Personalmangel in den Kitas : Notsignal der Chefinnen

Die Personalnot in Teltows kommunalen Kitas ist groß: So groß, dass eine Kitaleiterin nicht einmal eine notwendige Zahn-OP wahrnehmen kann. Neue Stellen für die drei größten Einrichtungen sind gefordert.

Teltow - Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Leiterin des Teltower Kita-Eigenbetriebs Solveig Haller am Mittwochabend an den Werksausschuss gewandt und zusätzliches Personal für die drei größten Teltower Kitas eingefordert. Dass dort akute Not besteht und die Einrichtungen seit einigen Jahren an der Kapazitätsgrenze arbeiten, ist nicht neu. Doch Haller forderte in ihrem Antrag weder mehr Erzieher noch mehr Platz für die Kitakinder. Sie wünscht Unterstützung für das Leitungspersonal.

Die Mitarbeiter könnten die gestiegenen Anforderungen nicht mehr allein bewältigen, es drohe die Überlastung, warnte sie. In einem Fall hätte eine Kitaleiterin eine dringend notwendige Zahn-OP nicht wahrnehmen können, weil es zu viele Brennpunkte in der Einrichtung gegeben habe und es nicht möglich gewesen sei, jemandem aus dem Team die Leitung für ein bis zwei Wochen zu übertragen.

Zusätzliche Stellen gefordert

Die Leitung einer Kinderbetreuungseinrichtung sei mittlerweile eine hochkomplexe Aufgabe, so Haller. Sie fordert daher zusätzliche Stellen für Stellvertreter. Haller begründete ihren Vorstoß mit der Entwicklung der Kindertagesstätten zu anerkannten Bildungseinrichtungen, in denen Mitarbeiterführung und Teamentwicklung ebenso zu den Managmentaufgaben der Leitung gehörten, wie die Analyse und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit. Zudem seien neue Themen in den Fokus gerückt, wie Inklusion oder die Arbeit mit Geflüchteten.

Die neuen Stellen sollten zunächst in den größten drei Einrichtungen „Am Röthepfuhl“, der „Pusteblume“ und dem Hort „Ernst von Stubenrauch“ geschaffen werden, andere Einrichtungen sollten aber später folgen. Jährlich fielen dafür zunächst rund 185 000 Euro an.

Solveig Haller appellierte im Werksausschuss an dessen Fürsorgepflicht – und wurde gehört. Das Gremium nahm den Antrag einstimmig an, nun müssen die weiteren Ausschüsse entscheiden.

Keine Betreuung in den Ferien

Teltower Eltern fordern indes die Personalsituation auch auf unterer Ebene zu verbessern: „An den personellen Engpässen bei den Erziehern in unserer Kita hat sich auch nach der Grippewelle nichts geändert“, erklärte ein Vater den PNN. In der Kita seiner beiden Kinder im Anne-Frank-Weg sei der Personalschlüssel in diesem Jahr gefühlt noch kein einziges Mal eingehalten worden, beklagt er. „Auf einen versprochenen Zoo-Besuch warten wir seit dem letzten Sommer.“

Wie berichtet hatten sich besorgte Eltern schon Anfang April an die Öffentlichkeit gewandt und über akute Personalnot in Teltows Einrichtungen berichtet. In Teltows größter Kita „Rappelkiste“ waren wegen eines anhaltend hohen Krankenstandes nicht-berufstätige Eltern gebeten worden, ihre Kinder während der Osterferien wenn möglich zu Hause zu betreuen.

„Wir haben neu eingestellt, aber nicht immer die Richtigen"

Haller zufolge habe sich die Situation nach Ende der Grippewelle grundsätzlich aber entspannt. Der Personalschlüssel werde eingehalten, wiederholte sie, bestätigte aber, dass es in der Kita „Käferland“ im Anne-Frank-Weg Probleme gäbe. Es habe zuletzt einige personelle Wechsel gegeben, die teilweise auch selbst durch den Kita-Eigenbetrieb ausgelöst worden seien, erklärte sie. „Wir haben neu eingestellt, aber nicht immer die Richtigen“, so die Werkleiterin. Durch den hohen Bedarf an Erziehern falle es den Mitarbeitern heute leichter zu gehen, auch seien sie teilweise weniger konfliktbereit. Bis zum Sommer gäbe es aber neues Personal.

Der Krankenstand sei darüber hinaus im Vergleich zu anderen Kitas „völlig normal“, wenngleich auch der Eigenbetrieb nicht von Langzeiterkrankungen verschont bliebe. 2017 fehlten im Schnitt etwa 8,5 Prozent der rund 200 angestellten Pädagogen, so Haller. 

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