• Prozess um Drogenbande im Potsdamer Landgericht: Bad Belziger schmuggelte im Diplomatenauto

Prozess um Drogenbande im Potsdamer Landgericht : Bad Belziger schmuggelte Drogen im Diplomatenauto

Urteil zu mutmaßlicher Drogenbande für Montag erwartet. Auch Niederländer ermitteln.

Säcke mit Drogen liegen am 25.02.2016 zur Untersuchen beim LKA. Die Drogen wurden zuvor bei einem Bauern aus Brandenburg entdeckt. Foto: Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg/dpa (zu dpa «Riesiges Drogendepot bei Bauern entdeckt» vom 25.02.2016) (Achtung: Nur für die redaktionelle Verwendung bei aktueller Berichterstattung und bei Nennung der Quelle: Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Säcke mit Drogen liegen am 25.02.2016 zur Untersuchen beim LKA. Die Drogen wurden zuvor bei einem Bauern aus Brandenburg entdeckt....Foto: DPA

Potsdam/Bad Belzig - Drogenschmuggel im Diplomatenauto: Der Hauptangeklagte im Prozess um eine mutmaßliche Bad Belziger Drogenbande, Johann S., soll in einem Diplomatenfahrzeug Rauschgift aus Spanien eingeführt haben. Das gab der 27-Jährige am gestrigen Montag bei der Fortführung des Prozesses am Potsdamer Landgericht an. Wie er zu dem Fahrzeug gekommen ist und wie viele Drogen er über Spanien nach Brandenburg gebracht hat, blieb allerdings unklar. In Spanien soll S. Kontakt zu drei bis vier Brüdern gehabt haben, die in den Niederlanden Coffeeshops betrieben. Wie einer der Ermittler als Zeuge aussagte, sollen holländische Kollegen inzwischen gegen die Brüder ermitteln.

Ermittler vermuten weitere Drogendepots

Wie berichtet ist die Justiz zufällig im Februar 2016 auf die mutmaßliche Bande um Johann S. aufmerksam geworden, als Zollbeamte bei Bad Belzig den Bauernhof eines inzwischen zu fünf Jahren Haft verurteilten Niederländers wegen unverzollter Zigaretten durchsucht hatten und dabei 136 Kilogramm Drogen gefunden haben – Marihuana, Haschisch, Amphetamin, Kokain und Ecstasy. Den Kellerraum, in dem das Rauschgift lagerte, hatte der Bauer an S. vermietet. Er hatte für S. auch Drogen aus den Niederlanden nach Deutschland gebracht.

Neben dem Keller soll Johann S. noch mehrere andere Drogendepots unterhalten haben, wie er selbst zugab – wo, sagte S. allerdings nicht. Ermittlern zufolge könnte eines in Berlin-Mitte gewesen sein. Wie der im Sommer 2017 mit den Ermittlungen betraute Zollbeamte gestern aussagte, habe es zwischen dem Hauptangeklagten Johann S. und seinem Bekannten Mirco W. mehrere Treffen in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte gegeben. Dort soll S. dem 46-jährigen Berliner Rauschgift übergeben haben, das dieser an seine Abnehmer weiterverkauft haben soll. Der Ermittler vermutet auch, dass es vor Ort ein Depot gab. Eine Durchsuchung sei seinerzeit aber abgelehnt worden, sagte der Beamte. „Wir haben keinen Zweifel, dass es weitere Depots gibt, aber wo, darüber können wir nur mutmaßen.“

Handel im Internet nachgewiesen

Wie der Chefermittler gestern der Strafkammer vortrug, sollen Johann S. und seine Komplizen seit Sommer 2017 überwacht und abgehört worden sein. Auf diese Weise sei es gelungen, im Zeitraum von Juli bis August 2017 einen umfangreichen Handel mit Drogen nachzuweisen. Bei einer Großrazzia Ende September 2017 nahm die Polizei drei der Männer fest. Der Hauptangeklagte floh zunächst, stellte sich aber wenige Tage später. Neben dem 27-Jährigen, einem Deutschen mit russischen Wurzeln, sitzen mit Stefan R., Ruslan K. und Paul F. drei Bad Belziger Kumpels mit auf der Anklagebank. Sie gaben bereits zu, unter anderem Drogen verschickt zu haben, die im Darknet bestellt worden sind. Den Verkauf über den verborgenen Teil des Internets soll der Mitangeklagte Berliner Robert T. organisiert haben, was T. auch schon zugab. Verdient haben wollen die Angeklagten an dem Geschäft zunächst aber nichts. Die Einnahmen aus der mit der Internet-Währung Bitcoin bezahlten Ware hätten zunächst zur Refinanzierung der Käufe gedient, auch sei aus Sicherheitsgründen nichts ausgezahlt worden, hieß es. Die Ermittler fanden im Rahmen der Kontenaufklärung 23 Bitcoins vor, was etwas mehr als 130 000 Euro entspricht.

Den Angeklagten drohen nun Freiheitsstrafen zwischen zwei und zehn Jahren. Der Berliner Mirco W. ist der einzige, bei dem das Gericht erwägt, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Ein Urteil wird voraussichtlich am Montag fallen.