Teltow : Kurz vor der Eröffnung: Noch viel am neuen Hafen zu tun

Am 12. Mai soll Teltows Hafen eröffnen, zwei Jahre später als eigentlich geplant. Und noch ist vieles offen.

Der Hafen in Teltow soll am 12. Mai eröffnet werden.
Der Hafen in Teltow soll am 12. Mai eröffnet werden.Foto: Manfred Thomas

Teltow - Fünf Bauarbeiter wuseln am Dienstag auf der Baustelle des Teltower Hafens, sie verkleiden die letzten Stege. Vor dem Becken erstreckt sich ein großer, neuer Parkplatz. Das Gelände wirkt vier Wochen vor Eröffnung allerdings noch grau, karg und ungastlich. Am 12. Mai will Teltow seine Marina einweihen – mit zweijähriger Verspätung. 2012 als Prestigeprojekt für die Stadt gestartet, hat sich der Teltower Hafen nach fünf Jahren Bauzeit inzwischen vor allem zu einem Garanten für Negativschlagzeilen entwickelt. 

Abgespeckte Variante der ursprünglichen Planung

Entstanden ist letztlich nur noch eine Rumpfvariante, aber zum dreifachen Preis: Von 6,8 Millionen Euro stiegen die Baukosten auf mittlerweile 15 Millionen Euro. Zumindest einen Betreiber hat die Stadt nach mehr als vierjähriger Suche nun gefunden. Der Wahlberliner Thomas Klemm hatte eigentlich nur Interesse an einem Winterlager für Boote. Für Klemm gibt es davon viel zu wenige in der Region; der 48-Jährige, der bereits den Seehafen in Wannsee und den Templiner Hafen betreibt, sieht darin großes Potenzial. Da aber die Fläche für das maritime Gewerbe neben dem Hafen nur zusammen mit dem Hafenbetrieb zu haben ist, wurde Klemm zu Teltows neuem Hafenchef. 

Klemm dämpft die Erwartungen

„Man darf nicht den großen Ansturm erwarten“, dämpft Klemm die Erwartungen an die anstehende Eröffnung. Der Hafenbetrieb sei defizitär, um schwarze Zahlen zu schreiben, bräuchte es eigentlich einen Hafen mit mindestens 120 Plätzen. Die Problematik kennt auch die Stadt, jedoch sehen die Fördermittelbestimmungen eine Marina mit 39 Plätzen vor. Daher das Angebot der Stadt an den Betreiber, auch das angrenzende Areal vermarkten zu dürfen. Klemm soll per Untererbbaurecht an die Stadt gebunden werden, der Vertrag, der noch diese Woche unterschrieben werden soll, wird für 15 Jahre mit Option auf Verlängerung geschlossen. Wie viel Geld Klemm der Stadt zahlen muss, wollte er nicht sagen. Zu Vertragsdetails wolle er sich nicht äußern.

So sah die Baustelle im letzten Sommer aus. 
So sah die Baustelle im letzten Sommer aus. Foto: Sebastian Gabsch

Um das Projekt überhaupt stemmen zu können und die neben dem Hafen liegende Gewerbefläche, das Klösters-Areal, von rund 12.000 Quadratmetern zu bebauen, hat sich Klemm mit anderen potenziellen Nutzern zusammengeschlossen. An der gemeinsamen Betriebsgesellschaft ist Klemm mit mindestens 50 Prozent beteiligt. Neben dem Winterlager soll es in Teltow künftig auch einen holländischen Charterbetrieb geben, einen Bootsbauer, einen großen Bootshändler, der Segel- und Motorboote veräußert. Auch der Verkauf von Elektro- und Solarbooten ist geplant. Die ersten Hallen sollen im Herbst gebaut werden, das gesamte Areal werde bis 2023 fertig sein, so Klemm gegenüber den PNN. 

25 Charterplätze geplant

Der neue Hafenbetreiber setzt auf den Charterbetrieb: „Von der Lage her ist Teltow für Dauerlieger nicht optimal.“. Deshalb seien 25 der insgesamt 39 Liegeplätze für Chartergäste vorgesehen. Wassersportler aus dem Ausland schätzten die gute Anbindung an Teltow über die S-Bahn nach Berlin und den nahen Flughafen. Zudem sei das Umfeld für sie in Teltow spannender als in einem Dorf an der Havel. Oft reisten Chartergäste ein bis zwei Tage früher an. Die Gastliegeplätze werden aber trotz des Charterbetriebs nicht dauerbelegt sein, betont Klemm. Die Chartergäste legten nur zwei Mal in der Woche im Hafen an – bei Bootsannahme und -abgabe. Um noch mehr aus dem Hafen herauszuholen, plant Klemm gemeinsam mit der Stadt den Einbau eines größeren Travellifts. Mit dem sollen Boote mit einem Gewicht von bis zu 45 Tonnen ins Wasser gehoben werden, „das ist ein Alleinstellungsmerkmal“. 

Am Tag der offenen Baustelle im August gab es Informationen für Besucher.
Am Tag der offenen Baustelle im August gab es Informationen für Besucher.Foto: Manfred Thomas

Doch der Bootskran wird, wie so vieles andere, bis zur Eröffnung am 12. Mai noch nicht fertig sein. Teltows Marina startet provisorisch: Der Hafenmeister ist in einem Container untergebracht, ebenso die Toiletten. Noch immer hat die Stadt keine Freigabe vom Landesumweltamt, um das Hafenbecken nutzen zu dürfen. Die wasserrechtliche Bauabnahme soll am 7. Mai stattfinden – fünf Tage vor Eröffnung. Bis dahin muss Teltow noch die benötigten Unterlagen zusammenstellen, heißt es aus der Behörde. 
Wann das Hafengebäude mit Gastronomie entstehen wird, ist ebenfalls weiterhin offen. Die Stadt sucht erneut nach einem Investor. Doch die Zeit drängt. Denn sollte Teltow im Herbst ohne einen Geldgeber dastehen, müsste die Stadt aufgrund der Fördermittelbestimmungen das Gebäude selbst errichten. Die Kosten für den Bau werden von der Stadt auf 1,7 Millionen Euro geschätzt. Das geht aus einer Antwort der Stadt auf eine Anfrage der Fraktion Linke/Umweltaktive/BFB/Piraten hervor. Eine Entscheidung dazu soll im Herbst fallen. Die Stadt betont, dass es Interessenten für das Hafengebäude gebe. 

Kostenentwicklung bleibt ein Streitpunkt

Warum die Kosten so sehr aus dem Ruder gelaufen sind, warum die Stadt die hohen Mehrkosten für die Altlastensanierung nicht hätte früher absehen können, bleibt weiterhin Streitpunkt. Die Stadtverordneten hatten ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Fehler während des Bauablaufes auflisten sollte. Das Dokument bleibt aber unter Verschluss. Aus Datenschutzgründen, wie es heißt.
Das verärgert viele Teltower. „Das bleibt ein ewiges Bauwerk“, sagt der Teltower Christoph Kirchner am Dienstag auf dem nahen Wochenmarkt. Auch ein älterer Mann neben ihm kritisiert das Projekt mit Blick auf die Kosten als „der reine Wahnsinn“. Teltow brauche eine Schwimmhalle, keinen Hafen. 

Eine junge Mutter befürchtet, dass die Teltower von ihrem Hafen wenig haben werden. Sie spricht von falscher und überdimensionierter Planung. Eine andere Einwohnerin hofft, dass durch die Wassersportler etwas mehr Leben in die Stadt kommt.