Kommunalwahl in Potsdam-Mittelmark : Grüne sind Wahlsieger in Potsdam-Mittelmark

Eine hohe Wahlbeteiligung, Verluste für die großen Parteien und Mehrheiten, die viel Bewegung versprechen: Die Mittelmark hat gewählt.

Lange Listen: Die Mittelmärker wählten das Europaparlament, den Kreistag und Kommunalparlamente. 
Lange Listen: Die Mittelmärker wählten das Europaparlament, den Kreistag und Kommunalparlamente. Foto: Manfred Thomas Tsp

Es war eine lange Wahlnacht, bis in den frühen Morgen wurde in Mittelmarks Kommunen ausgezählt. Die Ergebnisse sind teilweise sehr überraschend. Gewinner der mittelmärkischen Kommunalwahl sind die Grünen. Auffallend war auch die hohe Wahlbeteiligung. Die PNN geben einen Überblick. 


Teltow als SPD Hochburg wackelt

Die Teltower Sozialdemokraten werden zwar die Mehrheit der Abgeordneten im neuen Stadtparlament stellen, doch der Rückhalt für die SPD schwindet. Sie kam nur noch auf 20,3 Prozent und verlor im Vergleich zum Wahljahr 2014 neun Prozentpunkte. Die Rechtspopulisten der AfD kamen in Teltow aus dem Stand auf 9,3 Prozent, 2014 traten sie nicht an. Damit ist die Teltower AfD mit ihren zwei Kandidaten die Partei mit den höchsten Gewinnen. Spitzenkandidatin Ellen Stegmann, die im kreisweiten Kita-Elternneirat sitzt, hat zudem die meisten Stimmen aller Kandidaten auf sich vereint. 2358 Mal wurde ihr Name angekreuzt. 

Zweitstärkste Kraft in Teltow sind die Grünen, die um rund sieben Prozentpunkte auf 16,8 Prozent zulegten. Wie die CDU (14,6 Prozent) werden sie nun fünf Sitze bekommen. Das gute Abschneiden der Grünen ist ein Signal: Vielen Teltower geht das Wachstum der Stadt zu schnell, sie bangen um die wenigen Grünflächen. Die SPD hingegen setzte im Wahlkampf auf sozialen Wohnungsbau und damit auf weiteres Wachstum. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,5 Prozent, deutlich mehr als 2014. Damals stimmten nur 47,3 Prozent der Wahlberechtigten ab. 

Kleinmachnow wählt grün

Mit 24,6 Prozent und sieben Sitzen stellen die Grünen im Kleinmachnower Gemeindeparlament die Mehrheit. Bereits seit 2008 steigen sie auf – in beachtlichen Sechs-Prozent-Schritten. CDU und SPD teilen sich mit 19 Prozent den zweiten Platz. Drittstärkste Kraft mit 9,4 Prozent ist die Wählergruppe Bürger für gute Lebensqualität in Kleinmachnow (BIK), danach folgen die Linken mit 8,8 Prozent. Die AfD fährt mit 5,8 Prozent ihr niedrigstes Ergebnis im Vergleich zu anderen Potsdamer Umlandkommunen ein. 

Schließen sich Grüne, SPD und Linke zusammen, haben sie 15 Stimmen und damit die Mehrheit der 28 Sitze umfassenden Gemeindevertretung. Kleinmachnow war erneut Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung, sie lag bei 77,8 Prozent. 

In Stahnsdorf wurde bis Montagmorgen 6 Uhr ausgezählt.  
In Stahnsdorf wurde bis Montagmorgen 6 Uhr ausgezählt.  Foto: Manfred Thomas

Bürgermeister-Bonus in Stahnsdorf 

Er ist zwar Bürgermeister von Stahnsdorf, doch hat Bernd Albers mit seiner Scheinkandidatur für seine Wählervereinigung Bürger für Bürger (BfB) die meisten Stimmen geholt. Seine Wählergruppe kam ähnlich wie bei der Wahl im Jahr 2014 und 2008 auf 28,5 Prozent und wird acht Sitze bekommen. Zweitstärkste Kraft ist die CDU mit 16,9 Prozent, an dritter Stelle kommen die Grünen mit 10,3 Prozent. Sie überholen die SPD, die nun auf dem vierten Platz landet. Die ewigen Patt-Situationen im Stahnsdorfer Gemeindeparlament wird mit diesen Ergebnissen vermutlich nicht beendet sein. Erneut wird es nur knappe Mehrheiten geben: in der Feuerwehrdebatte jedoch scheint es so, dass die Vertreter für eine Depot an der Annastraße jetzt die Mehrheit haben. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,5 Prozent – so hoch wie nie. 

