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Neues Verteilzentrum : Amazon kommt nach Werder (Havel)

Der Online-Gigant Amazon will ein neues Verteilzentrum in Werder (Havel) eröffnen. Schon im Herbst soll es in Betrieb gehen.

Foto (Symbolbild): Ina Fassbender/dpa

Werder (Havel) - Der Online-Versandhändler Amazon will ein neues Verteilzentrum in Werder (Havel) eröffnen. Das teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Dienstag mit. Demnach soll das Zentrum schon im Herbst im Industriegebiet Magna-Park im Ortsteil Plötzin in Betrieb gehen. Vor Ort werde mit unabhängigen Lieferpartnern zusammengearbeitet, die für die Paketzustellung zuständig sein werden.

Das Verteilzentrum soll nach Angaben des Unternehmens sukzessive entstehen. Im Magna-Park, der direkt am Berliner Ring liegt, werde zunächst ein modulares Gebäude gebaut, wie die zuständige Sprecherin von Amazon, Nadiya Lubnina, den PNN auf Anfrage mitteilte. Die dafür notwendigen Erdarbeiten seien in der vergangenen Woche gestartet. Das endgültige Gebäude werde erst später gebaut und soll 2020 fertig sein. Wie viel Amazon in den neuen Standort investiert, will das Unternehmen nicht preisgeben. Der Magna-Park gehört der IDI Gazeley, ein weltweit führender Investor und Entwickler von Logistik­Immobilien und sogenannten Distributionsparks.

In dem 4200 Quadratmeter großen Verteilzentrum sollen von Amazon 110 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zusätzlich würden mehr als 300 Fahrer der unabhängigen Lieferpartner für die Auslieferung zuständig sein, heißt es. Mit dem neuen Zentrum will der Onlineversandhändler der wachsenden Kundennachfrage nachkommen und schnellere sowie flexiblere Lieferungen ermöglichen. Im Verteilzentrum sortieren die Mitarbeiter die Pakete aus den Logistikzentren für die sogenannte „letzte Meile“ – die direkte Auslieferung an den Kunden. Bereits bei der Sortierung würden die Routen für die Auslieferung berechnet werden, erklärte Lubnina. Die Pakete samt Routenplanung würden dann von Amazon an die lokalen Lieferpartner übergeben, die sie dann größtenteils an Kunden ausliefern. Ein Lager gebe es in dem Verteilzentrum nicht. Auswirkungen auf das Logistikzentrum in Brieselang im Landkreis Havelland, das 2013 eröffnet wurde, habe der neue Verteilstandort nicht, so Lubnina.

Freude bei der Stadt

Die Stadt Werder (Havel) ist froh über die Entscheidung des Unternehmens. „Das ist eine gute Nachricht und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Werder bekommt damit direkt am Berliner Ring eine weitere Ausprägung als moderner Logistik-Standort im Metropolenraum“, erklärte Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Werder sei eine lebendige Stadt und ein hervorragender Wirtschaftsstandort. Die Stadt stehe für wirtschaftliche Dynamik in der deutschen Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg. „Zu den Unternehmen, die mit uns verbunden werden, wird nun auch Amazon gehören“, so Saß.

Auch andere große Unternehmen sind in der Stadt ansässig, wie Werders 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) auf Anfrage den PNN mitteilte. Etwa das Unternehmen Condio, das natürliche Zusätze für Lebensmittel herstellt und 2017 seinen Hauptsitz vom niederländischen Kempen in die Havelauen verlegte. Das 1999 ursprünglich in Werder gegründete Unternehmen habe in den neuen Standort einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert und beschäftige in Werder mehr als 125 Mitarbeiter. Auch das Unternehmen Herbstreith & Fox, einer der größten Pektinhersteller der Welt, hatte in den vergangenen Jahren seinen ihren Produktionsstandort in Werder erweitern lassen und in den Havelauen ein Innovationszentrum eingerichtet. Die Unternehmen würde es vor allem wegen der günstigen Anbindungen in die Stadt ziehen, erklärte Große. „Jetzt haben wir mit Amazon ein weiteres weltweit agierendes Unternehmen vor Ort.“

US-Konzern lobt Lage

Auch Amazon zieht es nach eigenen Angaben unter anderem wegen der hervorragenden Lage in die Blütenstadt. Vom Magna-Park seien es nur eine Minute bis zur Autobahnauffahrt, erklärt Große. Der Magna-Park sei wegen der großen Nachfrage in den vergangenen Jahren mittlerweile die letzte Fläche, auf der sich Gewerbe in der Stadt ansiedeln könnte. „Die anderen Gewerbegebiete in Derwitz oder den Havelauen sind voll“, so Große.

Deutschlandweit 13.000 Mitarbeiter

Amazon gilt im Bereich des Onlinehandels weltweit als Marktführer. Laut der Webseite des Unternehmens gibt es europaweit mehr als 40 Logistikzentren. In Deutschland sind es zwölf an elf verschiedenen Standorten an denen 13.000 feste Mitarbeiter beschäftigt sind, darunter erst 2018 neu entstandene rund 1000 Arbeitsplätze. In Deutschland würden die Mitarbeiter der Logistikzentren mit einem Lohn von mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde anfangen, wie das Unternehmen auf seiner Webseite erläutert. Nach zwei Jahren verdienten sie durchschnittlich rund 2.397 Euro brutto im Monat.

Kritik von der Gewerkschaft

Doch das Unternehmen steht wegen seiner Beschäftigungsverhältnisse auch immer wieder in der Kritik. So fordert etwa die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi seit langem für die Beschäftigten in Amazons Logistikzentren einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels.  An mehreren Standorten hatte die Gewerkschaft in den vergangenen Jahren zu Streiks der Mitarbeiter aufgerufen. Zuletzt war das Unternehmen wegen derVernichtung neuwertiger Waren nach deren Rücksendung in die Kritik geraten. (mit dpa)