KulTOUR : Das Eis und sein Licht

Gerold Paul

Kleinmachnow - Frostige Zeit im Landarbeiterhaus Kleinmachow „Z 200“. Warum? Weil die neue Ausstellung „Eisland“ mit aller Macht von kalten Farben und Formen beherrscht wird. Der Titel soll so viel bedeuten, wie man sich nur denken kann: Kälte innen und außen, in Politik und Kultur, der Jahreszeiten Wechsel, was immer noch sonst.

Alles kühl kalkulierte Absicht, sagt Rainer Ehrt, Gründungsmitglied des Kunstvereins „Die Brücke“: Einerseits solle „Eisland“ eine breite Assoziationsplattform für die Besucher schaffen, ausstellungswillige Mitglieder aber dazu bewegen, etwas Neues zu kreieren, statt nur in den Fundus zu greifen. Zum Teil ist dies geglückt, doch vielleicht gar nicht so wichtig, denn wenn gleich mal 18 Mitglieder „sich trauen“, ihr Eigenstes auszustellen, ist ja von allem etwas dabei, ob gelungen oder nicht. Gut jedenfalls, allen eine Chance zu geben, selbst bei kritischer Stirnrunzelei, schließlich ist hier von einer „Mitgliederausstellung“ die Rede.

Bilder aus dem Tiefkühlfach

Fotos und Fotoprint, Cartoon und Ermaltes, Öl, Aquarell und Acryl, Zeichnung, Wachs und Skulptur, der Werke sind so viele, dass selbst der hinterste Raum zum Ausstellen genutzt worden ist. Muss man sich „warm anziehen“, um das Eis und sein Licht in aller Vielfalt und Tiefe zu erkunden? Vielleicht. Heiner Ranke zum Beispiel hat das Thema in seinen Aquarellen betont heiter genommen: „Im Tiefkühlfach gemalt“ oder „Eisbecher Fata Morgana, Griechenland“ sind sie betitelt. Humor bringt immer Wärme heran. Petra Walter-Molls Fotoprints hingegen strahlen, gewollt, selbst noch im Eiszapfenland Eises Stimmungen ab. Oder jene Pyramide aus zersplittertem Glas mit dem Riss mittendrin, Dorothea Neumann hat sie gebaut. Ein Schmuckstück unter den kalten, und doch nur „Die Spitze des Eisbergs“. Auch Fridolin Frenzel ist wieder dabei, seine lebensgroße „Pinguin“-Silhouette räkelt sich ganz in Schwarz gegen das Himmelshell, sichtbar durch die Flucht aller Räume.

Von Fjord bis Schneesturm

Viel, viel anderes mehr: Fotografien aus Potsdam und aus Berlin von Peter Frenkel und Sigrid Aschayeri, Gletscher und Fjorde aus Ulrich Mohrs eigener Hand, der Eislande viel von Corinne Holthuizen-Habermann, „Feuer“ und „Schneesturm“ in Ilona Manthey-Konyens Arbeiten, Bettina Lehfeld aber wärmt ihre Füße mit Wachs und Leintuch. Wer zählt die Bilder, nennt der Namen alle! Eine sehr nordische Welt tut sich hier auf, manchmal fast schon vergessen. „Menschliches“ ist natürlich auch dabei, Kunst soll ja nach der Seele gehen, nicht nach dem Sinn. So weiht „annhoff“ ihr Triptychon einem in der Türkei festgesetzten Journalisten deutscher Herkunft, „Kälte“ zeigt ein warmes Frauengesicht, gut eingepackt. Nicht zuletzt der Spiritus rector von allem: Rainer Ehrt im „Narrenwinter“, das sind vier gewitzte Handzeichnungen. Etwa „Narrenbegräbnis", wo ein Künstler im offenen Sarg zu Grabe getragen wird, doch der grinst sich einen dabei. Julia Ehrt hält es lieber mit einem langen Zug von 25 seligen Pinguinen aus Birkenholz im Schnee.

Viel in Schwarz-weiß, viele fahle Farben. Eis und Licht und alles: Dergestalt ist Kleinmachnows „Eisland“ eine fast herzerwärmende Ausstellung geworden. Es wird ja immer kälter im Land. 

„Eisland“ im „Z 200“ Kleinmachnow, Zehlendorfer Damm 200, bis 14. Januar Sa. und So., 14-18 Uhr

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