Stichwahl in Werder : Manuela Saß bleibt Bürgermeisterin

Die Wähler:innen in Werder haben die CDU-Politikerin bei der Stichwahl für weitere acht Jahre im Amt bestätigt. Die Wahlbeteiligung war niedrig. 

Anna Kristina Bückmann
Alte und neue Bürgermeisterin Manuela Saß in Werder. 
Alte und neue Bürgermeisterin Manuela Saß in Werder. Foto: Manfred Thomas

Werder - Es war ein kollektives Warten und für viele CDU-Politiker:innen in Werder war es auch ein großes Bangen – dann war das Ergebnis bekannt: Mit 54,8 Prozent wurde die amtierende Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) erneut ins Amt gewählt. Bei der Stichwahl am Sonntag erhielt die CDU-Politikerin 4609 Stimmen. Gegenkandidatin Anika Lorentz (parteilos) holte 45,2 Prozent (3799 Stimmen). „Es ist ein guter Tag für Werder, es ist ein guter Tag für uns“, sagte Gewinnerin Saß vor dem Colonial Café in Werder. Das Ergebnis sei ein „deutlicher Sieg“. 

Vor dem Colonial Café in Werder, wo die CDU-Wahlparty stattgefunden hatte, herrschte Partystimmung, als die Auszählung des letzten Wahllokals auf den Handy-Bildschirmen auftauchte. Es wurde gejubelt und Beifall geklatscht, eine lange Umarmung erhielt Saß von Werders Erstem Beigeordneten Christian Große, der den Abend über seine Augen kaum vom Handy ließ. 

„Das ist schon ein emotionaler Moment“, sagte Große. „Wir durften uns vieles anhören, wie ’wir sind doch alle korrupt’. Wir haben einen schwierigen Wahlkampf gehabt“, sagte er. Es sei Fakt, dass das heute „eine enge Kiste“ geworden sei. Die CDU habe eine Vision, diese müsse sie den Werderanern wieder klarer machen. 

Bürgermeisterin Manuela Saß mit ihrem Ersten Beigeordneten Christian Große und dessen Vater und ihrem Vorgänger, Werner Große (v.l.)
Bürgermeisterin Manuela Saß mit ihrem Ersten Beigeordneten Christian Große und dessen Vater und ihrem Vorgänger, Werner Große...Foto: Manfred Thomas

Langzeit-Bürgermeister und Saß' Vorgänger Werner Große (CDU) sagte, es sei ein anstrengender Tag gewesen. Er habe auf der Autobahn aufpassen müssen, nicht irgendwo draufzufahren. An Wahlverliererin Lorentz ließ er kein gutes Haar. In seinen Augen wäre es das Schlimmste gewesen, was Werder hätte passieren können, „hätte diese Frau hier etwas zu sagen gehabt“. 
Mit der Wiederwahl von Saß geht die Ära der CDU an der Spitze der Verwaltung in der Blütenstadt weiter. Seit mehr als drei Jahrzehnten regieren die Christdemokraten inzwischen in Werder. Werner Große hatte 1990 den Bürgermeisterposten übernommen. 2014 gab er ihn an seine Wunschnachfolgerin Saß ab. 

Deutlicher Verlust

Seit 2014 ist die 56-jährige Saß Bürgermeisterin. Bei der vorherigen Wahl vor acht Jahren holte sie im ersten Anlauf mit fast zwei Drittel der Stimmen (64,9 Prozent). Das Ergebnis jetzt war damit auch ein Verlust von mehr als zehn Prozentpunkten. Damals wurde Saß von der SPD unterstützt. Die Sozialdemokrat:innen hatten bei dieser Wahl aber mit Anja Spiegel ihre eigene Kandidatin. Saß wurde von der FDP, den Freien Bürgern Werder und dem Bürgerbündnis Töplitz unterstützt. Lorentz hatte die Grünen und den Verein Stadtmitgestalter hinter sich. Im ersten Wahlgang holte Saß 43,3 Prozent. Gewählt wird das Amt für acht Jahre. 

Anika Lorentz, parteilose Kandidatin, ging als Verliererin aus der Stichwahl.
Anika Lorentz, parteilose Kandidatin, ging als Verliererin aus der Stichwahl.Foto: Manfred Thomas

Lorentz selbst sagte: „Ich gratuliere Saß zur Wiederwahl.“ Sie hätte sich gleichwohl eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht. Sie werde Saß daran erinnern, dass 45,2 Prozent in Werder eine Veränderung wollen. „Das ist mein Auftrag.“

Die Wahlbeteiligung war indes bescheiden. Werder zählte 22.516 Wahlberechtigte – eine Wahlbeteiligung von nur 37,7 Prozent. Schon im ersten Wahlgang am 12. Juni wählten weniger als die Hälfte der Werderaner (45,4 Prozent). 

„Es ist ganz, ganz traurig, gerade in so einer Stadt, wo man mit seiner Stimme mitbestimmen kann“, sagte Saß. Unruhe war der CDU-Politikerin bei der Auszählung der Wahllokale anzumerken. Immer wieder stand sie auf, wechselte vom Tisch ihrer Parteikollegen zu dem ihrer Familie, steckte sich eine Zigarette an. „Morgen schlafe ich erst einmal aus“, sagte sie nach dem Wahlsieg. Dann wolle sie sich bei den vielen Wahlhelfern bedanken. 

Anschließend gehe die normale Arbeit weiter. „Erst einmal werde ich dafür sorgen, dass wir in der Stadtverordnetenversammlung wieder zu ordentlicher sachbezogener Arbeit auf Fachverstand kommen“, so Saß. 

Bildung, Verkehr und Bauthemen

Auf die 56-Jährige warten viele Aufgaben. Die Stadt wächst weiter und braucht Kita- und Schulplätze. Daneben steht der Bau des Tunnels am Bahnhof aus. Erneuerbare Energien und der Verkehr sind ebenfalls wichtige Themen für die Havelstadt. Saß hat sich die Bildung auf die Fahne geschrieben. Die CDU unterstützt den Bau des Bildungscampus der Hoffbauer Stiftung. Daneben geht es ihr um das Thema Bauen – zum Beispiel mit der Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) am Finkenberg. Saß möchte aber auch, dass neue Eigenheime in den Ortsteilen möglich bleiben. 
Es war zur Stichwahl gekommen, weil Saß im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Stimmenmehrheit auf sich vereinen konnte. Denn dafür sind mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen nötig, sofern diese Mehrheit mindestens 15 Prozent der wahlberechtigten Personen umfasst.

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