Knutschen für die Kultur : Kleinmachnower Kammerspiele planen Kuss-Film

Die Kammerspiele planen einen eigenen kleinen Film mit Kleinmachnower Kuss-Szenen. Das Kino setzt auf rege Beteiligung der Anwohner.

Eine Szene aus dem vergangenen Sommer: Besucher auf dem Weg in die Neuen Kammerspiele.
Eine Szene aus dem vergangenen Sommer: Besucher auf dem Weg in die Neuen Kammerspiele.Foto: Manfred Thomas

Kleinmachnow - Küssen ausdrücklich erwünscht – den Partner, die Mama, die Kinder, den heißgeliebten Teddy oder die eigene Katze. Die Neuen Kammerspiele Kleinmachnow haben vor einigen Tagen einen Aufruf gestartet und bitten alle Kleinmachnower, einen kleinen Film, möglichst in schwarz-weiß, von sich beim Küssen ihrer Liebsten – natürlich nur in der eigenen Hausgemeinschaft – zu drehen. Die so gesammelten Kuss-Szenen sollen für einen eigenen Film zusammengeschnitten werden, der nach der Wiedereröffnung auf der großen Leinwand gezeigt werden soll.

Die Idee sei eine Anlehnung an den italienischen Film „Nuovo Cinema Paradiso“ – eine Hommage an das Kino und das Filmemachen, sagt Kinoleiterin Valeska Hanel. Erzählt wird die Geschichte des Filmemachers Salvatore di Vita, der nach vielen Jahren in sein Dorf zurückkehrt, wo er seine Kindheit und Jugend in einem alten Kino verbracht hat. In der Schlussszene schaut sich Salvatore in jenem Kino aneinandergereihte Kuss-Szenen an, die der mittlerweile verstorbene Filmvorführer Alfredo einst aus jedem Film schneiden musste. Da alle jetzt zu Hause bleiben sollen, können die Kleinmachnower mit der Aktion ihre Verbundenheit mit ihrem Kino, aber auch Nähe in Zeiten von Social Distancing zeigen.

Valeska Hanel.
Valeska Hanel.Foto: Eva Schmid

25.000 Euro Soforthilfe

Seit Beginn der Coronakrise versucht das Team der Kammerspiele, seinen treuen Gästen weiterhin Kultur zu bieten. So werden auf der eigenen Facebook-Seite etwa lustige Gedichte, eigene Filmchen oder Podcasts von Gästen, die in diesen Tagen in den Kammerspielen aufgetreten wären, veröffentlicht. Erst am Sonntag gab Ilona Nymoen ein kleines Opernkonzert auf der Bühne der Kammerspiele, das per Video geteilt wurde.

In der derzeitigen Situation, wo niemand auftreten kann und die Häuser geschlossen sind, werde vielen erst richtig bewusst, wie wichtig die Kultur sei. „Und man merkt auch, wie wichtig die Kultur ist, um das Ganze überhaupt auszuhalten“, so Hanel. Die Kammerspiele hätten sehr viel Unterstützung erfahren. Seit das Haus schließen musste, sind rund 30 neue Genossen und Genossinnen dazu gekommen. Viele hätten außerdem Gutscheine für künftige Veranstaltungen gekauft, ebenso wie Tickets für eine geplante Wiedereröffnungsparty. 

Über das Medienboard Berlin-Brandenburg habe es Soforthilfe in Höhe von 10.000 Euro gegeben, von der ILB noch einmal 15.000 Euro. Und die Gemeinde habe ihre vierteljährliche Förderung früher gezahlt als sonst. „Ich denke, dass wir aufgrund der großen Unterstützung uns vorläufig keine Angst um unsere Existenz machen müssen“, sagt Hanel.

Die Kleinmachnower können ihre Kuss-Videos noch bis zum 15. April an [email protected] oder per Whatsapp oder iMessage an Tel.: 0176 707 99 001 schicken. 

+++ Das hilft der Kultur +++

Ausgefallene Veranstaltungen, geschlossene Kinos, Theater und Bühnen – viele Kultureinrichtungen trifft die Coronakrise hart. Besonders die kleinen Häuser der Mittelmark sind auf die Hilfe ihrer Gäste angewiesen. Einige bieten deshalb die Möglichkeit jetzt Gutscheine für künftige Veranstaltungen zu kaufen. Etwa das Werderaner Scala Kino oder die Volksbühne Michendorf. 

Beide Einrichtungen haben außerdem Spendenaktionen ins Leben gerufen. Bislang sind für das Scala 1258 Euro zusammen gekommen, für die Volksbühne 1566 Euro. Wer einen Gutschein kaufen oder Spenden möchte, kann dies über die jeweilige Webseite machen, www.volksbühnemichendorf.de oder https://scala-werder.de/mehr/foerderverein. Auch auf der Plattform Startnext wird für beide gesammelt.

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