• Große Unterstützung für ukrainische Familie: Beim Bäcker steht das Sparschwein

Große Unterstützung für ukrainische Familie : Beim Bäcker steht das Sparschwein

Seit Anfang März leben Galina Kuznebova und ihre Schwester samt Kindern in Fredersdorf - dort wurden sie herzlich aufgenommen.

Die siebenköpfige ukrainische Familie fühlt sich in Fredersdorf wohl.
Die siebenköpfige ukrainische Familie fühlt sich in Fredersdorf wohl.Foto: Andreas Klaer

Bad Belzig - Ursprünglich war es mal ein Schule, zwischenzeitlich ein Kindergarten, dann Dorfgemeinschaftshaus. Jetzt sind in dem zweigeschossigen Gebäude mit dem gelblichen Anstrich direkt hinter der Dorfkirche im Bad Belziger Ortsteil Fredersdorf Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht. Die Dorfgemeinde habe schnell Platz geschaffen, als sie von der Stadt angefragt worden sei, Menschen unterzubringen, sagt Dorfvorsteher Bodo Sternberg. „Am Samstag wurden wir gefragt. Am Sonntag war alles bereitgestellt.“

Im Gemeinderaum des Hauses wohnen jetzt Galina Kuznebova mit ihren zwei Kindern, den 13-jährigen Zwillinge Nikita und Kivilo sowie Galinas Schwester Viktoria Voinova, ihr achtjähriger Sohn Timov und Tochter Olga Kazakova mit Tochter Diana. Der große Raum wurde in der Mitte zweigeteilt: Vorne steht ein langer Esstisch. Im hinteren Teil des Raumes wurden Betten aufgestellt. In einem kleineren Raum nebenan befindet sich eine Teeküche.

Drei Tage lang war Galina mit ihrer Familie unterwegs

Seit Anfang März wohnt die Familie in Fredersdorf. Ursprünglich stammen sie aus Saporischschja im Osten der Ukraine. Bekannt wurde die Stadt, weil sie zum Sammelpunkt für Geflüchtete wurde, die aus umkämpften Gebieten wie der Stadt Mariupol flohen. Drei Tage lang war Galina mit ihrer Familie unterwegs: Erst ging es nach Polen. Von dort weiter nach Berlin. Dann zum Bahnhof Baitz in der Nähe von Fredersdorf, wo sie Sternberg mit dem Auto abholte.

Dorfvorsteher Bodo Sternberg hat die Zuflucht organisiert.
Dorfvorsteher Bodo Sternberg hat die Zuflucht organisiert.Fotos: Andreas Klaer

„Ich bin sehr froh, hier zu sein“, sagt Galina auf Russisch. Ilia Kupch, der vor Jahren ins Dorf gezogen ist und russische Wurzeln hat, übersetzt ihre Worte ins Deutsche. Das ganze Dorf sei wie eine Familie, sagt Galina. Ihre Schwester Viktoria ergänzt: „Wir sind glücklich, dass wir überall eingeladen werden.“ Freitags gehe Viktoria mit Sohn Timov zum Sport. Die beiden Schwestern nähmen an Handarbeitskursen teil. Auch gebe es Frauensport. Ob sie schon Freundschaften in dem Ort geschlossen haben? „Bekanntschaften. Keine Freunde“, sagt Galina. Sie überlegt einen Moment und ergänzt: „Mit Sven und Yvonne vielleicht.“

Bei der Übersetzung hilft das Handy

Yvonne Seiffert und Partner Sven wohnen in der Wohnung im zweiten Geschoss des Hauses. „Wir haben einen guten Kontakt“, sagt Yvonne Seiffert. „Wenn sie etwas brauchen, kommen sie hoch, wenn ich etwas brauche, komme ich runter.“ Mit der Verständigung gelinge es auch ganz gut. Man habe ja den Übersetzer auf dem Handy. Den nutzten hier alle im Dorf, um mit der Familie ins Gespräch zu kommen, sagt Dorfvorsteher Sternberg.

Zum Geburtstag der Zwillinge hat Yvonne Seiffert der Familie einen Kuchen gebacken. Die Geste habe Galina sehr gefreut. „Sie haben schon meinen halben Hausstand, den Föhn, den Mixer“, zählt Yvonne Seiffert auf und lacht. „Aber das gebe ich gern. Von mir aus können sie bleiben.“

Viktoria Voinova (links), ihr Sohn Timov und ihre Tochter Olga (rechts) mit deren Tochter Diana und Galina Kuznebova (Mitte) mit ihren Zwillingen Nikita (3.v.l.) und Kivilo (2.v.r.).
Viktoria Voinova (links), ihr Sohn Timov und ihre Tochter Olga (rechts) mit deren Tochter Diana und Galina Kuznebova (Mitte) mit...Foto: Andreas Klaer

Bleiben – auch wenn der Krieg vorüber ist? Für den 13-jährigen Nikita ist klar: er möchte zurück, wenn der Krieg endet. Doch die Gebäude seien zerstört. „Wir denken nicht so sehr darüber nach, an Zuhause“, sagt sein Bruder Kivilo.

Das Zuhause, wie es einmal war, gebe es bei ihnen nicht mehr. Viktoria hatte eine Hundezucht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Sie vermisse die Tiere. Sie hätten sie freigelassen, als der Krieg begonnen habe, der Mann und der ältere Sohn als Soldaten in den Kampf mussten. Den ganzen Tag über hält die Familie Kontakt mit denen, die dort geblieben sind.

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Die Zwillinge Nikita und Kivilo haben einige Stunden am Tag Online-Unterricht von ihrer alten Schule. Kivilo findet das ok. Er lerne gerne. Aber sie würden lieber eine Schule in Deutschland besuchen. Doch das Problem sei die Sprache. Die beiden haben sich Bücher bestellt, mit denen sie Deutsch lernen wollen. Eine Lehrerin, die ihnen die Sprache beibringe, fänden beide besser.

Die Familie kam im Bad Belziger Ortsteil Fredersdorf unter.
Die Familie kam im Bad Belziger Ortsteil Fredersdorf unter.Foto: Andreas Klaer

Arbeitsgenehmigung vom Kreis lässt auf sich warten

Auch Galina und Viktoria möchten Deutsch lernen. Bald soll der Sprachkurs im 15 Kilometer entfernten Golzow beginnen. Es sei wichtig, dass sie schnell selbstständiger werden, sagt Sternberg. Die Dorfgemeinschaft habe viel Geld gesammelt, für Schwimmbekleidung, Fahrräder, einen Tag in der Therme. „Das Sparschwein beim Bäcker war schnell voll“, sagt er. Nach der Antragsstellung beim Kreis bekämen sie jetzt Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Galina, Viktoria und Tochter Olga möchten aber ihr eigenes Geld verdienen. Galina hat schon eine Stelle in der Steintherme in Aussicht. Doch die Arbeitsgenehmigung vom Kreis lasse auf sich warten. Vor über einem Monat sei sie beantragt worden. Sie sei ungeduldig. Dennoch, so Galina, sei sie froh, in Deutschland zu sein. „Danke Deutschland“, sagt sie auf Deutsch und hält die Hände vor die Brust. Sie schaut zu Sternberg. „Danke Dorfvorsteher.“ Er lächelt.

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