Kitas in Coronazeiten : Betreuung am Limit

Mittelmärkische Kommunen stehen einer weiteren Kitaöffnung kritisch gegenüber.

Wieder für alle offen? Ob die Kita im Stahnsdorfer Ortsteil Güterfelde wie auch andere Kitas im Kreis ihre Türen für weitaus mehr Kinder als bisher öffnen, ist derzeit noch unklar. Die Landkreisverwaltung will sich dazu am heutigen Mittwoch beraten.
Wieder für alle offen? Ob die Kita im Stahnsdorfer Ortsteil Güterfelde wie auch andere Kitas im Kreis ihre Türen für weitaus mehr...Foto: Ottmar Winter

Die Kommunen und Kreise in Brandenburg können ab sofort selbst entscheiden, in wie weit sie ihre Kitas wieder öffnen wollen. Das hat die brandenburgische Landesregierung am Dienstag beschlossen. Doch eine Rückkehr zum Regelbetrieb bedeutet die Entscheidung nicht – aufgrund der weiterhin geltenden Maßnahmen zum Infektionsschutz. Der Rechtsanspruch auf Notfallbetreuung soll weiterhin gelten, heißt es in der Pressemitteilung des Bildungsministeriums. Zudem werde für weitere Kinder berufstätiger Eltern ein eingeschränkter Rechtsanspruch geschaffen.

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Krisenstab kommt zusammen

Wie der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit der neuen Regelung umgehen wird, war am Dienstag noch nicht ganz klar. Der Krisenstab werde sich am Mittwoch zusammensetzen und gemeinsam mit dem zuständigen Fachdienst weitere Schritte erörtern, teilte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert mit.

Wie berichtet hatte der Landkreis Märkisch-Oderland am Montag beschlossen, ab dem 25. Mai alle Kindertagesstätten im Normalbetrieb für alle Kinder zu öffnen. In Potsdam-Mittelmark sei die Lage jedoch eine andere, so Schwinzert. Märkisch-Oderland vermeldete am Montag 201 bestätigte Infektionen, davon sind bereits 195 Personen genesen. Potsdam-Mittelmark zählte hingegen am Dienstag 512 Fälle, bislang gelten im Kreis 271 Menschen als genesen. Zudem hatten viele Kommunen des Kreises auf PNN-Anfrage Zweifel daran geäußert, eine tageweise Betreuung für alle Kitakinder unter den nach wie vor geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen umsetzen zu können.

Etliche Erzieher gehören zur Risikogruppe

Bereits jetzt stoßen viele Kommunen im Potsdamer Umland mit der erweiterten Notbetreuung an ihre Belastungsgrenzen. Es fehlt an räumlichen und personellen Kapazitäten: Die Gruppen wurde aufgrund der Coronaregeln verkleinert, etliche Erzieher gehören zu den Risikogruppen und fallen damit weg. Die Einrichtungen haben daher bereits jetzt schon keine weiteren Kapazitäten mehr, hieß es aus den mittelmärkischen Rathäusern gegenüber den PNN. „Wir können keine weiteren Kinder aufnehmen, alle Einrichtungen sind bei den geltenden Abstands- und Hygieneregeln komplett ausgelastet. Mit den bisherigen Lockerungen ist die Notbetreuung gegenüber der Regelbetreuung von anfangs 13 auf bereits fast 40 Prozent gestiegen“, teilte etwa Werders 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) auf Anfrage mit. Müsste die Stadt eine tageweise eingeschränkte Regelbetreuung für alle Kinder anbieten, wäre eine monatelange Vorbereitung nötig, um die Betreuung organisatorisch, personell, räumlich, hygienisch und rechtssicher vorzubereiten, so Große. Die Stadt Werder kann zudem keine zusätzlichen Räume zur Verfügung stellen, wie vom Ministerium zum Beispiel in Gemeindehäusern geplant. Der Grund: Die für Kitas und Horte geltenden, strengen rechtlichen Anforderungen, etwa beim Brandschutz und den Sanitäranlagen, können nicht einfach so geschaffen werden. Kitaplätze halbtags zu teilen, käme zudem aus hygienischen Gründen und wegen Personalmangels nicht in Frage, so Große.

Immenser Aufwand

Auch Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) erklärte, dass die Gemeinde räumlich und personell an ihre Grenzen stoße. Derzeit liege die Belegung für die Notbetreuung bei 40 Prozent. Nur in einer der fünf Einrichtung der Gemeinde stünden noch Plätze zur Verfügung. Eine tageweise Betreuung sei auch in Schwielowsee nicht umsetzbar. „Der organisatorische Aufwand ist immens und der Nutzen für ein zweijähriges Kind für vier Stunden pro Woche die Kita zu besuchen, stellen wir in Frage“, so Hoppe. Pädagogisch sei das nicht sinnvoll.

Ähnliche Probleme nannten auch die Kommunen Stahnsdorf, Michendorf und Nuthetal. So gilt etwa in Michendorf an neun von elf Einrichtungen derzeit bereits ein Aufnahmestopp. Um den Eltern entgegenzukommen, will etwa Nuthetal den Landkreis anfragen, ob eine doppelte Vergabe von Plätzen, bei Inanspruchnahme der Betreuungszeit an verschiedenen Tagen in der Woche möglich wäre, wie die Gemeinde mitteilte. In Michendorf, Teltow und in Stahnsdorf sollen die Sommerschließzeiten in den Einrichtungen in diesem Jahr ausgesetzt werden, um Eltern zu entlasten.

Nur in Teltow ist die Lage derzeit noch etwas entspannter. Bisher sei die Notbetreuung in den Einrichtungen des Kita-Eigenbetriebs „Menschenskinder Teltow“ reibungslos verlaufen, teilte Stadtsprecher Jürgen Stich mit. Derzeit liege die Belegung bei rund 25 Prozent. Die Stadt könnte rund 40 bis 50 Prozent der Kinder in der Notbetreuung unterbringen. Auch auf eine tageweise Regelung sei man vorbereitet, sagte Stich. Auf mehr Räume und Personal sei man nicht angewiesen. Ob die Betreuung in Teltow nun ausgeweitet wird, ist jedoch noch offen.

Kind einer Erzieherin infiziert

Wie schwierig der Balanceakt zwischen Lockerungen und dem Schutz vor neuen Ansteckungen ist, zeigen die beiden Fälle in der Gemeinde Kloster Lehnin. Wie berichtet wurde am Sonntag eine Fünftklässlerin aus der Damsdorfer Grundschule positiv auf das Coronavirus getestet. 16 Schüler mit der Fünftklässlerin, die Lehrerin und die Familie der Schülerin sind bis zum 29. Mai in Quarantäne, wie das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark mitteilte. Die Schülerin ist das Kind einer Erzieherin, die in einer Kita in Reckahn arbeitet. Die Erzieherin wurde bereits am Freitag vergangener Woche positiv getestet und die Kita daraufhin geschlossen. Acht Kitakinder und vier Erwachsene mussten in Quarantäne.

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