seminarpavillon“ auf dem Areal war der geringste Teil der Investition: rund 660 000 Euro, nur ein Drittel des Gesamtaufwandes. Die anderen zwei Drittel flossen in die Villa mit Ehlerts Einliegerwohnung, in ein Bootshaus, in die gärtnerische Gestaltung der Anlage und in deren Beleuchtung. In den privateren Bereichen der Anlage, die nur ausgewählten Gästen zugänglich gewesen sein dürften, wurden elegante Bäder eingerichtet, ein Kamin und eine Sauna.

Grundstücke, Immobilien und Neubauten haben in den vergangenen Jahren eine immer größere Bedeutung bei der Treberhilfe bekommen. „Die Treberhilfe hat sich schleichend von einer Sozialeinrichtung in eine Immobiliengesellschaft verwandelt“, sagt ein Insider. Mitarbeiter der Treberhilfe befürchten, dass der vor kurzem eingesetzte Verwalter und Teile des Aufsichtsrates versuchen könnten, Immobilien und Vermögen aus der gemeinnützigen Gesellschaft Treberhilfe herauszulösen und in eine neue GmbH zu überführen. Das Manöver habe das Ziel, Ehlert aus der Schusslinie zu bringen und dessen Anteile an der Treberhilfe einer Treuhändergesellschaft zu übertragen. Die neue Firma ist zwar noch nicht offiziell gegründet. Beim Handelsregister liegen aber bereits die Anträge für die Eintragung der „Hiawata“ vor, die unmittelbar bevorstehen soll.

Zum 26. April steht der gemeinnützigen GmbH außerdem eine Betriebsprüfung des Finanzamtes ins Haus, offenbar die erste seit Bestehen der Treberhilfe. Bisher soll es nur eine Lohnsteuerprüfung gegeben habe, die nicht abgeschlossen sei. Bei der Betriebsprüfung sollen dem Vernehmen nach die Ergebnisse von mehreren Jahren überprüft werden.

Ihre Verunsicherung haben die Mitarbeiter der Treberhilfe in einem Offenen Brief an den neuen Geschäftsführer Luft gemacht. Darin wird Dietrich Fenner das Misstrauen ausgesprochen und eine Neubesetzung des Aufsichtsrates verlangt. Berlins Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) nannte dies einen „mutigen Schritt“, der zeige, dass die gute Arbeit der Mitarbeiter der Treberhilfe nicht durch die hier infrage stehende „Zweckentfremdung von Mitteln“ durch die Geschäftsführung in Misskredit gebracht werden kann. „Bei aller Notwendigkeit etwas bei der Treberhilfe zu verändern, dürfen diese Menschen nicht ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Von der Treberhilfe war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. (mit ldg)