Kleinmachnow : Rückschlag auf dem Weg zum Museum

Kleinmachnow opfert eine geplante Ausstellung dem Sparzwang. Derweil entsteht ein Nutzungskonzept für das Gemeindehaus

Kein Geld mehr. Kuratorin Wolff wird keine Ausstellung mehr organisieren.
Kein Geld mehr. Kuratorin Wolff wird keine Ausstellung mehr organisieren.Foto: S. Schuster

Kleinmachnow - Kleinmachnows Kommunalpolitiker haben den Rotstift angesetzt und das für 2020 geplante Museumsprojekt aus dem Haushalt gestrichen. Bereits im vergangenen Dezember hatten sie sich entschlossen, mit dem sanierungsbedürftigen Sommerfeldhaus in der Karl-Marx-Straße 117 eines ihrer historischen Kulturobjekte für private Zwecke aus der Hand zu geben. Zweimal hatten dort zuletzt Museumsinitiative, Heimatverein und Kleinmachnower partizipative Themenausstellungen organisiert. Doch auch diese soll es nun vorerst nicht mehr geben.

In seiner jüngsten Sitzung sprach sich Kleinmachnows Hauptausschuss mehrheitlich dagegen aus, eine solche Ausstellung erneut zu finanzieren. Diese war zum 100-jährigen Gemeindejubiläum im Jahr 2020 geplant. Insgesamt sollte Kleinmachnow dafür in diesem und den kommenden beiden Jahren 210 000 Euro zur Verfügung stellen.

Nun wurde das Projekt dem Sparzwang geopfert. Wie berichtet muss Kleinmachnow in diesem Jahr mit deutlich geringeren Schlüsselzuweisungen auskommen. Dadurch würden rund eine Million Euro in der Haushaltskasse fehlen. „Angesichts dessen müssen freiwillige Ausgaben kritisch betrachtet werden“, erklärte Kleinmachnows Gemeindesprecherin Martina Bellack. Aufgrund des negativen Votums des Hauptausschusses hätte Bürgermeister Michael Grubert (SPD) entschieden, die Vorlage in der Gemeindevertretung nicht nochmals auf den Tisch zu bringen. Er wolle aber den Dialog aufrechterhalten, erklärte er.

Heimatverein sieht sich in der Lage, für 2020 eine repräsentative Ausstellung zu konzipieren

Die partizipativen Projektausstellungen, die zuletzt unter Leitung der Berliner Kuratorin Alexis Hyman Wolff in dem ehemaligen Verkaufsbüro der Sommerfeld-Siedlung entstanden waren, sollten den Weg zu dem in der Gemeinde schon lange gewünschten Museum ebnen. Auch die geplante Jubiläumsausstellung diente diesem Zweck. „Auf allen Seiten ist schon eine Menge Zeit, Energie und Geld in das Projekt geflossen“, sagte Sabine Käferstein, Sprecherin der Museumsinitiative. Mit der nun getroffenen Entscheidung gerate die Entwicklung des Museums ins Stocken, erklärte sie.

Auch Kleinmachnows Heimatverein bedauert, dass die Gelder für das Museumsprojekt abgelehnt worden sind. Die Initiative habe aber in den letzten beiden Jahren weder einen Verein gegründet, noch sei sie bereit gewesen, unter dem Schirm des Heimatvereins als selbstständige Arbeitsgruppe eine belastbare Organisationsform zu schaffen, sagte der Vereinsvorsitzende Axel Mueller. Museumsskeptische Gemeindevertreter würden daher anscheinend keinen Anlass sehen, diese Menge Geld zu bewilligen, sagt er.

Der Heimatverein sei in der Lage, für 2020 eine repräsentative Ausstellung zu konzipieren, erklärte Axel Mueller. Allerdings fehle ohne Kuratorin die fachliche Unterstützung. Dieser Ansicht ist auch die Museumsinitiative: „Trotz ehrenamtlichen Engagements braucht der Museumsaufbau und -betrieb eine professionelle Begleitung“, betonte Sprecherin Käferstein. Die Museumsinitiative werde sich auch weiterhin für ein lebendiges Museum, das zugleich Diskursraum für Kleinmachnow sein soll, starkmachen, erklärte sie. Jedoch sei noch unklar in welcher Form.

Das ehemalige Ausstellungshaus in der Karl-Marx-Straße soll demnächst öffentlich ausgeschrieben werden

Nach Vorstellungen des Heimatvereins soll das Museum mittelfristig im ehemaligen Gemeindezentrum der Evangelischen Auferstehungskirche im Jägerstieg 2 entstehen. Die Gemeinde Kleinmachnow werde das Haus übernehmen, sobald es die Kirche komplett geräumt hat, erklärte Bürgermeister Grubert. Aller Voraussicht nach im Mai. Nach einer detaillierten Bestandsaufnahme werde das Gebäude dann sukzessive saniert, so Grubert. Bis zur abgeschlossenen Renovierung werde zwar noch niemand fest in das Haus einziehen, dennoch könne es bereits ab Sommer temporär genutzt werden, sagte der Bürgermeister. Derzeit bereite eine Arbeitsgruppe aus Gemeindevertretern und von Kleinmachnower Vereinen zudem ein Nutzungskonzept für die Kirche vor, die am Osterwochenende mit einem letzten Gottesdienst entwidmet werden soll. Das Konzept soll noch vor der Sommerpause präsentiert werden.

Das ehemalige Ausstellungshaus in der Karl-Marx-Straße wird indes demnächst öffentlich ausgeschrieben, so Grubert. Nachdem zunächst ein Wertgutachten erstellt worden war, beabsichtigt die Gemeinde, das denkmalgeschützte Holzhaus in Kürze in Erbbaupacht an einen privaten Interessenten abzutreten.