Stahnsdorfer Euro-Kritiker : Austritt aus der AfD

Der Stahnsdorfer Christian Kümpel kritisiert, dass Ex-Mitglieder von DVU und Linken das Sagen hätten. Besonders die Asyl- und Flüchtlingspolitik der rechtspopulistischen Partei stößt ihm auf.

Henry Klix
Tritt heute aus: Christian Kümpel.
Tritt heute aus: Christian Kümpel.Foto: es

Stahnsdorf - Im Mai war Christian Kümpel als erster AfD-Kandidat in das Stahnsdorfer Gemeindeparlament eingezogen, auch einen Sitz im Kreistag hatte er sich sichern können. Vier Monate später bricht er mit der Partei der Euroskeptiker: Am heutigen Montag, so kündigte es der 52-Jährige am Wochenende gegenüber den PNN an, wolle er austreten. „Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass die AfD nicht die Partei ist, die die richtigen Antworten auf die Herausforderungen hat, denen sich Deutschland stellen muss“, teilte Kümpel mit. Der Sprachlehrer ist vor allem über die Asyl- und Flüchtlingspolitik enttäuscht.

Deutschland sei ein Einwanderungsland, daher sollte auf Integration statt Ausgrenzung gesetzt werden. „Wenn meine Vorstellungen in Bezug auf Einwanderung nicht realistisch sein sollten, so ist die Vorstellung der AfD, dass Frauen in Deutschland mehr Kinder bekommen werden, wenn man die richtige Politik macht, geradezu lächerlich.“ Nicht wenige AfD-Leute in Brandenburg würden das „Soziale mit dem Nationalen“ verbinden wollen. Die ärmeren Deutschen würden ins Feld geführt, um Linken und Rechtsextremen Stimmen abzujagen. „Bloß geht es diesmal nicht gegen die Reichen, wie es gerne die Linken machen, sondern gegen die Ausländer.“

Auch die Kritik der AfD an der Griechenlandhilfe verurteilt er: „Es heißt immer, es gehe auf Kosten ärmerer Deutscher.“ Dazu passe der Vorschlag des AfD-Landesvorsitzenden Alexander Gauland, ein Verteilerzentrum für Flüchtlinge in Elbe-Elster zu stoppen, um dort ärmeren Deutschen Urlaubsmöglichkeiten zu bieten. Das mache aus der AfD eine Neider-Partei. Die Wahlversprechen bezeichnete Kümpel als Populismus.

In der Partei hätten ehemalige Mitglieder der DVU, der Linken, der Parteien „Die Freiheit“ und „Bund freier Bürger“ das Sagen. „Die Ausrichtung der AfD erklärt sich auch aus den Haltungen dieser Parteien zum Islam, zur Einwanderung, zu diesem Staat oder dieser Form der Demokratie.“ Liberale Kräfte hätten wenig zu sagen und seien lediglich das Feigenblatt, so Kümpel.

Den Vorschlag der AfD, bei der Einrichtung neuer Flüchtlingsheime und beim Bau neuer Moscheen Volksentscheide zuzulassen, kritisierte der Stahnsdorfer scharf. Das, so Kümpel, würde bedeuten, dass es auch bald keine Windkrafträder oder ein Atomendlager geben würde, weil die Menschen vor Ort dagegen stimmten. „Aus unserer Republik wird so ein Staat für Gartenzwerge.“

Kümpel, der seit einem Jahr bei der AfD ist, hatte sich selbst als bereits „sozialliberalen Außenseiter“ seiner Partei bezeichnet. Kommunalpolitisch interessiert ihn besonders die Asylpolitik: Er setzt sich für bessere Bedingungen für die Teltower Flüchtlinge ein und will, dass auch die Asylbewerber, die ab Dezember nach Stahnsdorf kommen, sich dort wohlfühlen.

So fordert er, dass Sprachkurse von der Gemeinde bezahlt werden. Zudem will er mit jungen Studenten der Freien Universität, die sich, wie er einst, als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache ausbilden lassen, eine Zusammenarbeit initiieren. Die Studenten könnten umsonst in Stahnsdorf unterrichten und so Erfahrung in der Praxis sammeln. Kümpel: „Wenn Migranten, wie ich es beruflich erlebe, nach 20 Jahren in Deutschland praktisch kein Deutsch sprechen und sich nicht für unser Land interessieren, dann darf man schon fragen, was da schiefgelaufen ist, natürlich auch von deutscher Seite.“

In die AfD eingetreten sei er in erster Linie wegen der kritischen Haltung zum Euro. „Die AfD hat durchaus nicht Unrecht, wenn sie meint, dass es falsch war, verschiedenen Ökonomien in Europa in ein gemeinsames Währungssystem zu zwängen.“ Kümpels Ziel war es gewesen, „die Partei weltoffener zu machen.“ Damit hatte er offenbar wenig Erfolg. Wie es für den Stahnsdorfer Gemeindevertreter, der mit der CDU eine Fraktion gebildet hat, nun kommunalpolitisch weitergeht, ist offen. Eva Schmid, Henry Klix

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