Werder wird bunter

Die Stadt an der Havel bleibt ihrem ehemaligen CDU-Bürgermeister treu. Werner Große konnte mit deutlichem Abstand zu den anderen 150 Kandidaten die meisten Stimmen auf sich vereinen. 4291 Mal wurde für ihn das Kreuz gemacht. Die CDU ist damit in Werder weiterhin stärkste Kraft, doch hat sie deutliche Verluste einzustecken. Sie rutschte im Vergleich zu 2014 um 16 Prozentpunkte ab – das sind mit Blick auf andere Kommunen und Parteien mit die höchsten Einbußen. Gewinner der Wahl sind die Grünen, sie konnten ihr Ergebnis von 2014 mit 11,7 Prozent fast verdoppeln. Ebenso die AfD mit jetzt 9,6 Prozent. Ex–AfD-Mitglied Steffen Königer verpasste den Einzug in das Stadtparlament. Indes ziehen zwei Abgeordnete der Stadtmitgestalter ein. Die Wählergruppe kritisiert vor allem den Thermenbau. 

Michendorfer Politik wird abgestraft

Es ist die große Überraschung dieser Wahl: Das Michendorfer Bürgerbündnis hat aus dem Stand heraus die meisten Stimmen auf sich vereinen können (19 Prozent) und löst damit die CDU ab. Zweitstärkste Kraft sind die Grünen mit 17 Prozent. Während sich die bisherigen Gemeindevertreter zuletzt mit immer härteren Bandagen bekämpften, warben die Wahlgewinner, das Bündnis für Michendorf, mit mehr Sach- statt Parteipolitik. SPD und CDU erlitten herbe Verluste, die CDU rutschte trotz ihres Spitzenkandidaten Bürgermeister Reinhard Mirbach um acht Prozentpunkte auf 17 Prozent ab, die SPD verlor sechs Prozentpunkte und kam auf 10,4 Prozent. Deutlicher Verlierer ist auch die Wählergemeinschaft FBL/UWG. Sie erhielt nur noch 9,6 Prozent der Stimmen, im Jahr 2014 waren es noch 23,7 Prozent. Erstmals wird die AfD im Gemeindeparlament sitzen, sie kamen aus dem Stand auf 10,6 Prozent und fuhren ihr bestes Ergebnis in den Potsdamer Umlandkommunen ein. Eine weitere Überraschung: Mit 71,8 Prozent hat sich die Wahlbeteiligung zu 2014 mehr als verdoppelt. 

Im letzten Moment: Eine Teltowerin wirft ihre Briefwahlunterlagen am Sonntag ein. 
Im letzten Moment: Eine Teltowerin wirft ihre Briefwahlunterlagen am Sonntag ein. Eva Schmid

Es bleibt beim Alten in Schwielowsee

Die Listenvereinigung aus CDU/FDP/UBS ist Gewinner in Schwielowsee, für sie stimmten 31,8 Prozent der Wähler. Zweitstärkste Kraft ist das Bürgerbündnis Schwielowsee mit 28,8 Prozent. Das entspricht den Ergebnissen der vergangenen Wahl. Auf den dritten Platz kommen die Grünen mit 13,4 Prozent, ein Gewinn um fünf Prozentpunkte. 

Nuthetal auf Linke-Kurs

Die Linken gewinnen schon fast traditionell in Nuthetal, doch mussten sie deutlich Federn lassen. Sie rutschten im Vergleich zu 2014 um 6,4 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent ab. Das Rennen um den zweiten Platz fiel knapp aus: die SPD kam auf 20,2 Prozent, Bürger für Nuthetal auf 20,1 Prozent. Die CDU erhielt 14,5 Prozent. Die est in diesem Jahr gegründete Wählergruppe Aktiv in Vereinen schaffte es auf 4,6 Prozent. Die einzige Kandidatin der AfD, Dorit Hillmann, zieht auch in die Nuthetaler Gemeindevertretung ein, sie erreichte aus dem Stand 8,8 Prozent. 

Auch Beelitz wird grüner 

Die Grünen sind die Wahlsieger in Beelitz, sie landeten zwar nur auf dem vierten Platz, konnten ihr Ergebnis mit 13 Prozent zu 2014 aber verdoppeln. Stärkste Kraft ist erneut das Unabhängige Kommunalbündnis, zu dem auch Bürgermeister Bernhard Knuth gehört. Sie kamen auf 28,6 Prozent. Zweitstärkste Kraft ist die CDU (18,67 Prozent), dicht gefolgt von der Wählergruppe Gemeinsam für Beelitz. Sie kam auf 16,42 Prozent. 

Seddiner See setzt auf Freie Wähler

BVB/Freie Wähler sind mit 27,1 Prozent stärkste Kraft. Die Linken kommen auf 22,2 Prozent, die Wählergruppe UWGS auf 21,1 Prozent.