Mostereien in Potsdam-Mittelmark : Vom Baum in die Flasche

Ohne Termin geht nichts mehr: Regionale Mostereien erleben dank der reichen Apfelernte ein gutes Jahr.

Gudrun Janicke
Saftig. Angelika Thierschmann stellt fertige Saftflaschen in Kisten.
Saftig. Angelika Thierschmann stellt fertige Saftflaschen in Kisten.Foto: B. Settnik/dpa

Werder (Havel)/Beelitz – Bis zu 16 Stunden für den Apfel im Einsatz: Angelika Thierschmann arbeitet seit 18 Jahren im Saftgeschäft. Ein so gutes Jahr wie dieses hat sie selten erlebt. Das ertragreiche Apfeljahr beschert deutschlandweit den Mostereien gute Geschäfte. Auch Thierschmanns Saftpressen im Werderaner Ortsteil Plötzin sind im Dauereinsatz – ständig kommen Kunden, um ihre Äpfel pressen zu lassen. Ohne Termin geht bei Thierschmanns nichts mehr.

Nicht nur in Werder ist derzeit Land unter: Laut dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie stoßen die bundesweit rund 360 Fruchtsafthersteller und Mostereien langsam an ihre Grenzen, können aber offenbar alles noch verarbeiten. So stehen Tanks, die rund 700 Millionen Liter fassen, bundesweit in den Firmen bereit. Ein großer Teil der Säfte wird von den Privatkunden jedoch gleich mit nach Hause genommen.

Fallobst kommt nicht in den Saft

Damit der Apfelsaft später schmeckt, braucht es ein aufmerksames Auge. Nur die guten Äpfel sollten verarbeitet werden, gibt Angelika Thierschmann ihren Kunden als Tipp mit. „Fallobst geht gar nicht.“ Wer damit bei ihr ankommt, muss die Äpfel wieder einpacken. Denn Fallobst sei oft unreif, Saft könne daraus nicht gepresst werden. „Achtet auf die Kerne: sie müssen braun sein“, empfiehlt Thierschmann für einen reibungslosen Ablauf beim Mosten. Jeder bekomme nach dem Mosten den Saft von seiner angelieferten Ware.

Die vitaminreichen Äpfel werden im vollbeladenen Fahrradanhänger, im Kofferraum eines Autos oder gleich mit dem Trekker gebracht. In Brandenburg bieten mehr als zwei Dutzend Lohnmostereien die Dienstleistung auf ihren Höfen an oder fahren mit mobilen Pressen dorthin, wo ihre Kunden sind. „Das Prinzip des Lohnobstes ist einfach: Für 100 Kilogramm Äpfel erhält man sofort etwa 60 Liter Fruchtsaft“, erläutert der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in Berlin-Brandenburg pro agro. Dafür müsse ein sogenannter Lohnaustauschpreis gezahlt werden. Oder der Kunde entscheide sich für einen Geldbetrag in bar für das Obst. Lohnmostereien bieten nach den Angaben viele Vorteile. Vor allem werden die in der Region typischen Apfelsorten verarbeitet.

1200 Tonnen Apfelsaft werden pro Saison in Hohenseefeld produziert

Eine etwas ungewöhnliche Annahmestelle gibt es in Beelitz. Wer seine Äpfel, Pflaumen, Quitten oder Birnen zu Saft verarbeiten möchte, kann sie auf dem Hof der Firma „Kaninchen und Spezialitäten Schmidt“ abgeben. Von dort aus wird das Obst einmal pro Woche in eine rund 60 Kilometer entfernte Mosterei nach Hohenseefeld im Nachbarkreis Teltow-Fläming gefahren. Dort hat die Werder Frucht eine ihrer Mostereien. Pro Saison werden in der Süßmost- und Weinkelterei in Hohenseefeld allein an Apfelsaft 1200 Tonnen produziert, hinzu kommen elf weitere Sorten Säfte und Nektare, aber auch Weine und Liköre. Das Obst dafür komme zu hundert Prozent aus der Region, heißt es aus der Mosterei.

Dass das Obst nur noch bei der Beelitzer Kaninchenfirma abgegeben werden kann, ist dem schlechten Sommer im vergangenen Jahr geschuldet. Einst hätte es rund 20 Annahmestellen in der Region gegeben, „im vergangenen Jahr haben aufgrund der schlechten Ernte viele geschlossen“, so die Beelitzer Unternehmerin Steffi Schmidt. Eine mobile Saftpresse vor Ort würde sich im Moment noch nicht rechnen, der Transport sei daher die bessere Alternative. Wer in Beelitz seine Äpfel abgibt, bekommt nicht sein eigenes Obst als Saft zurück, sondern erhält für den Ankaufspreis Säfte von Obst aus der Region.

Eine weitere, noch recht junge, Mosterei sitzt in Klein Glien bei Bad Belzig. Dort haben sich Sascha Gostynski und Boris Papprott für rund 70 000 Euro eine mobile Saftpresse angeschafft. Der Standort der Firma ist auf dem Hof des Coconat, einem Tagungs- und Arbeitsort für die Digitalszene. Sie verarbeiten dort übrigens auch Beeren zu Saft.

Weitere Informationen zu Preisen und Konditionen bietet die Lohnmosterei Thierschmann in Plötzin unter www.lohnmosterei-thierschmann.de; Infos zur mobilen Presse in Klein Glien gibt es unter www.mosterei-flaeming.de; Früchte werden in der Brücker Straße 89 in Beelitz noch bis Ende des Monats montags und dienstags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr angenommen.

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