Sanierung abgeschlossen : Deutsches Haus in Beelitz wiedereröffnet

Ein Ballsaal für Beelitz: Nach einem Vierteljahrhundert des Verfalls ist das Deutsche Haus nun fertig saniert. Am Freitagabend wurde es wiederöffnet.

Jugendstilvoll. Der Saal des Deutschen Hauses ist nach demVorbild von 1911 saniert worden. Der Kulturverein der Stadt wird dort künftig sein Programm präsentieren, das von Lesungen und Theaterstücken bis zu Konzerten reicht.
Jugendstilvoll. Der Saal des Deutschen Hauses ist nach demVorbild von 1911 saniert worden. Der Kulturverein der Stadt wird dort...Foto: Andreas Klaer

Beelitz - Kraftvoll hallen die einzelnen Töne am gestrigen Freitagvormittag durch den wiedererweckten, prunkvollen Jugendstilsaal. Der Konzertflügel auf der Bühne des Deutschen Hauses wird gerade gestimmt, im benachbarten Restaurant werden Gläser poliert und erste Kleinigkeiten für das Abendbuffet vorbereitet: Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist das Gehöft im Zentrum von Beelitz fertig saniert, am Abend ist das Eröffnungskonzert. „Das ist für die Beelitzer ein emotionaler Ort. Hier haben sie einst getanzt oder standen vielleicht selbst auf der Bühne“, so Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis). Das sieht man auch daran, dass sowohl das Eröffnungskonzert als auch ein Zusatzkonzert am Samstagabend im Nu ausverkauft waren. Zur Eröffnung haben sich neben Politikern auch die Sängerin Dagmar Frederic und der Schauspieler Herbert Köfer angekündigt – der 97-Jährige wird im April selbst im Stück „Ein gesegnetes Alter“ auf der neuen alten Bühne stehen.

Deutsches Haus in Beelitz eröffnet
1911 wurde der Saal in heutiger Größe ausgebaut.Weitere Bilder anzeigen
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01.02.2019 16:261911 wurde der Saal in heutiger Größe ausgebaut.

Der Ende 1911 fertig gestellte Saal war bis 1973 der Ort der Stadt für große Bälle wie für private Feiern (s. Kasten), nach einer Zwischennutzung als Atelier verfiel er aber ein Vierteljahrhundert lang. Die Sanierung begann im März 2017. Insgesamt sind 4,5 Millionen Euro verbaut worden, 604.000 Euro steuerte das Land aus Mitteln der Städtebauförderung bei. Eigentlich sollten die Arbeiten bereits zum Spargelfest im Sommer 2018 fertig sein, doch während der Arbeiten wurde Knuth zufolge klar, dass die Substanz des Haupthauses zu schlecht war. Es musste abgerissen und neu aufgebaut werden. Der Kostenrahmen konnte aber eingehalten werden.

Dafür wurde das komplette Anwesen saniert: Im Fronthaus an der Berliner Straße, in dem einst Gästewohnungen und ein Geschäft untergebracht waren, gibt es einen einladenden Entreebereich: Eine Videoinstallation zeigt die Geschichte des Hauses, an den Wänden hängen Vergrößerungen historischer Postkarten. Der Tresen und das Buffet dahinter stammen aus dem alten Laden, in dem mal Milch, mal Tabakwaren verkauft wurden. Darüber befinden sich wie auch über dem Restaurant insgesamt sieben Doppelzimmer, die vom Restaurantbetreiber vermietet werden. Seitlich schließt sich im roten Backsteinbau das Restaurant an. Der Bau hat einst die Einfahrt zum Innenhof umrahmt. Wo früher das Tor zur Hauptkreuzung der Stadt war, ist heute eine breite Fensterfront – Spezialverglasung, vom Verkehrslärm dahinter ist nichts zu hören. An das Restaurant schließt sich ein Wirtschaftsgebäude an, hinter dem die Parkplätze sind. Wirtschafts- und Haupthaus rahmen den großen Saal.

