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Straßenbau in Teltow : Eichen an Ruhlsdorfer Straße werden gefällt

Der BUND hat Widerspruch gegen die drohende Fällung von 50 Eichen in der Ruhlsdorfer Straße eingelegt, doch die Fällungen haben bereits begonnen. Jetzt soll das Verwaltungsgericht die Kettensägen stoppen. 

Baumfällung an Eichenallee in der Ruhlsdorfer Straße.
Baumfällung an Eichenallee in der Ruhlsdorfer Straße.Foto: privat

Teltow - Die Straße ist abgesperrt, es knackt und kracht: Am heutigen Donnerstagmorgen haben die Fällungen der Alleebäume in der Ruhlsdorfer Straße begonnen. Der Landesbetrieb Straßenwesen, der für die Teltower Ortsdurchfahrt L 794 zuständig ist, hat seit heute Teile der Ortsdurchfahrt bis Anfang Februar gesperrt. Die Straße soll wie berichtet von 6,50 Metern auf 10,5 Metern ausgebaut werden, es sollen Fuß- und Radwege entlang der Straße entstehen. Deshalb müssten die Bäume fällen, heißt es vom Landesstraßenbetrieb.

BUND will einstweilige Verfügung vor Gericht erwirken

Die Naturschutzverbände indes sind dagegen, noch am Mittwoch versuchte der BUND die Fällung von rund 50 Bäumen, davon die meisten mehr als 100 Jahre alte Eichen, zu stoppen. Er hat am Mittwoch Widerspruch beim zuständigen Landesstraßenbetrieb eingelegt. „Bis über den Widerspruch entschieden ist, fordern wir die Aussetzung der Fällungen“, sagte Naturschützer Axel Heinzel-Berndt. Da der Landesstraßenbetrieb darauf offenbar nicht reagiert, will der BUND im Laufe des Tages versuchen, eine einstweilige Verfügung vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht erwirken. "Jetzt kommt es auf jede Minute an", so Heinzel-Berndt. 

Der BUND sowie andere Naturschutzverbände hatten im Planungsverfahren ihr Einvernehmen nicht erteilt. Die Bauarbeiten im südlichen Teil der Straße sind seit Langem geplant, die Stadt Teltow hatte nach jahrelangen Diskussionen bereits vor etlicher Zeit grünes Licht für die Fällungen gegeben. 

Baumfällungen in der Ruhlsdorfer Straße in Teltow.
Baumfällungen in der Ruhlsdorfer Straße in Teltow.Foto: privat

Alleebäume sollen für Straßenausbau fallen

Wie berichtet will der Landesstraßenbetrieb nach dem Ausbau des nördlichen Teils der Ruhlsdorfer Straße vor rund drei Jahren, jetzt den südlichen Teil angehen. Auch dort soll die Straße von bisher 6,5 Metern auf 10,5 Metern erweitert werden, links und rechts der Straße sollen Gehwege entstehen. Bisher ist dort nur ein unbefestigter Gehweg, den Schüler für ihren Schulweg nutzen. Die Stadt Teltow hat dem Vorhaben bereits grünes Licht gegeben. 

Gefällt werden sollen jetzt 50 Bäume, davon 26 Alleebäume, sagte Frank Schmidt vom Landesstraßenbetrieb. Im Gegenzug werde man für die insgesamt gefällten Bäume 177 neue im Umkreis als Ausgleich anpflanzen. 

Dringlichkeitsantrag abgelehnt

Auch Stadtpolitiker haben am Mittwochabend noch versucht, das Vorhaben aufzuhalten - und sind mit einem knappen Beschluss gescheitert. Mit 13 Ja, 16 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Dringlichkeitsantrag

der Fraktion Grüne/Linke und des Stadtverordnete Eberhard Adenstedt (GUT für Teltow) abgelehnt. Darin wurde Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) aufgefordert, "umgehend darauf hinzuwirken, dass die unmittelbar bevorstehende Fällung der Eichenallee und der anderen Straßenbäume an der Ruhlsdorfer/Teltower Straße ausgesetzt wird". 

Mit dem Landesbetrieb sollten Planungsalternativen für den Straßenbau geprüft werden, um die ökologisch wertvollen und das Ortsbild prägenden Bäume zu erhalten, heißt es in dem Antrag. "Auch das Artenschutzgutachten ist aus unserer Sicht nicht ausreichend", so Grüne-Fraktionsvorsitzende Anna Sophie Emmendörffer. 

Sicherer Schulweg oder schöne alte Bäume?

Für den Ausbau der Straße und die damit einhergehenden Fällungen stimmten unter anderem SPD, CDU und die Fraktion FDP/LTR. "Das ist eine klare Entscheidung für die Verkehrssicherheit", sagte Sören Kosanke (SPD). Der Wunsch nach einer besseren Verkehrssituation, besonders für Fußgänger und Radfahrer, die bisher auf dem unbefestigten Gehweg entlang der Straße unterwegs waren, bestehe bereits seit 13 Jahren. "Es geht nicht darum, dass die Bäume noch gesund sind, sie stehen an der falschen Stelle, da mus Platz sein für die Sicherheit der Bürger." Kosanke wie auch FDP-Stadtverordneter Hans-Peter Goetz betonten, dass die Verbindung zwischen Teltow und Ruhlsdorf ein wichtiger Schulweg sei. Auf der Straße wird in den kommenden Jahren mit mehr Autoverkehr gerechnet, aber auch mehr Schüler werden von Ruhlsdorf Teltows Schulen ansteuern, so Goetz. Auch ihm sowie Kosanke tue es weh, wenn alte Eichen fallen müssen, "aber die Schulwegsicherheit ist mir wichtiger", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende. 

Bürgerinitiative sammelte 1000 Unterschriften zum Erhalt

Gegen die Fällungen hat sich wie berichtet auch eine Bürgerinitiative gegründet. Die Initiative "Ruhlsdorfer Eichenallee" hat in einer Petition gegen das Vorhaben knapp 1000 Stimmen gesammelt, genützt hat das bisher nichts. Ein Unterstützer der Initiative ist Eberhard Adenstedt (GUT für Teltow), er hatte am Dienstag Akteneinsicht genommen. "Herr Schmidt sagte uns gegenüber, dass ein Großteil der Bäume durch Pilze und andere Bakterien geschädigt sei und nicht mehr länger als fünf Jahre stehen würden", so Adenstedt gegenüber den PNN. Das Gutachten, das er in den Akten gesehen hätte, habe jedoch ein anderen Schluss gezogen, demnach seien viele Bäume noch vital, mit einer prognostizierten Standdauer von 15 bis 20 Jahren. Ärgerlich sei auch, dass Schmidt, so Adenstedt weiter, erkläre, dass der Straßenausbau aufgrund des zunehmenden Verkehrs erfolgen müsse. "Die Bürger wollen aber nicht noch mehr Autos und Lastwagen vor ihren Türen vorbeifahren sehen." Schmidt hingegen sagte gegenüber den PNN, dass mehr Verkehr nicht sein Wunsch wäre, sondern sich aus den vielen noch zu bebauenden Gebieten in Teltow ergeben würde.