Stahnsdorf : Wählergruppe Bürger für Bürger seit 25 Jahren dabei

Die Freie Wählergruppe Bürger für Bürger trat einst an, um einen Stahnsdorfer Jugendclub zu retten. Heute ist sie in der Gemeindevertretung die stärkste Fraktion.

Seit zwei Legislaturperioden stellt die Wählergruppe Bürger für Bürger mit Bernd Albers den Bürgermeister in Stahnsdorf.
Seit zwei Legislaturperioden stellt die Wählergruppe Bürger für Bürger mit Bernd Albers den Bürgermeister in Stahnsdorf.Foto: Johanna Bergmann

Stahnsdorf - Zuerst wurden sie belächelt, dann bekämpft: Vor 25 Jahren trat die Stahnsdorfer Wählergruppe Bürger für Bürger (BfB) das erste Mal bei einer Kommunalwahl an. "Kaum jemand glaubte damals, dass wir uns lange halten werden", erklärte deren Sprecher Gerold Maelzer den PNN. Doch ein Vierteljahrhundert später existiert die Gruppierung immer noch. Mit knapp 30 Prozent der Wählerstimmen stieg sie 2008 sogar zur stärksten Fraktion in der Gemeindevertretung auf und hielt sich dort. Seit zwei Legislaturperioden stellt sie mit Bernd Albers zudem den Bürgermeister der Gemeinde.

Junge Leute wollten ihren Jugendclub retten

Es ist die Erfolgsgeschichte einst junger, engagierter Leute, die zunächst nichts anderes wollten, als ihren Jugendclub zu retten, erzählt Maelzer. Seit 1986 leitete der heute 53-Jährige den unter dem Namen "DT 64" in die Geschichte eingegangenen Club in der Stahnsdorfer Wannseestraße. Als in den 1990er Jahren Überlegungen aufkamen, den Jugendtreff zu schließen, rebellierte er. Rund zwei Dutzend Anhänger fanden sich zusammen, die zunächst versucht hätten, in der Gemeindevertretung Unterstützer zu finden, so der gelernte Sozialarbeiter. Weil dies nicht wie gewünscht gelang, habe die Gruppe die Möglichkeiten genutzt, die nach der politischen Wende mit der Demokratie Einzug gehalten hatten, und sich 1993 als Freie Wählergruppe formiert, erzählt er. Maelzer, der heute das Jugendausbildungszentrum JAZ in Berlin-Zehlendorf leitet, wurde zum Sprecher gewählt und blieb dies über die Jahre. Auch Bürgermeister Bernd Albers gehörte zu den Gründungsmitgliedern.

Wahlkampf mit minimalem Aufwand

Die Gruppe agierte mit minimalstem Aufwand. Mit 300 ausgedruckten DIN-A4-Werbeblättern habe sie damals den Wahlkampf bestritten, so Maelzer. Auch heute erhebt die Wählergruppe keine Mitgliedsbeiträge und finanziert sich über Kleinstspenden. Sie sei offen für jeden, der sich für den Ort oder ein bestimmtes Thema engagieren will, erklärt der BfB-Sprecher. Statt politischer Karriere stünden die kommunalen Belange im Vordergrund, sagt er.

Den Jugendclub konnte die Gruppe noch über einige Jahre retten, dann zog dort eine Waldorfkita ein. Das soziale Engagement blieb. Die Freien Wähler setzten sich im weiteren dafür ein, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Flächen für das Vereinsgelände des Regionalen Sportvereins RSV als auch das Vicco-von-Bülow-Gymnasium an der Heinrich-Zille-Straße an die Gemeinde abtrat.

Darüber hinaus stehen die BfB-Anhänger für eine behutsame Entwicklung des Ortes, sagt Maelzer. Gleich zu Beginn verhinderten sie ein geplantes Wohnbau-Großprojekt am Schwarzen Pfuhl. "Uns ist es gelungen, die vorgesehenen Wohneinheiten von geplanten 2000 auf etwa die Hälfte zu reduzieren", erklärt der BfB-Sprecher. Einen Bauboom wie in der Nachbarkommune Teltow wollen die Freien Wähler in Stahnsdorf nicht. "Egal wo gebaut wird, der Verkehr würde sich auf Stahnsdorfs beiden Hauptmagistralen treffen, der Potsdamer Allee und Lindenstraße", erklärt Gerold Maelzer. Zudem ist die Wählergruppe, die zurzeit sieben Sitze in der Gemeindevertretung inne hat, darauf bedacht, Stahnsdorf das Grün zu erhalten. So kämpfte sie für das Beethovenwäldchen an der Potsdamer Allee ebenso wie für den Annawald, der zuletzt für das neue Feuerwehr-Depot vorgesehen war. Gerade beim Thema Feuerwehr wird Maelzer emotional. "Die neue Wache würde schon stehen, wenn sich nicht nach der Kommunalwahl 2014 die Verhältnisse im Gemeinderat verschoben hätten", erklärt er. Wie berichtet wurde damals der bereits beschlossene Standort in der Annastraße noch einmal gekippt. Auch vier Jahre später dauert die Diskussion um das Depot weiter an, bedauert Maelzer.

Mehr Kandidaten als Plätze für Kommunalwahl

Im kommenden Mai stehen erneut Kommunalwahlen an. Gerold Maelzer hofft, dass die Wählergruppe Bürger für Bürger ihr gutes Ergebnis der Vorjahre noch einmal wiederholen kann. Interessierte Kandidaten gäbe es genug, zuletzt mehr als Plätze, meint er. Auch konkrete Ziele hat die Wählergruppe mit dem Lärmschutz für die Wohngebiete an der Landesstraße 40, einer Dirt-Strecke und weiteren Angeboten für die Jugendlichen formuliert. Auch für ein Bürgerhaus werde die Gruppierung weiter eintreten, sagte Maelzer. Um all das umzusetzen, sei es aber nötig, im Gemeinderat alsbald zur Sacharbeit zurückzukehren, meint er. Persönliche Befindlichkeiten hätten die Arbeit in den vergangenen Jahren gestört. "Es gab Anzeigen und Kampagnen, alles wurde versucht, um uns zu denunzieren", sagt er. Es sei ein täglicher Kampf, der bis in die benachbarten Kommunen hineinreicht. Hinzu kamen Probleme in den eigenen Reihen. Wegen "atmosphärischer Störungen", hatten sich drei BfB-Anhänger Anfang 2016 von der Wählergruppe abgewandt. 

Nachdem sie eine Zeit lang unter dem Namen "Die Neuen" eigenständig agierten, seien sie zwischenzeitlich aber wieder zurückgekehrt, so der BfB-Sprecher.