Dieser fasst 170 Gäste, die sich an kontrastreichen Wänden und detaillierten Verzierungen erfreuen können. Farbreste verrieten das Blau der Decke und die beiden Rottöne an der Wand. „Wir hatten Angst, ob der Kontrast nicht zu groß wird, aber es sieht einfach toll aus“, so der Bürgermeister. An der Decke prangen silberne Blumenranken mit vergoldeten Blüten. Das Muster ziert auch die schweren roten Samtvorhänge der Bühne, auf der wie einst eine vergoldete Muschel steht.

Früher saß darunter die Souflleuse. „Der Platz war aber sehr beengt, heute würde das nicht mehr gehen“, so Knuth. Die Muschel ist jetzt verschlossen. Kronleuchter und Wandlampen hat er auf Ebay erstanden – nach der Lieferung habe sich herausgestellt, dass sie von der Firma stammen, die die Originalbeleuchtung geliefert hat.

Beelitz ist der Hauptmieter

Die Stadt ist der Hauptmieter des Saals, der wie das ganze Ensemble den Stadtwerken gehört. Vor allem sollen dort Vereinsfeiern und Veranstaltungen des Kulturvereins stattfinden, am 17. März liest dort etwa Gregor Gysi aus seiner Biografie. Für den Sommer sind bereits drei Hochzeiten gebucht.

Die betreut Ilmay Schrödl, die das sizilianische Restaurant im Haus betreibt. Es liefert zunächst die Buffets für die Feiern am Wochenende und eröffnet dann am 9. Februar um 18 Uhr offiziell. Es gibt Live-Musik und Buffet. „Alle Beelitzer können dort kostenlos die sizilianischen Gerichte probieren“, so Schrödl, die eine türkische Mutter und einen tartarischen Vater hat.

Auf die Idee zum Restaurant kam die Fichtenwalderin im Urlaub in Italien. Ihre drei Köche stammen von der Vulkaninsel, auch am Freitag wird in der Küche untereinander italienisch gesprochen. Ab dem 10. Februar gibt es dann täglich Frühstücksbuffet für zehn Euro, zu dem nicht nur die Mieter der Doppelzimmer geladen sind. Der eigentliche Restaurantbetrieb mit Mittag- und Abendessen öffnet dann im März. Eine Pizza Margherita soll 6,50 Euro kosten, sizilianische Kalbsrolle 16,90 Euro. Neben Gaumenfreuden gibt es optische Genüsse: An der Wand hängen Werke der Berlinerin Alexandra Liese, die für den Baseler Kunstpreis nominiert ist. Mit ihrem Faible für Blattgold, das mit den roten Möbeln harmoniert, spiegeln sich im Restaurant so die Farben des großen Saals wieder.


Hintergrund

Das Deutsche Haus an der Berliner Straße wird im Jahr 1793 erstmals urkundlich erwähnt. Der Landwirt August Lintow erwirbt das Anwesen 1891 nach mehreren Besitzerwechseln, damals gibt es bereits einen kleinen Saal. Im Haus wird eine Gaststätte eröffnet, die schon bald floriert. Augusts Sohn Rudolf Lintow vergrößert den Saal und baut ihn 1911 zum Kino-Theater aus. Am 13. Januar 1912 eröffnen die „Zentral-Lichtspiele Beelitz“. Der Saal wurde auch für Vereinsfeiern genutzt, im Haus wurden zudem Fremdenzimmer vermietet. Bis 1930 werden die Wände des Saals mit rotem Plüsch verkleidet, um zur Einführung des Tonfilms die Tonqualität im Raum zu verbessern. Die Kinotechnik wird 1945 von sowjetischen Militärs in die Heilstätten abtransportiert, im Haus sollen aber weiter Theatervorstellungen stattfinden. Dafür wird die Bühne vergrößert. Es folgten Schwierigkeiten, das Haus in Privatbesitz zu halten. Am 1. November 1973 schließt das Deutsche Haus. Bis 1991 dient der Saal als Ausweichatelier der Defa. Anschließend verfällt er wie das gesamte Anwesen.

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