• Regionalverkehr in Brandenburg: Neues Zugkonzept bringt kaum Verbesserungen für Pendler

Regionalverkehr in Brandenburg : Neues Zugkonzept bringt kaum Verbesserungen für Pendler

Zu kleine Züge und nur bis Wannsee, in Caputh werden die Plätze knapp - das gerade beschlossene Zugkonzept bietet für viele bestehende Probleme in der Region keine zufriedenstellende Lösung an.

Die Talent-2-Züge, hier in Rehbrücke, sollen auch nach 2022 für zwölf Jahre die RE 7-Strecke bedienen.
Die Talent-2-Züge, hier in Rehbrücke, sollen auch nach 2022 für zwölf Jahre die RE 7-Strecke bedienen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Das am Freitag vorgestellte Zugkonzept für die Region ab dem Jahr 2022 stößt in der Mittelmark und in Potsdam auf viel Kritik. Die Züge, die bis 2034 fahren sollen sind zu klein, zudem wurde weniger geliefert, als sich die meisten Kommunen erhofft haben. Ein Überblick:

RE7: Bad Belzig - Potsdam - Berlin

Die größte Kritik gibt es an den Plänen für den RE 7. Für diese Linie hatte das Infrastrukturministerium einen Halbstundentakt ab 2022 angekündigt. Der ist auch vorgesehen: Allerdings nur bis Berlin Wannsee. In die Berliner Innenstadt wird es weiterhin nur einen Zug pro Stunde geben, der hinter dem Flughafen Schönefeld dann nach Senftenberg statt wie bisher nach Wünsdorf-Waldstadt fahren wird. Die Deutsche Bahn wird die Linie wie bisher mit Talent2-Triebwagen betreiben, die modernisiert werden sollen. Künftig werden jedoch immer zwei Züge gekoppelt, statt derzeit maximal 330 Sitzplätzen wird es dann 420 Plätze geben.

Allerdings wird auch das Passagieraufkommen entlang der Strecke deutlich zunehmen: Wie berichtet wird in Potsdam nahe des Bahnhofs Rehbrücke ein neues Wohngebiet entwickelt, auch in Michendorf und Beelitz-Heilstätten entstehen direkt am Bahnhof Wohngebiete für mehrere Tausend Menschen. Zudem baut der Landkreis in den Heilstätten einen neuen Verwaltungssitz für 750 Mitarbeiter.

Neu geordnet. So sollen die Züge ab 2022 westlich von Berlin fahren.
Neu geordnet. So sollen die Züge ab 2022 westlich von Berlin fahren.Grafik: VBB

Die Potsdamer Stadtverwaltung begrüßt die Änderungen, da die Sitzplatzanzahl zwischen Michendorf, Medienstadt Babelsberg und Wannsee deutlich erhöht wird. In Michendorf sieht man das ganz anders: „Dieses Konzept ist für uns unerträglich“, so Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). Er habe immer einen Halbstundentakt in die Berliner Innenstadt gefordert, wie berichtet gab es dafür eine Initiative mehrerer Bürgermeister entlang der Bahnstrecke. Sie forderten auch den Einsatz von Doppelstockzügen, da die derzeitigen Triebwagen kaum Platz für Kinderwagen und Fahrräder bieten. Warum das nicht umgesetzt wird, konnte der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) auf PNN-Anfrage nicht sagen. Für Michendorf besonders tragisch: Die Gemeinde hat nicht nur keine zusätzliche Verbindung in die Berliner Innenstadt, sondern verliert ab 2022 wie berichtet auch die Züge nach Jüterbog und Potsdam Hauptbahnhof.

RE1: Werder (Havel) - Potsdam - Berlin

Zwischen Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) wird es wie berichtet von 5 bis 9 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr drei Fahrten pro Stunde geben, derzeit sind es zwei. Die Züge der ODEG werden 37 Plätze mehr bieten. Derzeit gibt es nur vereinzelt Verstärkerzüge. Zwischen Brandenburg und Berlin ergeben sich so mindestens 380 zusätzliche Sitzplätze pro Stunde. Sollte eine Prüfung ergeben, dass die Bahnsteige entlang der Strecke verlängert werden können, können auch längere Züge fahren.

RB 21 und RB 23: Golm - Berlin

Die zusätzlichen Plätze im RE 1 könnten von Studenten gefüllt werden: Ab Golm entfällt zur Hauptverkehrszeit eine direkte Zugverbindung nach Berlin, die derzeit 330 Plätze bietet und halbstündlich fährt. Einmal pro Stunde wird es dafür künftig den ganzen Tag lang 420 Sitzplätze auf der neuen Linie 23 Golm–Berliner Innenstadt–Flughafen Schönefeld geben. Dazu kommt die neue Linie 21 vom Potsdamer Hauptbahnhof über Golm und Spandau nach Gesundbrunnen, die 270 Sitzplätze bieten soll. Die Stadt Potsdam begrüßt auf PNN-Anfrage, dass es so insgesamt 50 Sitzplätze mehr pro Stunde zwischen Golm und Berlin geben wird, wenn man beide Linien zusammenrechnet. Ob die Pendler, die derzeit aus der Berliner Innenstadt nach Golm pendeln, aber wie geplant künftig die Züge ab Gesundbrunnen nehmen, ist offen.

RB 33: Jüterbog - Caputh - Potsdam

Hart wird es ab 2022 für Pendler aus Schwielowsee treffen: Wie berichtet entfällt die bisherige Linie von Michendorf über Caputh nach Potsdam, dafür soll die Linie 33 künftig von Jüterbog und Beelitz aus über Caputh nach Potsdam fahren und nicht wie bisher über Michendorf nach Wannsee. Die Züge, die derzeit nach Caputh fahren, bieten 165 Sitzplätze. Die künftigen Züge der ODEG werden nur noch 140 Plätze bieten. Der Verlust von 25 Sitzplätzen klingt nicht dramatisch, aber: Die Züge werden wohl deutlich voller in Caputh ankommen als bisher, da sie statt im nahen Michendorf in Jüterbog starten und eine attraktive Direktverbindung vom Fläming aus in die Potsdamer Innenstadt bieten werden. „Es war in allen Gesprächen mit dem Ministerium nie die Rede davon, dass auf dieser Linie künftig kleinere Züge eingesetzt werden sollen“, beschwert sich Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) gegenüber den PNN. Sie wolle für längere Züge kämpfen.

RB 37: Beelitz - Michendorf -Wannsee

Als Ersatz für den von der RB 33 künftig nicht mehr bedienten Abschnitt Beelitz–Michendorf–Wannsee wird dort die RB 37 von der ODEG verkehren. Zwischen Michendorf und Wannsee wird es so gemeinsam mit dem RE7 drei Fahrten pro Stunde geben, die jedoch keinen glatten 20-Minuten-Takt ergeben. Pläne, die Regionalbahn von Wannsee weiter auf einem bestehenden Gleis über Zehlendorf nach Steglitz fahren zu lassen, werden im vorgestellten Fahrtenplan nicht mehr erwähnt – warum, konnte der VBB auf Anfrage nicht beantworten. 

Auch werden auf den Linien 33 und 37 nicht wie optional ausgeschrieben Fahrzeuge mit alternativen Antrieben eingesetzt, sondern normale Dieselzüge. Laut VBB habe es keine anderen Angebote gegeben.