Teltow : Pläne für neues Wohnheim vorerst zurückgestellt

Nach Protest der Kreistagsmitglieder soll nun zunächst doch kein neues Wohnheim für Geflüchtete in Teltow entstehen.

Das Landratsamt Potsdam-Mittelmark in Bad Belzig.
Das Landratsamt Potsdam-Mittelmark in Bad Belzig.Foto: Eva Schmid

Potsdam - Entgegen erster Ankündigungen des Kreises wird im Dezember noch nicht mit dem Bau eines neuen Wohnheimes für 66 Geflüchtete in Teltow begonnen. Nach Protesten der Kreistagsmitglieder gegen den Standort in der Iserstraße ist die entsprechende Vorlage zunächst zurückgezogen worden. Die Verwaltung wollte zwischen dem Gesundheitszentrum und der Kita Pusteblume Garagen abreißen und bis 2020 – wie berichtet – für 2,4 Millionen Euro ein Wohnheim bauen. Über das Vorhaben soll nun zunächst nicht mehr der Kreistag am 5. Dezember entscheiden, über den Bau eines Wohnheimes mit 170 Plätzen in Bad Belzig jedoch schon. 

Hans-Peter Goetz (FDP).
Hans-Peter Goetz (FDP).Foto: Manfred Thomas

„Der Standort in Teltow hat uns alle verblüfft“, sagt Kreistagsmitglied Hans-Peter Goetz (FDP) aus Teltow. Um auf der kleinen Fläche 66 Menschen unterzubringen, hätte das Gebäude seiner Meinung nach so hoch wie das nahe Gesundheitszentrum werden müssen. Das passe aber nicht in das Viertel, rings herum stünden Einfamilienhäuser. Um weniger hoch zu bauen, würde der Kreis Flächen der Stadt Teltow ankaufen müssen. Diese brauche die Grundstücke jedoch ebenfalls. Zudem besitze der Kreis an der Warthestraße noch ein derzeit leerstehendes Gebäude, in dem bereits übergangsweise Flüchtlinge untergebracht waren. „Es ist nicht ideal, dort fehlen unter anderem Sanitäranlagen“, so Goetz. Aber wenn ohnehin ein Neubau geplant ist, könne der Kreis auch dieses Haus abreißen und dort neu bauen lassen. Die Verwaltung will nun mehrere Optionen prüfen und im kommenden Jahr einen Standortbeschluss fassen lassen.

Eigentlich hieß es, es gebe keine freien Plätze in den bestehenden Unterkünften

Fachbereichsleiter Bernd Schade hatte den PNN den ursprünglich geplanten Baubeginn im Dezember dieses Jahres einst damit begründet, dass es keine freien Plätze in den bestehenden Unterkünften gibt. Der Kreis kann Geflüchtete, die er vom Land zugewiesen bekommt, kaum noch aufnehmen. Ende September lebten 1725 Flüchtlinge in der Mittelmark, 1489 davon waren in den zehn Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

An dem geplanten 5,8 Millionen Euro teuren Neubau einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Belzig auf dem Gelände des bestehenden Wohnheimes hält der Kreis aber fest. Insgesamt soll es dann dort Kapazitäten für 170 Geflüchtete geben. In der Verwaltungsvorlage ist noch immer von einem Baustart im Dezember und einer Fertigstellung Ende 2020 die Rede. Ein Bauantrag ist aber noch nicht gestellt, wie Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert den PNN am Dienstag bestätigte. Damit wolle man natürlich bis nach dem Kreistagsbeschluss am 5. Dezember warten. Hans-Peter Goetz bezeichnete den Zeitplan der Verwaltung als „völligen Quatsch“. Jeder wisse, dass es vom Bauantrag zur Genehmigung einige Zeit dauere. Kreissprecher Schwinzert nannte den Zeitplan „sehr ambitioniert“.

20,55 Monate in Gemeinschaftsunterkunft

In den Gemeinschaftsunterkünften verbringen die Geflüchteten im Landkreis im Durchschnitt 20,55 Monate, wie aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Martin Szymczak hervorgeht. Im Vergleich steht der Kreis noch gut da, in Potsdam sind es nach Auskunft einer Rathaussprecherin derzeit 26 Monate. Kai-Uwe Schwinzert nannte am Dienstag gegenüber den PNN drei Gründe für die Wartezeit: Zum einen gebe es im berlinnahen Raum nicht ausreichend Wohnungen. Zum anderen seien einige Bewohner aber auch nicht gewillt, aus der Gemeinschaft allein in eine Wohnung in einem größeren Wohnblock zu ziehen oder als Familie aus Bad Belzig in einen kleineren Ort des Flämings. Letztlich werde der Umzug auch nur forciert, wenn es eine Bleibeperspektive gebe. Von den 170 Familien, die derzeit in den Gemeinschaftsunterkünften leben, ist das nur bei 44 Prozent der Fall. Alle anderen kommen laut Antwort auf die CDU-Anfrage aus gesicherten Herkunftsländern.


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