Teltow : Kein sicherer Hafen

Die Kosten für den Teltower Hafenneubau sind explodiert - und auch die weiteren Aussichten sind nicht besonders positiv: Die Arbeiten geraten wieder einmal ins Stocken und es drohen Probleme mit dem Grundwasser.

Was lange währt, wird gut? Zumindest beim geplanten Teltower Hafen sind sich die Stadtverordneten dort längst nicht mehr so sicher. Jetzt droht auch noch neues Ungemach durch das Grundwasser. Es besteht die Gefahr, dass die angrenzende Oderstraße überspült und beschädigt wird.
Was lange währt, wird gut? Zumindest beim geplanten Teltower Hafen sind sich die Stadtverordneten dort längst nicht mehr so...Foto: Sebastian Gabsch

Teltow – Nachdem Altlasten zu deutlich höheren Kosten und zeitlichen Verzögerungen beim Bau geführt haben, sind im Teltower Hafen nun auch die weiteren Arbeiten ins Stocken geraten. Für das Restaurant und Hafenmeisterbüro gibt es noch kein grünes Licht, zudem drohen Probleme mit dem Grundwasser.

Es kann viel schiefgehen - bis hin zur Auflösung des Unterbaus der Straße

Nachdem bis Ende Januar rund 400 Rüttelstopfsäulen in die Erde gebracht worden sind, um den Boden zu stabilisieren, muss nach Angaben der Stadtverwaltung das dahinter angestaute Grundwasser abgesenkt werden, damit es nicht auf die angrenzende Oderstraße gespült werde und dort die Straße schädigt. Dazu sollen Tiefendrainagen in den Boden gebracht werden. Welche Auswirkungen die aktive Grundwasserabsenkung darüber hinaus habe, soll ein weiteres Gutachten klären, das auch ein umfassendes Monitoring beinhalten soll. „Wir müssen wissen, wie sich das Wasser verhält“, erklärte Grünen-Politiker Eberhard Adenstedt, der unter anderem ein solches Gutachten gefordert hatte, jetzt den PNN. „Es kann viel schiefgehen“, warnte er. Bis hin zur Auflösung des Unterbaus der Straße.

Zunächst muss sich der Boden aber noch konsolidieren, erklärte Stadtsprecherin Andrea Neumann. Etwa Mitte März würden weitere Untersuchungen des Baugrunds zeigen, ob die Arbeiten fortgesetzt werden können. Sobald die gewünschten Verbesserungen eingetreten sind, werde zunächst damit begonnen, die Stegrohre einzubringen. Zudem werde die Böschung an der Oderstraße gebaut, auf der später die Aussichtsplattform mit den Sitzterrassen errichtet wird.

Wichtiges Gutachten lässt auf sich warten

Indes sorgt auch das geforderte Gutachten zur Untersuchung der Vorgänge beim Hafenbau, mit dem der unabhängige Sachverständige Rainer Enßlin im vergangenen Herbst betraut worden war, für weiteren Ärger. Der Berliner Geologe sollte herausfinden, warum es zu den exorbitanten Kostensteigerungen seit Baubeginn gekommen war und wer gegebenenfalls dafür zur Verantwortung zu ziehen ist. Doch statt für Klarheit sorgt das ausbleibende Schriftstück nun für weitere Spekulationen. „Es müsste doch endlich ein Ergebnis geben“, sagte etwa der Stadtverordnete Andreas Wolf (BfB). Und auch dem Grünen-Politiker Eberhard Adenstedt fällt es schwer, die Verzögerungen nachzuvollziehen. „Dass so viel Geld verschleudert wird, darf nicht noch einmal passieren“, mahnt er.

Laut dem Antrag, den die Teltower Fraktion aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen im Mai vergangenen Jahres in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hatte, sollte das Gutachten bereits Ende 2016 vorliegen. Doch auch mehr als zwei Monate nach Fristende gibt es kein abschließendes Ergebnis. „Ich bin nicht glücklich mit der Situation“, sagte deshalb auch Antragsteller Ronny Bereczki. Er hätte sich zumindest einen Zwischenbericht gewünscht. Besonders irritierend empfinde er aber, dass die Stadtverwaltung den Sachstand gegenüber den Stadtverordneten erkläre, nicht aber der Gutachter selbst. Nicht zuletzt betreffe der Prüfauftrag ja auch die Verwaltung, sagte Bereczki.

Gegenüber den PNN begründete Gutachter Rainer Enßlin die zeitlichen Verzögerungen mit der Größe des Projekts. Es gäbe viele Wissensträger und immer wieder neue Erkenntnisse. Die neu eingehenden Informationen müssten „gecheckt und ausgewertet werden“, erklärte er. Mehr wollte er allerdings nicht sagen und verwies an die Stadtverwaltung, die jedoch ebenfalls zu den bisherigen Erkenntnissen schweigt. Ob die Kommune erste Regressforderungen gegenüber früheren Auftragnehmern prüfe, blieb zudem unbeantwortet. Auch von den früher am Hafenbau beteiligten Firmen gibt es dazu kaum Auskünfte: „Es wäre schlechter Stil, mit Fachfragen über die Presse zu gehen“, sagte lediglich einer der betroffenen Unternehmer.

Kosten von 4,9 auf 14 Millionen Euro geklettert

Wie berichtet waren die Kosten für den Bau der Marina von ursprünglichen 4,9 Millionen Euro auf aktuell 14 Millionen Euro geklettert. Ursache waren zusätzlich angefallene Bodenuntersuchungen und unvorhergesehene Altlasten, die beseitigt werden mussten. Im Raum steht die Frage, ob man dies nicht hätte früher erkennen können, gar müssen.

Die Probleme mit dem Boden hatten auch dazu geführt, dass das Hafenbecken entgegen früherer Planungen verschoben werden musste. Aus diesem Grund hatte die Stadt Teltow schon vor Baubeginn im Juni 2014 zusätzlich eine rund 700 Quadratmeter große Fläche neben dem bereits geplanten Areal von der Firma Klösters Baustoffwerke als bisherigem Grundstückseigentümer angekauft. Auf diesem sollen nun neben dem Büro- und Restaurantgebäude ein Spielplatz mit maritimen Spielgeräten, Grünflächen und zusätzliche Parkplätze entstehen. Wie Landkreissprecher Kai-Uwe Schwinzert bestätigte, liege der Bauaufsicht ein entsprechender Bauantrag vor. Weil sich Teile des Grundstücks aber im Landschaftsschutzgebiet Parforceheide befinden, benötige Teltow für den Bauplan die Zustimmung des Landesumweltministeriums, sagte er. Konkret ginge es dabei um den geplanten Parkplatz, erklärte ein Ministeriumssprecher. Zum Ausgang des Verfahrens könne er derzeit aber noch nichts sagen.

Offen ist auch, wer letztlich den Gastronomie- und Bürobau baut. Um Kosten einzusparen, hatte Teltow wie berichtet nach einem Investor gesucht, der anstelle der Kommune das Gebäude errichtet. Inzwischen ist das Verfahren zur Interessensbekundung abgeschlossen und wird laut Stadtverwaltung ausgewertet. Ob und wie viele Interessenten es gibt, wollte die Stadt auf Nachfrage nicht sagen.

 

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Noch ist es nicht zu spät, umzusteuern. Ein Großteil des schon ausgegebenen Geldes ging in die Bodensanierung, die auf dem früheren Industriegelände wohl für sämtliche Neubauten nötig gewesen wäre. Jetzt sollte man nach attraktiven Alternativen suchen, die auch Besucher anlocken. Ein Kommentar >>

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