Tropische Art entdeckt : Wie gefährlich ist die Riesenzecke von Töplitz?

Der Biologe Kai Heinemann hat in Töplitz die Riesenzecke Hyalomma entdeckt. Sie konnte erstmals in Deutschland überwintern und kann so groß wie ein Fünf-Cent-Stück werden.

Foto (Symbolbild): Frank Rumpenhorst/dpa

Werder (Havel) - Mit den warmen Temperaturen lauern im Wald, Gebüschen und auf Wiesen wieder die kleinen Blutsauger. Doch in diesem Jahr sorgt vielleicht nicht nur die einheimische Zecke, der Holzbock, für Gefahren: die Hyalomma-Zecke. Experten der Universität Hohenheim in Stuttgart und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen erstmals nach, dass die sogenannten Hyalomma-Zecken aus Afrika und Südeuropa in Deutschland überwintert haben, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) bereits vergangenen Dienstag mitteilte. Wie der Potsdamer Naturschützer und Biologe Kai Heinemann vom Landschaftspflegeverein Potsdamer Kulturlandschaft berichtete, habe er nun die Riesenzecke auch auf Wasserbüffeln bei Töplitz in Werder (Havel) gefunden.

Die Hyalomma-Zecke mit den geringelten Beinen ist viel größer als der einheimische Holzbock.
Die Hyalomma-Zecke mit den geringelten Beinen ist viel größer als der einheimische Holzbock.Foto: Kai Heinemann

Die Zeckengattung Hyalomma stamme aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas, so Heinemann. Sie könne Hitze und Trockenheit sehr gut vertragen. Wegen der kalten Winter kommt die Gattung ursprünglich in Deutschland nicht vor. „Der lange und heiße Sommer 2018 hat scheinbar die Ausbreitung der Art in ganz Deutschland und auch Brandenburg begünstigt“, so Heinemann. Die Zecke sei in ihrer Heimat verantwortlich für die Übertragung gefährlicher Krankheiten, wie etwa das Krim-Kongo-Fieber oder das Arabisch Hämorrhagische Fieber, so Heinemann. Beides sind infektiöse Fiebererkrankungen, die mit Blutungen einhergehen können.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin konnte die Hyalomma-Zecke bereits seit 2017 auch in Deutschland nachgewiesen werden. 19 Exemplare wurden im vergangenen Jahr in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein entdeckt. Davon habe jedoch keine Infektionserreger in sich getragen. In diesem Jahr seien bisher bereits sechs der Riesenzecken entdeckt worden, fünf Stück auf einem Pferdehof am Niederrhein und eine auf einem Pferd in Niedersachsen, wie die Universität Hohenheim (Stuttgart) und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mitteilte.

So kann man die Zecke erkennen

Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts gebe es mindestens 27 Arten der Gattung Hyalomma, die nur schwer zu unterscheiden sind. Die in Deutschland im vergangenen Jahr entdeckten 19 Zecken wurden vom Institut als Hyalomma rufipes und Hyalomma marginatum bestimmt. Die Experten nehmen an, dass die beiden Arten durch Zugvögel nach Deutschland gekommen sind.

Die Hyalomma sei sehr leicht zu erkennen, berichtet Heinemann. Sie sei mit bis zu zwei Zentimetern Länge nahezu dreimal so groß wie der europäische Holzbock. Auch sonst sei die Zecke wegen ihrer braun-gelb gestreiften Beine auffällig. Anders als der heimische Holzbock ist die Hyalomma ein echter Jäger, die nicht auf den Wirt wartet sondern ihn gezielt verfolgt. „Das ’omma’ heißt so viel wie Auge. Sie nimmt ihre möglichen Wirte wie Tiere und Menschen über ihre Augen und chemische Prozesse wahr, und läuft dann agil auf sie zu. Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu zehn Metern und kann sie über mehrere hundert Meter verfolgen“, so Heinemann.

Panikmache sei nicht angebracht

Hat sie sich einmal sattgesogen, könne die Zecke so groß wie ein Fünf-Cent-Stück werden. Dabei verbringe sie bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt, so Heinemann. Die jüngeren Zecken würden besonders kleinere am Boden lebende Säugetiere und Vogelarten bevorzugen. Die erwachsenen Zecken große Säugetiere, vor allem Huftiere, wie Rinder und Pferde. Besonders Pferdebesitzer, Reiter und Viehhalter sollten laut Heinemann daher besondere Vorsicht walten lassen. Denn auch Menschen würden verhältnismäßig oft gestochen werden, so Heinemann.

Panikmache sei laut Heinemann jedoch nicht angebracht. Wegen ihrer ungewöhnlichen Größe und Färbung sei die Zecke leicht zu entdecken. „Schnell wie Speedy Gonzales flitzt sie auch“, so Heinemann. Doch der Mensch sei schneller. Angst müsse man daher keine haben. Wie die Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim der dpa mitteilte, bleibe der einheimische Holzbock in Deutschland weiterhin die dominante Art. Dessen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Hirnhautentzündung) auslösen. Heinemann geht davon aus, dass sich Deutschland aufgrund des Klimawandels, und damit einhergehend steigenden Sommertemperaturen und milderen Wintern, auf die Einwanderung von immer neuen nicht einheimischen Tier- und Pflanzenarten jederzeit gefasst machen müsse. Er weist auf die eigentlich nicht heimische südosteuropäische Bunt- oder Auwaldzecke, die sogenannte Dermacentor reticulatus hin, die er 2007 ebenfalls in der Region nachgewiesen hatte und die sich mittlerweile erfolgreich etabliert hat. (mit dpa)

Darauf sollte man in der Zecken-Zeit achten:

Zecken

Zecken gehören mit ihren acht Beinen zur Familie der Spinnentiere. Nur die wenige Millimeter großen weiblichen Tiere sind Blutsauger. Mit ihrem Speichel können sie nach einem Biss gefährliche Krankheiten auf den Menschen übertragen. Allein beim Gemeinen Holzbock, der in Brandenburg verbreitetsten Zeckenart, konnten 40 verschiedene Viren und 30 unterschiedliche Bakterien nachgewiesen werden. In Brandenburg besteht vor allem die Gefahr einer Infizierung mit der bakteriellen Borreliose. Bei einer Behandlung im Frühstadium mit Antibiotika bestehen gute Heilungschancen. Wird sie zu spät erkannt, kann Borreliose irreparable Schäden wie Lähmungen und Herzerkrankungen nach sich ziehen. Viren lösen die Frühsommer-Hirnhautentzündung (FSME) aus. Brandenburg ist im Gegensatz zu Süddeutschland dafür kein Risikogebiet. Wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte einen Arzt aufsuchen.

Borreliose

Die Krankheit heißt medizinisch korrekt Lyme-Borreliose. Durch den Befall von Gewebe und Organen können vielfältige klinische Symptome hervorgerufen werden: im Anfangsstadium ein fiebriger Infekt, im späteren Stadium unter anderem auch Schmerzen, Lähmungen, neurologische Ausfälle, Herzbeschwerden und chronische Gelenkentzündungen.Die Übertragung der Borrelien braucht zwischen sechs und 48 Stunden.

Die Zecke sollte daher möglichst schnell entfernt werden. Die Zecke darf dabei nicht gequetscht werden, da sonst die Erreger sofort ins Blut gelangen können. Am besten wird die Zecke am Stechapparat mit einer nach vorne gebogenen Splitterpinzette gegriffen und dann gerade herausgezogen. Die Einstichstelle sollte desinfiziert werden. Bei grippeähnliche Symptomen oder Veränderungen der Haut, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. ddp/juf