Sicherheit in Kleinmachnow : Start-up vermietet Alarmanlagen

Eine junge Kleinmachnower Firma mischt mit großem Erfolg den Sicherheitsbereich auf - mit einem Geschäftsmodell, das in Deutschland bisher noch fast unbekannt ist.

Die Einbruchszahlen sind zwar leicht zurückgegangen, in Kleinmachnow aber dennoch sehr hoch. 
Die Einbruchszahlen sind zwar leicht zurückgegangen, in Kleinmachnow aber dennoch sehr hoch. Foto: Nicolas Armer/dpa

Kleinmachnow - Sicherheit rund um die Uhr: Auf sechs Bildschirmen überwachen drei Mitarbeiter Tausende von Häusern, Geschäften und Wohnungen. Die Telefone der Stadtritter GmbH in Kleinmachnow klingeln, wenn Einbrecher versuchen, Türen und Fenster aufzuhebeln, wenn Diebe Juweliere oder Tankstellen überfallen. Es klingelt auch, wenn ein älterer Mensch in seinem Haus in Not gerät, wenn es brennt oder die Waschmaschine überläuft. Eine Alarmanlage für alle Fälle, und eine Leitstelle, die binnen Minuten von Kleinmachnow aus Feuerwehr, Polizei oder Notärzte vor Ort schicken kann. Den Service gibt’s zur monatlichen Miete.

3000 Kunden in nur zwei Jahren und ein Millionenumsatz

Das Geschäftsmodell des seit zwei Jahren bestehenden Sicherheits-Start-ups im Kleinmachnower Europarc gibt es in Deutschland bisher selten. Wer sein Eigentum sichern will, muss normalerweise selbst eine Alarmanlage kaufen, sie einbauen und regelmäßig warten lassen. Wer möchte, das im Ernstfall nicht nur eine Nachricht auf dem Handy erscheint, muss eine Leitstelle dazwischenschalten. Das ist für viele zu viel Aufwand. Sie lassen es sein, hoffen auf wachsame Nachbarn.

Doch gerade die können in einer der Hochburgen für Einbrecher, in Kleinmachnow, auch wenig ausrichten. Zu hoch sind oft die Hecken zum Nachbargrundstück, zu wenig kennt man sich. Es sind vor allem Anwohner aus der Region, aus Kleinmachnow und Stahnsdorf, die den Service von Stadtritter dankbar annehmen. Das Unternehmen betreut bereits 3000 Kunden in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Der Jahresumsatz lag im vergangenen Jahr bei 4,45 Millionen Euro. Es sei das Mietmodell, das die Kunden überzeuge, erklärt der 41-jährige Geschäftsführer Matthias Streibel. Gefördert wurde das Unternehmen mit seinen 13 Mitarbeitern von der Investitionsbank des Landes Brandenburg und der Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg GmbH.

Die Chefs von Stadtritter: Dominik Modrach (links) und Matthias Streibel
Die Chefs von Stadtritter: Dominik Modrach (links) und Matthias StreibelFoto: Sebastian Gabsch

Die Idee zum Start-up kam durch Alarmanlagen für Photovoltaikmodule

Mit seinem Partner, dem 38 Jahre alten Dominik Modrach, war Streibel früher im Photovoltaikbereich tätig. Die beiden aus Potsdam stammenden Männer arbeiteten zuvor als Unternehmensberater. Sie kennen sich seit mehr als zehn Jahren. Als sie eine Alarmanlage erbauen ließen, die den Diebstahl von Photovoltaikmodulen verhindern sollte, „fragten uns die Kunden, ob wir nicht auch ihr Haus sichern wollten“, erzählt Modrach. Die Idee zum Stadtritter war geboren.

In ihrer Marktanalyse, so berichtet Modrach, hätten die zwei Unternehmer festgestellt, dass der Service vieler Sicherheitsfirmen noch getoppt werden könne. „Wir wollten ein Rund-Um-Sorglos-Paket und fanden dazu nichts auf dem Markt.“ Sie kamen auf das Mietmodell, das in Spanien und Amerika schon lange auf dem Vormarsch sei. „In Deutschland hingegen haben wir eine Versicherungskultur“, klärt Modrach. 

Es geht um mehr als um einen gestohlenen Fernseher

Doch wenn die Versicherung im Schadensfall zahle, dann sei es oft schon zu spät. Es gehe um mehr, als den Verlust eines Fernsehers oder einer teuren Halskette. „Es geht um die Privatsphäre, in die Fremde eingedrungen sind“, sagt Streibel. Und erzählt, wie so manche Einbruchsopfer nächtelang nicht mehr zur Ruhe kommen, sich in ihrem Haus unwohl fühlen. Manche sogar so sehr, dass sie eine neue Bleibe suchen.

Auch, wenn die aktuellsten Einbruchszahlen in der Region leicht zurückgehen und tendenziell die Aufklärungsquote steigt, sind Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow noch immer stark von Einbrüchen betroffen. Besonders Kleinmachnow, die Gemeinde mit vielen wohlhabenden Einwohnern, einer guten Anbindung an die Autobahn und Nachbarn, die nicht immer wachsam sind. Mittlerweile gibt es dort nur noch wenige Straßen, in deren Häuser noch nicht eingebrochen worden ist. Und bald kommt die dunkle Jahreszeit und mit ihr wieder verstärkt die Einbrecher.

Besonders dankbar sind Überfallopfer

Die meisten Notfälle, die von Stadtritter bearbeitet werden, sind Überfälle und Einbrüche. Rund 60 Prozent der Kunden sind Privathaushalte, der Rest sind Gewerbekunden. Darunter Arztpraxen, Tanklager, Pflegeheime, aber auch Friseure oder Kosmetikstudios. „Dort arbeiten oft Frauen, Diebe bedrängen sie, greifen in die Kasse und flüchten“, erzählt Stadtritterchef Streibel. Die dankbarsten Kunden seien die, bei denen der Notknopf geholfen habe, Überfälle zu vereiteln.

Das Unternehmen, das sich in die Räume des in Kleinmachnow sitzenden Rechenzentrums Interroute eingemietet hat, will in den kommenden Jahren weiter expandieren. Das Wachstumspotential sei in Deutschland vorhanden, sagt Modrach: Nur 0,4 bis 2 Prozent der Haushalte seien bisher mit Sicherheitstechnik ausgestattet. Nicht nur Eigenheimbesitzer, auch viele Mieter würden auf das Angebot von Stadtritter setzen und sich eine Alarmanlage mieten. Das Start-up sichert auch mehrere Ferienhäuser auf der spanischen Ferieninsel Mallorca – von Kleinmachnow aus wird im Ernstfall die dortige Polizei gerufen. 

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