Potsdam-Mittelmark : Runde Sache für Reesdorf

Nach anfänglichen Widerständen freut sich das ganze Dorf über den sanierten, historischen Rundling

Andreas Koska
Geschmückt. Die Ortsmitte von Reesdorf gab gestern ein perfektes Bild ab.
Geschmückt. Die Ortsmitte von Reesdorf gab gestern ein perfektes Bild ab.Foto: ako

Beelitz - Rudi und Hilderose Kaplick genossen am Freitag sichtlich den Trubel in ihrem Dorf. Von der Sitzbank neben ihrer Haustür beobachteten sie, wie der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth den frisch sanierten Rundling von Reesdorf einweihte. „Es ist einfach nur schön geworden“, so die Meinung der beiden Senioren. Rund um die Kirche im Zentrum des Ortskerns wurde die Straße erneuert.

Dabei wurde das alte Pflaster auf Wunsch der Reesdorfer erhalten, es erhielt nur eine neue Einfassung durch Großpflastersteine. „Das war die Idee des Ortsbeirats“, berichtete Ortsvorsteherin Christiane Kutzner. Die 32-Jährige lobte, dass die Einheimischen in alle Bauphasen eingebunden waren und ernst genommen wurden.

So wurde an der Kirche ein neuer Spielplatz errichtet, die Grünanlage nach Wünschen der Bewohner gestaltet und eine Feuerstelle geschaffen. „Es war eine Freude, das Osterfeuer dort brennen zu sehen“, verriet die sichtlich bewegte Kutzner und gab damit preis, dass die Reesdorfer ihren Rundling schon vor der offiziellen Eröffnung in Beschlag genommen haben. „Die Bauabnahme fand schon vor Weihnachten statt, wir waren uns aber einig, dass für die Einweihung der Frühling die schönere Jahreszeit ist“, erläuterte Bürgermeister Knuth.

Das halbe Jahr zwischen Fertigstellung und Einweihung konnten die Dorfbewohner verschmerzen, schließlich gab es schon Anfang 1991 die ersten Planungen für die Verschönerung der Ortsmitte. Sie wurden ebenso verworfen wie der zweite Anlauf neun Jahre später. Auch ein dritter Anlauf scheiterte an den Kosten und den zu hohen Ausbaubeiträgen der Anlieger. Kein Wunder, dass Bürgermeister Knuth Skepsis entgegenschlug, als er es ein viertes Mal mit Reesdorf versuchte.

„Das Dorf schrie förmlich danach, entwickelt zu werden“, betonte er in seiner Ansprache. So wurde im Jahr 2011 das Landschaftsbüro Josch Bender beauftragt, eine neue Planung vorzulegen. Zwei Jahre später wurde ein Förderantrag für eine Bausumme von knapp 600 000 Euro gestellt, der Zuwendungsbescheid fiel 120 000 Euro geringer aus. Nichtsdestotrotz baute man.

Im März vorigen Jahres rollten die Bagger an und nach neun Monaten konnten die Bauarbeiter wieder abziehen. „Das Wunderbare ist, dass wir durch die Mitwirkung der Reesdorfer noch einmal Kosten einsparen konnten“, so das Stadtoberhaupt. Die gesamte Bausumme betrug schlussendlich 380 000 Euro. Da 245 000 Euro durch EU-Förderung in die Stadtkasse flossen, werden die Bürger mit Beträgen von maximal 3000 Euro belastet. „Die Bescheide gehen erst demnächst raus“, so Knuth. 70 Prozent der Ausbaukosten sind durch die Anlieger zu tragen.

Josch Bender lobte die Reesdorfer. „Sie waren voll bei der Sache“, so der Planer. So wurde nicht nur der Spielplatz gebaut, auch das Kriegerdenkmal wurde restauriert und eine Rundbank mit Blick auf die Kirche aufgestellt. Jutta Eiserbeck ist voll des Lobes. „Es ist schön, dass für die Kinder etwas gemacht worden ist“, so die Reesdorferin. „Immerhin leben jetzt 23 im Dorf, der neue Platz wird uns alle zusammenführen und sicher ein Treffpunkt nicht nur für Familien werden.“ Dass es alle so sehen, meinte man auch der Dekoration vor den Häusern anzumerken. Überall wurden historische Landwirtschaftgeräte drapiert, auf einer Tafel über die Geschichte des im Jahr 1375 erstmals erwähnten Dorfes informiert. Junge Damen luden zu Führungen ein.

Als Christiane Kutzner mit Bürgermeister Knuth das rote Band durchschnitt, meinte man eine Spur der Erleichterung zu sehen. „Ich war ein wenig nervös“, gestand die ehemalige Spargelkönigin, die erst seit einem Jahr Ortsvorsteherin ist. Für Knuth war es das erste Projekt, das er als Bürgermeister auf den Weg brachte, als nächstes soll der Rundling in Klaistow folgen. Einen Wermutstropfen gab es: Die Stadtverordnete Elke Seidel kam mit dem Fahrrad – und vermisste die Fahrradständer. Andreas Koska