Haveltherme in Werder : Kritik an Vertragsabschluss mit Thermeninvestor

Nur der Badausschuss, nicht das Stadtparlament soll den fertigen Vertrag mit Werders neuem Partner fürs Bad beschließen.

Karibikflair auf dem Zernsee. In der Sauna, die auf dem Wasser gebaut werden soll, ist auch ein Restaurant geplant. Der Bau muss von der Naturschutzbehörde noch genehmigt werden. Die Therme in den Havelauen soll insgesamt jährlich 285 000 Gäste anziehen und im Frühjahr 2021 eröffnen. Visualisierung: Schauer & Co GmbH
Karibikflair auf dem Zernsee. In der Sauna, die auf dem Wasser gebaut werden soll, ist auch ein Restaurant geplant. Der Bau muss...

Werder (Havel) – Die Entscheidung ist gefallen, aber noch nicht in trockenen Tüchern. Am Mittwochabend haben 20 von 28 Werderaner Stadtverordneten dafür gestimmt, Andreas Schauer den Zuschlag für das Bad in den Havelauen zu geben. Er will bis 2021 die Therme fertigstellen und im Anschluss betreiben. Die Bürgermeisterin soll die entsprechenden Verträge mit Schauer schließen und umsetzen, heißt es weiter in dem Beschluss. Doch ein Türchen ist noch offen, und das sorgt bei der Opposition für Verwirrung.

So soll der dann fertig ausgehandelte Vertrag dem Badausschuss „zur Beschlussfassung vorgelegt werden“, heißt es in dem Dokument der Verwaltung. Das soll vermutlich noch im August erfolgen. Aus dem Rathaus heißt es dazu, dass Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) den Stadtverordneten damit entgegenkommen möchte. Das Sicherheitsbedürfnis sei groß, nachdem man zuvor Schiffbruch mit dem vorherigen Investor, dem Betreiber der Kristall Bäder AG, erlitten hatte.

Doch kann ein einfacher Ausschuss mit sieben Mitgliedern, deren Zusammensetzung in etwa den Verhältnissen im Stadtparlament entspricht, überhaupt das letzte Wort haben? Der Vize-Fraktionschef der CDU, Peter Kreilinger, der auch Vizevorsitzender im Badausschuss ist, sieht darin kein Problem: „Die Hauptabstimmung hat es ja schon in der Stadtverordnetenversammlung gegeben“, so Kreilinger. Mit dem Beschluss des Badausschusses soll lediglich sichergestellt werden, „dass Herr Schauer in der Schlussrunde nicht übertreibt“. Im Zweifelsfall könnte der Vertrag noch platzen, aber davon gehe er nicht aus, so Kreilinger.

SPD-Fraktionschef Robert Dambon sieht das anders: So seien wichtige Punkte, wie unter anderem die Frage, wer die Versicherung gegen Brand, Hochwasser und ähnliches zahle, noch nicht geklärt. Daher wolle er als Mitglied des Stadtparlaments auf jeden Fall den fertig ausgehandelten Vertrag sehen und darüber abstimmen. „Das wird so bisher auch mit Verträgen von geringerer Bedeutung gemacht.“ Dambon kündigte an, die Kommunalaufsicht einzuschalten. Sie soll prüfen, ob das geplante Vorgehen rechtens ist.

Ärger gibt es bei der Opposition auch über eine Werbebroschüre für die neue Therme. Die hatte Schauer für rund 7600 Euro erstellen lassen – und die Stadt hatte ihm angeboten, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Aus der Verwaltung heißt es, dass die Broschüre von Anfang an als gemeinsame Infoschrift geplant war. Die Stadt habe sich auf diesem Weg auch zu Wort melden wollen, um die Werderaner unter anderem über die Historie des Badbaus und das Konzept zu informieren.

Derweil hat Investor Andreas Schauer Informationen zum künftigen Betrieb bekanntgegeben. Schauer plant derzeit für einen zweistündigen Besuch des Thermen- und Saunabereichs einen Eintrittspreis zwischen 15,50 und 17,50 Euro. Mit den Einnahmen aus dem Wellness- und Saunabereich muss er den Betrieb des Sportbads querfinanzieren. Für das Sportbad hat ihm die Stadt Tarife von zwei bis drei Euro vorgegeben. Das Parken auf dem Gelände soll zwei Euro kosten. Weitere Preise seien noch in der Ausgestaltung.

Kinder sind zwar willkommen im neuen Bad, jedoch nicht zu jeder Uhrzeit. Vor allem in den Abendstunden, in denen die Gäste die Ruhe der Therme genießen wollen, solle es weniger turbulent zugehen. Schauer plant Familien- sowie Ruhezeiten einzuführen. So könnten die verschiedenen Zielgruppen ihren Badbesuch besser planen. Während der Schulsport die Nutzung des Sportbeckens vertraglich zugesichert bekommt, gilt das nicht für den Vereinssport. Schauer kündigte an, direkt mit den Vereinen zu verhandeln. Stadtsportbund-Chef Klaus-Dieter Bartsch begrüßte das und sprach von neuen Impulsen, die das Angebot in den Havelauen den Vereinen bringe.

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