• Stahnsdorf will schnell handeln: Bogenschützen stehen für Wildschwein-Jagd bereit

Stahnsdorf will schnell handeln : Bogenschützen stehen für Wildschwein-Jagd bereit

Die oberste Jagdbehörde signalisierte, dass die Bogenjagd auf Wildschweine in Stahnsdorf schon bald beginnen könnte.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Stahnsdorf - Stahnsdorf könnte deutschlandweit tatsächlich die erste Gemeinde sein, in der mit Pfeil und Bogen gejagt wird. Das jedenfalls hat sich auf einer Konferenz zum Thema Wildschweine in Kleinmachnow abgezeichnet. Stattgefunden hatte die Runde, besetzt mit Wissenschaftlern und Mitarbeitern der Unteren und Oberen Jagdbehörde sowie Jägern und Verwaltung, am späten Dienstagabend. Eingeladen hatten Stahnsdorf und Kleinmachnow. Der Grund: Seit Wochen nimmt vor allem in Stahnsdorf der Ärger mit Wildschweinen überhand. Die Gemeinde hat mit ihrem Wildtierproblem sogar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Dass jetzt eine Lösung für die Wildschweinplage bevorstehe, signalisierte der für Kleinmachnow und Stahnsdorf zuständige Jagdpächter Peter Hemmerden: „Die Obere Jagdbehörde steht der Jagd mit Pfeil und Bogen sehr aufgeschlossen gegenüber.“ Derzeit würde nur noch vom zuständigen Landwirtschaftsministerium geprüft werden, ob die Bogenjagd mit den deutschen Tierschutzrichtlinien vereinbar sei. Wann die Obere Jagdbehörde grünes Licht geben könnte, blieb am Mittwoch auf Anfrage noch offen. Klar indes ist allen Beteiligten, schnell zu handeln und mit einem von Stahnsdorf aufgestellten Maßnahmenkatalog demnächst zu starten. Wie berichtet sieht dieser unter anderem vor: die Etablierung der Bogenjagd, einen Stadtjäger einzustellen, Lebendfallen zu nutzen sowie Abschussprämien an die Jagdpächter zu zahlen.

Jagdpächter gegen Sauenfänge

Zur Fallenjagd, so Jagdpächter Hemmerden, sei auf der Konferenz unter den Fachleuten kontrovers diskutiert worden. Während das Land die Sauenfänge für geeignet und als effektive Methode im Kampf gegen die Wildschweine erachtet, bleibt Jagdpächter Hemmerden nach wie vor skeptisch. Das gleiche einem Exekutionskommando, sagte er gegenüber den PNN. Er habe seit Jahren für eine verantwortungsbewusste Jagd geworben: „Ich glaube, in einem Fallengebiet könnte man einige Menschen sehr wütend machen.“

Jagdpächter Peter Hemmerden
Jagdpächter Peter HemmerdenFoto: Tobias Reichelt

Damit zielt er auf all diejenigen ab, die mit den Wildschweinen weniger Probleme haben. So komme aus Kleinmachnow, das bereits seit Jahren mit umgewühlten Gärten zu tun habe, derzeit viel weniger Druck, an der Lage etwas zu ändern. Und tatsächlich: Die Meldungen zu den Vorfällen zeigen, dass der Schwerpunkt der Plage in Stahnsdorf liegt. Das zumindest berichteten die Mitarbeiter aus der dortigen Verwaltung. Im Kleinmachnower Rathaus indes würden sich die Beschwerden in Grenzen halten, zumindest seien es viel weniger als noch vor einigen Jahren. Insgesamt, so die Einschätzung Hemmerdens, sei die Fachrunde „sehr konstruktiv gewesen“, so Hemmerden.

Strafen für Fütterung

Kleinmachnow und Stahnsdorf planen zur Reduzierung der Population – so ein Ergebnis der Konferenz - die Strafen für die unerlaubte Fütterung von Wildschweinen mit Speisen und Speiseresten drastisch zu erhöhen. Auf dem Maßnahmenplan stand zudem, dass ein Stadtjäger eingestellt werden soll. Dessen Rolle sieht Jagdpächter Hemmerden aber als schwierig an. Wenn überhaupt, dürfte er nur auf kommunalen und nicht auf den Pachtflächen der Jagdgenossenschaft unterwegs sein. Hemmerden wies erneut den Vorwurf von sich, dass er und seine Kollegen zu wenig unternehmen würden. „Auch ein Stadtjäger wird das Problem nicht sofort lösen können.“

Indes stehen schon viele interessierte Pfeil- und Bogenschützen in den Startlöchern, um bei einer Freigabe in Stahnsdorf Wild zu erlegen. Denn in 17 europäischen Ländern wie etwa Spanien und Frankreich, ist diese Art zu jagen erlaubt. Stahnsdorf hat bereits mehrere Anfragen von interessierten Jägern bekommen. Auf der Konferenz wurde zudem, zusammen mit dem Deutschen Bogenjagdverband (DBJV), festgelegt, dass es demnächst für interessierte Jäger einen rund einwöchigen Kurs für die Bogenjagd geben soll. Darin gehe es um den Umgang mit diesem Jagdwerkzeug: In einer theoretischen und praktischen Prüfung am Ende des Kurses könnten Jäger sich dann qualifizieren, hieß es.

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