Kleinmachnow : Hochmotivierte Sprachtalente

Ein Kleinmachnower Unternehmen zeigt, wie Integration von Geflüchteten funktionieren kann.

Foto: Andreas Klaer

Kleinmachnow - Im Labor neben dem Eingang füllt eine junge Frau im weißen Kittel Küchenkräuter in ein Reagenzglas. Sie ist eine von 40 Mitarbeitern, die im Kleinmachnower Hauptsitz des deutsch-spanischen Unternehmens Analytica Alimentaria Lebensmittel kontrollieren, bevor diese in den Handel gehen. Nachdem die Ergebnisse vorliegen, kümmert sich ihr Kollege Wassim Al Ali darum, die Werte mit Gesetzen und Bestimmungen abzugleichen und daraus einen Prüfbericht für den Kunden zu erstellen. So weit, so gewöhnlich – wäre der 33-Jährige Al Ali nicht syrischer Flüchtling, der erst seit einem guten Jahr in Deutschland lebt. In der kurzen Zeit hat sich der studierte Agraringenieur aus der westsyrischen Stadt Homs außergewöhnlich gute Deutschkenntnisse angeeignet. Daneben konnte er auch mit fachlicher Expertise überzeugen: „Ich habe in Syrien schon neun Jahre lang in der Lebensmittelsicherheit gearbeitet“, erzählte Al Ali am Donnerstag anlässlich eines Besuchs von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) in der Firma. Schon seit März 2016 ist Al Ali bei Analytica Alimentaria als Fachkraft für Qualitätsmanagement und Prüfberichte fest angestellt.

Spanisch, Deutsch, Englisch als Arbeitssprachen

Das Unternehmen beschäftigt international mehr als 130 Mitarbeiter, 20 verschiedene Nationalitäten sind vertreten. „Hier in Kleinmachnow sind unsere Arbeitssprachen in der Regel Spanisch, Deutsch und, wenn das nicht reicht, Englisch“, sagt Geschäftsführer Udo Lampe. Er hat die Firma gemeinsam mit seiner Frau Maria del Mar Ridao Dominguez, einer gebürtigen Spanierin, 2008 in Almeria gegründet. Im Jahr 2012 zog das Paar mit der gemeinsamen Tochter ins „mittelstandsfreundliche Kleinmachnow“, wie Lampe es ausdrückt, und eröffnete dort den neuen Hauptstandort der Firma.

Dass sie geflüchtete Menschen beschäftigen, ist für das Ehepaar eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben die Möglichkeit, ganz einfach einen Beitrag zu leisten – da sollten wir das auch tun“, sagt Lampe. Außer Wassim Al Ali gibt es noch einen zweiten geflüchteten Syrer, der fest angestellt wurde. Ein weiterer junger Geflüchteter aus Eritrea und ein junger Pakistani absolvieren in dem Unternehmen eine Ausbildung. Ebenso wie Wassim Al Ali lernen auch sie neben der Arbeit fleißig Deutsch und haben sich schnell in ihrer neuen Heimatstadt zurechtgefunden. Der pakistanische Auszubildende habe anfangs täglich vom Übergangswohnheim in Luckenwalde nach Kleinmachnow radeln müssen, erzählt Udo Lampe. „Wir haben uns dann dafür eingesetzt, dass er eine Unterkunft in Kleinmachnow bekommt, da wir ja schließlich einen konzentrierten, ausgeschlafenen Mitarbeiter möchten.“ Nachdem sich die Behörden zunächst gesträubt hätten, fand sich schließlich doch eine Lösung.

Integration bei Analytica Alimentaria

Der Geschäftsführer versteht sich nicht nur als Chef, sondern auch als persönlicher Mentor der Geflüchteten: „Integration funktioniert letztendlich ja nicht über Kurse, sondern über Begegnungen und Kontakt zu den Menschen im neuen Heimatland.“ Das sieht auch Wassim Al Ali so. Um Kontakte zu knüpfen, geht er regelmäßig nach Potsdam ins „Café der Begegnungen“ der Evangelischen Gemeinde in der Karl-Liebknecht-Straße, einem Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische. Dort lernte er auch die SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle kennen und entschied sich, selbst in die Potsdamer SPD einzutreten. Er wolle sich gut integrieren und die Asylpolitik in Deutschland mitgestalten, sagt der 33-Jährige.

Die Integration bei Analytica Alimentaria findet Manja Schüle vorbildlich: „Viele Firmen scheinen Lob dafür zu erwarten, dass sie sich in diesem Bereich engagieren – hier ist das einfach ein selbstverständlicher Bestandteil der Unternehmenskultur.“ Udo Lampe hat dabei durchaus auch die eigenen wirtschaftlichen Ziele im Blick. Im kommenden Jahr planen seine Frau und er, die Räumlichkeiten in der Fahrenheitstraße deutlich zu erweitern. Es soll ein zweites Stockwerk für zusätzliche Labore und Büros entstehen, außerdem wollen die Geschäftsführer mehrere Tausend Quadratmeter des angrenzenden Grundstücks als Lagerfläche hinzukaufen. Das Unternehmen hat sich einen guten Ruf erarbeitet und wird darum bald zusätzliche Kapazitäten für seine Aufträge brauchen.

Internationalisierung der Märkte

„Für die Zukunft von Analytica Alimentaria brauchen wir immer mehr gute Fachkräfte, die wir teilweise hierzulande nicht mehr finden“, sagt Lampe. „Außerdem wird es durch die Internationalisierung der Märkte immer wichtiger, Angestellte zu haben, die sich mit Sprache auskennen: Philologen und Übersetzer beispielsweise.“ Mit anderen Worten: Die Firma wird immer mehr hochmotivierte, gut ausgebildete und sprachtalentierte Mitarbeiter wie Wassim Al Ali brauchen.