Produktion im Europarc : 300.000 Masken pro Tag aus Kleinmachnow

Im Europarc Dreilinden hat die Firma Ginensys Med in nur wenigen Monaten eine Produktionsstätte für Schutzmasken aus dem Boden gestampft.

Die Firma Ginensys könnte in Kleinmachnow rund 200 Millionen Masken pro Jahr herstellen.
Die Firma Ginensys könnte in Kleinmachnow rund 200 Millionen Masken pro Jahr herstellen.Foto: Ottmar Winter PNN

Kleinmachnow - Im Sekundentakt fallen die fertigen medizinischen Schutzmasken aufs Band der Produktionsmaschine. Seit Oktober vergangenen Jahres stellt das Unternehmen Ginensys Med im Europarc Dreilinden in Kleinmachnow im großen Umfang Schutzmasken in Eigenproduktion her. Mit Mut zum Risiko haben Geschäftsführerin Lilia Wagner und ihr Team in nur wenigen Monaten die Produktion auf die Beine gestellt. Jetzt soll das Sortiment erweitert werden.

"Wir wussten genau, worauf es ankommt"

Die 37-jährige Diplomvolkswirtin hat ihr Unternehmen bereits 2014 in Berlin gegründet. Ginensys Med hat sich auf die Vermarktung von pharmazeutischen Produkten spezialisiert, vertreibt zudem Nahrungsergänzungsmittel, die das Unternehmen produzieren lässt. Als die Corona-Pandemie losbrach, hatte Wagner die Idee, hochwertige Masken aus dem damals einzigen Produktionsland China in Deutschland zu vertreiben. 

Denn, so sagt Wagner, viele Masken würden nicht den geltenden Richtlinien entsprechen – etwa weil die Typenbezeichnung und ein Haltbarkeitsdatum fehle sowie eine Auszeichnung, wer die Masken wo hergestellt hat. Immer wieder habe es Rückrufe solcher Masken gegeben. „Wir wussten durch unsere Erfahrung genau, worauf es ankommt“, sagt Wagner.

Geschäftsführerin Lilia Wagner weiß aus Erfahrung, worauf es bei pharmazeutischen Produkten ankommt.
Geschäftsführerin Lilia Wagner weiß aus Erfahrung, worauf es bei pharmazeutischen Produkten ankommt.Foto: Ottmar Winter PNN

Maschinen kommen direkt aus China

Fehlen solche Auszeichnungen, habe der Verbraucher keine Chance, die Herstellung und Qualität der Ware nachzuvollziehen. „Es geht schließlich um unsere Gesundheit“, so die Firmenchefin. Im Frühjahr 2020 importierte das Unternehmen zum ersten Mal größere Mengen Masken aus China. Doch bei einem zweiten Geschäft sei der Gesichtsschutz nicht richtig gekennzeichnet gewesen und konnte daher nicht verkauft werden. Das war der Punkt, an dem Wagner beschloss, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen.

Wegen der Lieferengpässe von Masken hatte die deutsche Bundesregierung im Mai vergangenen Jahres ein Förderprogramm für die Produktion von Schutzausrüstung in Deutschland auf den Weg gebracht. Wagner reichte einen Antrag ein. Noch bevor er im September bewilligt wurde, hatte die Geschäftsführerin bereits angefangen, ihre neue Produktionsstätte aufzubauen. Im Juli vergangenen Jahres wurden dafür die ersten Produktionsmaschinen aus China geliefert. Im August konnte das Unternehmen in die Räume mit Produktionshalle und Büroetage im Europarc Kleinmachnow ziehen.

Bedienungsanleitung wie bei Ikea: Viele Bilder, ein paar Texte

Wie die Maschinen funktionieren, wusste im Unternehmen zunächst niemand genau, wie Wagner erklärt. Auch die mitgelieferte Betriebsanleitung in chinesischer und englischer Sprache half nicht wirklich weiter. „Die englische Anleitung war wie mit einem schlechten automatischen Übersetzer geschrieben worden. Sie sah ähnlich wie bei Ikea aus – viele Bilder und ein paar Texte“, beschreibt es Wagner. Kurzerhand nahmen sie und ihr Team eine der Maschinen komplett auseinander und setzten sie anschließend Stück für Stück wieder zusammen, um die Funktionsweise genau zu verstehen. „Wir haben rund zwei Monate gebastelt und ausprobiert“, sagt Wagner. Am 1. Oktober 2020 konnte die Produktion schließlich starten – wenn auch mit weniger Kapazitäten als heute.

Derzeit werden täglich rund 300 000 Masken in Kleinmachnow gefertigt, alle nach den geltenden Qualitätsstandards und mit einer bakteriellen Filterleistung von mindestens 98 Prozent. Pro Jahr könnte Ginensys Med bis zu 200 Millionen Masken herstellen, sagt Wagner. Das Unternehmen beschäftigt in Kleinmachnow mittlerweile 23 Mitarbeiter:innen. Und noch immer werden Arbeitskräfte gesucht, derzeit vor allem Mechatroniker, Anlagenführer und Vertriebsleiter. Denn auch wenn die Pandemie irgendwann wieder vorbei sein sollte, sind sich Wagner und ihr Team sicher, dass auch weiterhin Masken aus heimischer Produktion gefragt sein werden.

Kindermasken und FFP-Mundschutz im Programm

Ab der nächsten Woche sollen Masken für Kinder in Marineblau, Rosa und dem typischen Hellblau vom Band laufen. Auch für Erwachsene gibt es blaue, rosafarbene und schwarze Masken. Vermutlich ab Mitte April wollen Wagner und ihr Team außerdem FFP2- und FFP3- Atemschutzmasken produzieren. Vor wenigen Tagen ist zudem der Werkstattverkauf am Produktionsstandort im Albert-Einstein-Ring 27 gestartet. Unternehmen aus dem Europarc oder auch Privatpersonen können vor Ort ohne Lieferkosten Packungen mit jeweils 50 Masken kaufen. Wer Masken bestellen möchte, kann sich an die Tel. 030/220135613 oder per Mail an [email protected] wenden.

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